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„War gerne Bürgermeister“

35 Jahre lang war Iaco Frenademetz in Abtei gemeindepolitisch tätig, 16 Jahre davon als Bürgermeister. Bei den kommenden Wahlen wird er nicht mehr antreten. Der Rückblick auf eine lehrreiche Amtszeit im Rathaus.

Tageszeitung: Herr Frenademetz, am vergangenen Mittwoch fand ihre letzte Sitzung im Gemeinderat statt. Wie verlief die Sitzung?

Iaco Frenademetz: Die letzte Sitzung verlief sehr ruhig, war aber dennoch reizvoll. Wir hatten insgesamt 14 Punkte, die diskutiert worden sind. Auch die Opposition hat den Punkten zugestimmt. Zu Beginn der Amtsperiode war diese deutlich lauter, sie hat aber schnell verstanden, dass man für die Oppositionsarbeit auch Gründe braucht. Mit der Zeit ist es also immer besser geworden.

Es war ihre letzte Sitzung nach 35 Jahren Gemeindepolitik…

Ja, das stimmt. Ich war 35 Jahre lang in der Gemeinde, zehn Jahre als Gemeinderat, neun Jahre im Ausschuss und 16 Jahre als Bürgermeister. Es schmerzt zwar jetzt aufzuhören, aber man muss den Jungen auch Platz machen.

Hatten Sie bei der Sitzung auch Zeit für einige Dankesworte?

Ja, ich habe eine kleine Bilanz der letzten 35 Jahre gezogen. Ich habe mich bei allen bedankt, vor allem beim Gemeindesekretär, aber auch bei den Ausschussmitgliedern der letzten 16 Jahre. Sie waren alle sehr aktiv und haben mir die Arbeit erleichtert. Es braucht eine gute Zusammenarbeit im Ausschuss und dazu einen fleißigen Gemeindesekretär, der die Säule einer Gemeindeverwaltung ist. Wir haben in den vergangenen Jahren viele wichtige Investitionen getätigt, Ich kann deshalb sagen, dass ich mich zufrieden zurückziehe. Ich bin immer noch Stolz auf unsere Gemeinde.

Warum haben Sie sich zum Rückzug aus der Politik entschieden?

Ich muss auf meine Gesundheit achten, die Aufgabe des Bürgermeisters wird auch nicht einfacher. Ich möchte außerdem mehr Zeit für meine Familie haben. Außerdem ist da noch mein Hobby. Ich werde viel auf die Jagd gehen.

Was nehmen Sie nach diesen 35 Jahren mit?

Ich nehme vieles mit. Es gab einige einprägsame Ereignisse. Ganz besonders in Erinnerung ist mir die große Mure von 2012 geblieben, von der auch mein Haus betroffen war. Vier Wohnhäuser wurden dabei zerstört. Wir sind damals haarscharf an eine Katastrophe vorbeigeschrammt. Wäre sie nur ein bisschen weitergegangen, hätte sie auch die Kläranlage und die Gader erwischt. Damit wäre die gesamte Saison infrage gestanden. Auch die Pandemie war keine einfache Zeit. Hinzu kommt die Entscheidung über die Teilnahme an der Ski-WM 2029. Zuletzt gab es mit dem Entwicklungsprogramm und dem neuen Raumordnungsgesetz neue Bestimmungen, die sehr viel Einsatz von uns abverlangen. Speziell beim Raumordnungsgesetz fehlte leider die Unterstützung des Landes. Es gab andauernd Änderungen, das war nicht gerade einfach.

Sie haben jetzt vor allem über negativere Erfahrungen gesprochen. Gibt es auch positive Erinnerungen?

Ja, auf jeden Fall. Ich war gerne Bürgermeister, es war eine große Ehre für mich, auch weil es nur wenige machen können. Besonders schön für mich ist der Respekt, den die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung mir zu Teil hat kommen lassen. Ich hätte mir das nie erwartet.

Ihr Nachfolger steht bereits fest. Was ist ihr Rat an ihn?

Mein Rat an ihm ist es, die Arbeit fortzusetzen wie bisher. Es ist in der heutigen Zeit nicht einfach Kandidaten zu finden. Die Aufgabe des Bürgermeisters ist anspruchs- und verantwortungsvoll. Wenn man schaut, was man dabei verdient, ist es eigentlich eine Zumutung.

Interview: Markus Rufin

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