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Zornige Hausärzte

Foto: lpa/unsplash

Immer wieder kommt es in der Informatik des Sanitätsbetriebes zu Pannen, Fehlern und Nachjustierungen. In den vergangenen 2 Wochen gab es gleich drei verschiedene Vorfälle. Den Südtiroler Hausärzten platzt inzwischen der Kragen.

von Christoph Franceschini

„Ich kann zu meiner Sekretärin auch nicht sagen, weil ich den Computer umstelle, bekommst du diesen Monat ein Drittel weniger Gehalt“, ärgert sich ein Südtiroler Hausarzt. Eine Kollegin bläst ins selbe Horn: „Jede Woche müssen wir uns auf eine neue Panne gefasst machen“.

Die Nerven der Südtiroler Allgemeinmediziner liegen blank. Der Grund dafür ist das Informatiksystem der Südtiroler Sanität. Oder besser gesagt dessen Handhabung. Immer wieder kommt es zu Pannen, Fehlern oder Ausfällen. „Wir sind dann die Esel, die das ausbaden müssen“, fasst ein Mediziner die Stimmung zusammen.

Der letzte Akt dieser Pannenserie hat den Protest der Hausärzte erst richtig angefacht. Der Grund: Er betrifft direkt die Brieftasche der Ärzte. Die vertragsgebundenen Freiberufler bekommen für Sonderleistungen – etwa Impfungen – eine Extravergütung. Diese Vergütungen sind aber seit zwei Monaten ausständig. Erst nachdem mehrere Hausärzte beim Südtiroler Sanitätsbetrieb protestierten, verschickte der zuständige Direktor des „Amtes für Grund- und wohnortnahe Versorgung“, Stefan Dejaco, eine Rundmail.

Seine Erklärung: Im letzten Monat wurde die Datenübertragung zur Verwaltung der Vergütungen auf ein neues Programm umgestellt. Aufgrund technischer Probleme war es nicht möglich, die Daten der Impfungen vom Januar 2025 hochzuladen. Deshalb werden die Vergütungen für die Impfungen erst im nächsten Monat ausbezahlt. „Etwaige Ungenauigkeiten werden ebenfalls mit der Auszahlung der nächsten Vergütungen bereinigt. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten“, schreibt Dejaco.

Doch diese Entschuldigung ist bei den meisten Hausärzten nicht gut aufgenommen worden. Denn nach Informationen der TAGESZEITUNG fehlen bei den ausbezahlten Vergütungen derzeit nicht nur die Impfungen, sondern auch die Wochenenddienste und andere Sonderleistungen. Ein Allgemeinmediziner meint sarkastisch: „Das haben die noch gar nicht einmal bemerkt“.

Dass die Hausärzte so empfindlich reagieren, liegt an der Tatsache, dass es allein in den vergangenen zwei Wochen zu drei verschiedenen Pannen im Informatiksystem des Südtiroler Sanitätsbetriebes gekommen ist.

So war es den Bürgerinnen und Bürgern fast die gesamte vergangene Woche nicht möglich, ihre Befunde digital abzurufen. Das Befundausgabesystem war zusammengebrochen und damit auch der Einblick in die elektronische Gesundheitsakte (EGA) für die Patienten und Patientinnen nicht mehr möglich. Der Verwaltungsdirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebs, Luca Armanaschi, erklärte gegenüber der „Dolomiten“ den Grund für den Systemausfall so: „Im Rahmen einer Anfang letzter Woche vom Lieferanten der Labordiagnostik-Software geplanten Maßnahme zur Modernisierung der technologischen Infrastruktur ist der Kommunikationskanal für die Online-Befunde der Bürger ausgefallen.“ Damit konnten zwar die Hausärzte die Befunde sehen, aber nicht die Patienten.

Aber bereits eine Woche zuvor war es zu einer Panne gekommen. So liefen vorvergangene Woche bei den Allgemeinärzten die Telefone heiß. Besorgte Patienten und Patientinnen wollten wissen, welcher neue Befund in ihrer elektronische Gesundheitsakte hochgeladen wurde. Denn im EGA-System erhält jeder Bürger eine E-Mail oder eine SMS, wenn ein neuer Befund in die elektronische Krankenhausakte aufgenommen wird oder jemand die Akte einsieht.

Weil der Großteil derjenigen, die eine solche Benachrichtigung jetzt erhalten haben, aber in den vergangenen Monaten keinerlei Untersuchungen gemacht hatten, haben Viele äußerst beunruhigt ihren Hausarzt oder – ärztin angerufen, um zu erfahren, was los ist. „Auch wir haben nur blöd aus der Wäsche geschaut“, sagt ein Arzt. Erst nach längerer Nachforschung konnte das Rätsel gelöst werden. Die Sabes-Informatikabteilung hat jetzt eine ganze Reihe von alten Befunden in die elektronischen Krankenakten nachgeladen. Dabei wurde automatisch die Benachrichtigung aktiviert.

„Die EGA gibt es seit 2020 und wir sind gesetzlich verpflichtet, alle digital vorhandenen Akten dort abzuspeichern“, sagt der im Land zuständige Direktor des Amtes für Gesundheitssteuerung, Johannes Ortler. Weil in der Vergangenheit aber vieles liegen geblieben ist, musste man jetzt die Dokumente nachladen.

Diese Aktion hat nicht nur zur Verwirrung der Patienten beigetragen, sondern auch zum Ärger der Hausärzte. „Wir sind anscheinend die Letzten, die vom Land oder dem Sanitätsbetrieb bei solchen Pannen benachrichtigt werden“, meint ein Hausarzt.

 

 

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