Die 180-Grad-Wende
Vergangene Woche wurde die erste Wildtierbrücke Südtirols vorgestellt. Noch vor einem Jahr wurden solche Projekte vom Land abgelehnt.
von Markus Rufin
Eine Brücke zur sicheren Übertretung von gefährlichen Straßenabschnitten – allerdings nicht für Menschen, sondern für Tiere. So lässt sich die Funktion einer sogenannten Grün- oder Wildtierbrücke zusammenfassen. In Südtirol soll bald in St. Lorenzen Südtirols erste Wildtierbrücke entstehen. Vergangene Woche wurden die Pläne dafür vorgestellt (TAGESZEITUNG berichtete).
Neben der Brücke an sich wird dabei auch eine Kriechspur am Kniepass errichtet, die dafür sorgen soll, dass der Verkehr unter der Brücke flüssiger verläuft. Die Brücke hingegen soll Wildunfälle verhindern. Das Land belegte die Gefährlichkeit der Stelle sogar mit Zahlen und auch die Jägerschaft arbeitet am Projekt mit.
Dennoch wird vor Ort das Projekt auch mit Verwunderung betrachtet. Gar einige Personen, die täglich auf der Pustertaler Staatsstraße unterwegs sind, erachten die Stelle nicht als sonderlich gefährlich – zumindest nicht gefährlicher als andere Abschnitte, wenn es um Wildunfälle geht. In St. Lorenzen und Umgebung wird spekuliert, dass die Brücke gar nur gebaut wurde, um auch die Kriechspur entlang des Kniepasses zu realisieren, auf der Lkw oder landwirtschaftliche Fahrzeuge verkehren sollen oder um in Bezug auf Olympia 2026 Greenwashing zu betreiben. Einige Bürger stellen jedenfalls den Nutzen der ersten Grünbrücke in Südtirol infrage.
Diese Spekulationen werden durch eine Anfrage von Andreas Leiter Reber, Abgeordneter der Freien Fraktion, angeheizt. Leiter Reber begrüßt grundsätzlich die Realisierung solcher Brücken und möchte demnächst einen Beschlussantrag einreichen, um diese auch an anderen sensiblen Stellen zu realisieren. Allerdings stellte er fest, dass die SVP noch vor rund einem Jahr ganz andere Meinung war. Er verweist auf einen Beschlussantrag der Grünen Lucia Coppola im Dreierlandtag: „Noch ein Jahr zuvor haben Landesrat Alfreider und die Abgeordneten der SVP beim Dreierlandtag in Riva am Garda die Errichtung von Wildtierkorridoren abgelehnt.“
Unter anderem wurde der Beschlussantrag, der vorsah, die Errichtung von Wildtierkorridoren im Sinne der Biodiversität zu errichten, abgelehnt, weil damit auch der Durchzug von Großraubwild wie Bär und Wolf gefördert würde.
Leiter Reber stellt fest, dass die SVP-Mandatare offensichtlich ihre Position zum Thema „um 180 Grad“ geändert haben und hofft, dass „vernünftige Vorschläge zur Unterstützung der Wildtiere und ihrer natürlichen Lebensräume künftig mehr Unterstützung finden“.
Dazu möchte er in Erfahrung bringen, wo Grünbrücken aus ökologischer Sicht sinnvoll wären. Diese Analyse haben die Landesämter bereits im Vorfeld zur Brücke am Kniepass durchgeführt. Es dürfte also ein leichtes sein, schnell weitere Projekte dieser Art folgen zu lassen – vorausgesetzt die SVP bleibt bei ihrer Meinung.
Kommentare (6)
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