Konzertant und tanzbar
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Trio maTrigal (v.l.) Gottfried Tadashi Forck, Raphael Gamper, Maximilian und Wolfgang Schwarz: Die Atmosphäre unserer Musik wechselt zwischen tanzbar und „konzertant”. (Foto: Reiner Nicklar)
Mit Cello, akustischer Gitarre, Schlagzeug und Elektronik kreiert das Trio maTrigal um den Ultner Gitarristen Raphael Gamper eine Mischung aus Weltmusik/Folklore, modernem Jazz und zeitgenössischer Klassik. Am 1. März sind sie bei Veneto Jazz in Venedig zu Gast.
Tageszeitung: Könnt Ihr euch kurz vorstellen.
Raphael Gamper: Ich bin der Gitarrist der Band und komme aus St. Pankraz im Ultental.
Gottfried Tadashi Forck: Ich spiele Cello und komme aus Berlin.
Max Schwarz: Ich spiele Drumset und Handpercussion, außerdem bin ich für diverse elektronische Elemente unserer Musik zuständig. Ich komme aus Wien.
Wie habt ihr aus so unterschiedlichen Orten kommend als Band zusammengefunden?
Tadashi Forck: Gegründet haben wir maTrigal 2019 während unserer Studienzeit an der Musikhochschule in Rostock. Raphael und Max haben im Studiengang Pop- und Weltmusik mit Klassik studiert, ich im komplett klassischen Zweig. Raphael ist gerade frisch aus Südtirol eingetroffen und ist recht schnell auf uns zugekommen (Max und ich waren schon befreundet), um uns eine Eigenkomposition zu zeigen, bei welcher er sich eine Cello- und eine Schlagzeugstimme vorstellen konnte. Schon in den ersten Proben war dann klar, dass unsere musikalischen Ideen sehr gut miteinander harmonieren und diese Besetzung sehr viel Potential hat. Wir haben also beschlossen, eine fixe Band zu gründen und haben auch recht bald unsere erste EP mit den ersten drei Stücken veröffentlicht.
Wie entstehen Eure Stücke und wo probt ihr?
Max Schwarz: Wir haben verschiedene Herangehensweisen. Oft bringt jemand ein musikalisches Fragment zur Probe mit, das kann eine Melodie, eine harmonische Progression oder ein rhythmisches Pattern sein, gemeinsam improvisieren wir dann viel mit der Grundidee. Dadurch entsteht dann meistens ein „Grundriss” eines neuen Stücks, welches durch weiteres individuelles Komponieren von uns allen fertiggestellt wird. Manchmal bringt jemand auch ein fertig komponiertes Stück mit (wie zum Beispiel unsere zweite EP „Transition Void I-III”) und wir arbeiten nur noch an den Feinheiten. Auch haben wir zwei Stücke im Programm, welche eigene Arrangements von Stücken befreundeter Komponisten sind.
Raphael Gamper: Mittlerweile sind wir alle für unseren Master aus Rostock weggezogen. Max ist ins komplett klassische Hauptfach gewechselt und studiert in München, Tadashi in Salzburg und ich bin gerade nach Dresden gewechselt. Zum Erarbeiten neuer Stücke oder zum Proben treffen wir uns in Blöcken, mal in Berlin bei Tadashis Eltern (als Berufsmusiker haben die einen tollen Probenkeller), mal in München in einem der Schlagzeugräume. Gerne kommen wir aber auch immer wieder in meine Heimat. Die Proben am Hof in Ulten sind uns allen eine Quelle reicher Inspiration.
Eure Musik vereint Weltmusik, Jazz, zeitgenössische Klassik und Elektronik. Was inspiriert Euch, diese so unterschiedlichen Stile miteinander zu vermischen?
Tadashi Forck: Ein großer Antrieb in unserem Schaffensprozess ist es, ungehörte neue Musik zu erschaffen. Dazu kombinieren wir einerseits traditionelle Kompositionstechniken, (von Renaissance, über Atonalität bis hin zu moderner Pop- und Jazzharmonie) mit Einflüssen folkloristischer Elemente außereuropäischer Musikkulturen, andererseits legen wir viel Wert auf Sounddesign. Hier kommt der elektronische Aspekt ins Spiel: Wir haben einen hybriden Einsatz von sowohl analoger Live-Bearbeitung unserer Instrumente mithilfe diverser Effektgeräte, als auch digitaler Produktion von Synthesizern, Klangflächen oder Schlagzeugelementen. Für diesen zweiten Teil ist live Max zuständig, mithilfe von sowohl live-Sampling als auch Backing Tracks. Die Atmosphäre unserer Musik wechselt dadurch zwischen tanzbar und „konzertant”.
Ihr habt einige mitreißende Musikvideos auf YouTube veröffentlicht. Gibt es für Euch einen Unterschied zwischen der Arbeit im Studio/beim Dreh oder der Live-Performance?
Max Schwarz: Obwohl die Musik natürlich die gleiche ist, sind das zwei komplett andere Arten des Musizierens. Im Studio liegt der Fokus oft auf der absoluten Perfektion. Vor allem beim Dreh einiger unserer Videos, welche wir als One-Shots gedreht haben, haben wir teilweise bis zu 20 Takes gedreht. Live hat man eine ganz andere Energie, die vom Publikum kommt. Dieser Kontakt ist unglaublich erfrischend und belebend. Oft entstehen bei uns durch diese Interaktion teilweise ganz andere Stückteile durch Improvisation. Das ist von Ort zu Ort immer unterschiedlich. Nach einigen Konzerten in Südtirol können wir aber sagen, dass uns das Publikum vor Ort live eine sehr starke „Resonanz” mitgibt.
Was sind Eure Pläne und Ziele für die Zukunft, es steht ja bald ein besonderes Konzert bei Euch an?
Raphael Gamper: Ja, wir freuen uns schon sehr auf unseren Auftritt bei Veneto Jazz in Venedig am 1. März. Dort werden wir im Auditorium Lo Squero auftreten, ein ganz toller Saal mit Blick über die Lagune. Auf dem Programm stehen die Stücke unseres kommenden Albums; Ende letzten Jahres waren wir dafür neun Tage im Studio. In zehn Stücken sind wir quasi auf einer musikalischen Reise durch unsere Einflüsse, von West- und Nordafrika, über die Türkei bis nach Ulten in die heimischen Berge. Gerade befinden wir uns in der Postproduktion, veröffentlicht wird das Album voraussichtlich im Spätsommer. Dann stehen einige Auftritte in Deutschland und Österreich an, nach Südtirol kehren wir allerspätestens im August zurück, wo wir in Meran auftreten werden. Langfristig wollen wir natürlich international auf großen Bühnen und Festivals auftreten, da sind auch schon einige Sachen in Planung. Fix ist auf jeden Fall, dass wir immer in Südtirol konzertieren möchten.
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