An den Grenzen sehen wir weiter

Ingo Schulze, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung: „Bozen ist ein guter Ort, um mehr über den Umgang mit Grenzen zu erfahren und darüber ins Gespräch zu kommen. Grenzen müssen nicht abschotten oder isolieren, sondern können Austausch befördern. Auch insofern sehen wir an den Grenzen weiter.“
Bozen ist dieser Woche Tagungsort der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 60 Mitglieder der Akademie diskutieren über Sprache als zentrales Element in europäischen Gemeinschaften. Auf dem Programm stehen auch Lesungen von Südtiroler Autorinnen und Autoren.
Vom 3. bis 5. April werden um die 60 Mitglieder der Akademie, Persönlichkeiten aus Literatur und Wissenschaft, nach Bozen kommen und den Dialog mit ihren Kolleginnen und Kollegen sowie mit der kulturell interessierten Öffentlichkeit suchen – das Motto: „An den Grenzen sehen wir weiter“. Ein dichtes, prominent besetztes Programm lädt dazu ein: Lesungen und Gespräche mit in Südtirol beheimateten Autorinnen und Autoren, Vorträge und Diskussionen über Deutsch in Europa, ebenso eine Podiumsdiskussion über persönliche Grenzerfahrungen mit Mitgliedern der Akademie aus verschiedenen Ländern.
Ingo Schulze, Präsident der Akademie: „Bozen in Südtirol ist ein guter Ort, um mehr über den Umgang mit Grenzen zu erfahren und darüber ins Gespräch zu kommen. Grenzen müssen nicht abschotten oder isolieren, sondern können Austausch befördern. Auch insofern sehen wir an den Grenzen weiter.“ Rita Franceschini, Vizepräsidentin der Akademie und Mitkuratorin der Tagung, betont: „Sprache ist ein zentrales Element in europäischen Gemeinschaften, so auch in Südtirol. Es ist deshalb eine besondere Freude, dass wir so viel Unterstützung für diese Tagung erfahren haben. Sprache – Literatur – Grenzen und Perspektiven: Die dreitägige Veranstaltungsreihe um diese Begriffe wird Südtirol mit seinen Erfahrungen in den Mittelpunkt stellen.“
Eröffnet wird die Tagung am Donnerstag, dem 3. April, um 19:00 Uhr mit der Veranstaltung „Zwiesprache, dreisprachig?“. Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller Rut Bernardi, Sabine Gruber, Sepp Mall, Josef Oberhollenzer, Greta Maria Pichler und Stefano Zangrando geben in Lesungen und Gesprächen einen Überblick über die dreisprachige Literaturlandschaft Südtirols. Den Abend moderieren Christine Vescoli und Robert Huez.
Am Freitag, dem 4. April, stehen zwei Veranstaltungen auf dem Programm, beginnend um 14:30 Uhr mit „Deutsch in Europa – Deutsch in Südtirol“. In Kurzvorträgen und Diskussionen geht es um die Frage „Wie entwickelt sich die deutsche Sprache außerhalb Deutschlands?“ Die Sprachwissenschaftlerinnen Christa Dürscheid und Rita Franceschini haben sich mit weiteren Kolleginnen und Kollegen dieser Frage gewidmet. Die Ergebnisse werden im vierten Bericht zur Lage der deutschen Sprache mit dem Titel „Deutsch in Europa“ versammelt, der im Herbst 2025 erscheinen wird. An diesem Nachmittag gewähren vier Autoren des Berichts Alexandra Lenz, Elvira Glaser, Ruxandra Cosma und Stefan Rabanus vorab Einblicke in ihre Forschungen. Gemeinsam mit den in Südtirol tätigen Sprachwissenschaftlern Andrea Abel, Birgit Alber, Silvia Dal Negro und Franz Lanthaler werden Vergleiche zwischen dem Deutschen in Europa und in Südtirol gezogen. Es moderiert Renate Gamper.
Um 19:00 Uhr werden unter dem Titel „Grenzen überdenken“ fünf Akademie-Mitglieder aus unterschiedlichen Ländern über Grenzen und deren Bedeutung für ihren Lebensweg sprechen. Die Erfahrungen und die vielleicht überraschenden Perspektiven mögen auch das Publikum dazu anregen, mit eigenen Überlegungen oder möglichen Grenzerfahrungen in die Diskussion einzutreten. Auf dem Podium sprechen die Schriftstellerinnen und Schriftsteller Aris Fioretos (Schweden), Olga Martynova (Deutschland/Russland), Kerstin Preiwuß (Deutschland), Frank Witzel (Deutschland) und die Germanistin Swati Acharya (Indien). Moderation: Ingo Schulze und Oswald Egger
Am Tagungssamstag, dem 5. April, um 14:00 Uhr wird in zwei Vorträgen die Geschichte Südtirols nach dem Ersten Weltkrieg beleuchtet. Der Historiker Stefan Lechner spricht über die Zeit von 1922–1945, die Historikerin Martha Verdorfer über die politische und gesellschaftliche Entwicklung seit 1945. Die Moderation übernimmt Gustav Pfeifer, Direktor des Südtiroler Landesarchivs.
Schlusspunkt der Tagung ist die Verleihung der Akademie-Preise am Samstag um 19:00 Uhr. Verliehen werden der Johann-Heinrich-Voß-Preis an den Übersetzer Stefan Moster und der Friedrich-Gundolf-Preis an den Kulturvermittler Rüdiger Görner.
Die Tagung wird realisiert in Kooperation mit Literatur Lana, Sprachstelle im Südtiroler Kulturinstitut, Akademienunion, Südtiroler Landesarchiv, Freie Universität Bozen, Autonome Provinz Bozen-Südtirol. Alle Veranstaltungen finden im Schloss Maretsch statt, Eintritt frei.
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