Die Anklage
Der Lkw-Fahrer, der am Bozner Mazziniplatz die Radfahrerin Margherita Giordano überfuhr, muss vor Gericht. Auch gegen Bozens Bürgermeister Renzo Caramaschi behängt wegen des Unfalls ein Strafverfahren, das aber eingestellt werden dürfte.
von Thomas Vikoler
Die Sicherheitslage am Bozner Mazziniplatz war, besonders für Radfahrer, jahrelang prekär. Es gab mehrere Unfälle mit Schwerverletzten. Das änderte sich etwas nach dem tragischen Tod der 34-jährigen Grundschullehrerin Margherita Giordano, die beim Abbiegen in die Italienallee am 24. November 2022 unter einen Betonmischer geriet und auf der Unfallstelle verstarb.
Die Gemeinde Bozen führte einen eigenen Ampeltakt für Radfahrer ein.
Am Dienstag leitete Vorverhandlungsrichter Ivan Perathoner am Landesgericht ein Hauptverfahren zum Vorwurf der fahrlässigen Tötung gegen den Lenker des Schwerfahrzeugs ein, die Hauptverhandlung beginnt im Juni. Nunmehr angeklagt ist ein 52-jähriger Mann aus dem Trentino.
„Das war ein erwartbarer Schritt, eine derart komplexe Angelegenheit lässt sich nicht in einer Vorverhandlung abarbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass mein Mandat im Prozess freigesprochen wird, weil er keine Schuld trägt“, erklärte Anwalt Marco Mayr nach der Verhandlung.
Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage gegen den Lkw-Fahrer erhoben, weil ein technisches Gutachten ein nicht genauer definiertes Fehlverhalten des Fahrers des Betonmischers festgestellt hatte. Allerdings stellten die Gutachter auch fest, dass die Lehrerin ihr Fahrrad bei Rot in Gang gesetzt hat, also eine Mitschuld an dem Unfall trägt.
Verteidiger Mayr weist darauf hin, dass der Lkw nach dem damaligen Ampeltakt gerade sechs Sekunden Zeit gehabt habe, die Kreuzung zu überqueren.
Eine große Gefahrenquelle und ein strukturelles Problem, findet der Verteidiger. Sein Mandant erklärte nach dem Unfall gegenüber der Stadtpolizei, er habe die Radfahrerin schlichtweg nicht gesehen.
Die Angehörigen von Margherita Giordano, die sich inzwischen mit der Versicherung des Lkw außergerichtlich auf eine (geringe) Schadensersatzzahlung geeinigt haben, gingen auch gegen Gemeindeverwalter vor.
Sie erstatteten Strafanzeige gegen Bürgermeister Renzo Caramaschi und Verkehrsstadtrat Stefano Fattor, denen sie vorwerfen, nicht genug gegen die Gefahrenlage am Mazziniplatz unternommen zu haben. Jedenfalls bis zum tragischen Unfall der Lehrerin der Negri-Schule.
Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Einstellung des Verfahrens beantragt, die Angehörigen haben Einspruch dagegen eingelegt, es kommt also zu einer Verhandlung vor dem Voruntersuchungsrichter. Aller Voraussicht nach wird das Verfahren aber eingestellt.
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