„Geht’s noch?“
Das Transitforum Austria-Tirol unter Feder des Obmanns Fritz Gurgiser adressiert einen Brief an Landeshauptmann Arno Kompatscher. In diesem kritisiert er grobe Versäumnisse Kompatschers in Sachen Transitmaßnahmen und unterstellt ihm eine maßlose Dreistigkeit.
von Christian Frank
Die leicht reizbaren Spannungen, welche in der Transitdebatte vorherrschen, brandeten zügig wieder auf, als die Verkehrsbeschränkungen aufgrund der bevorstehenden Instandhaltungsmaßnahmen der Luegbrücke zur Sprache kamen. Landeshauptmann Arno Kompatscher machte sich keine Freunde nördlich des Brenners, als er mit Ausdrücken wie „Pragmatismus“ und „sich bewegen müssen“ von den Tirolern eine Aufhebung oder zumindest Auflockerung der Transitmaßnahmen forderte, allem voran des Nachtfahrverbotes.
Nun gab es die Retourkutsche der vordersten Front der Transitmaßnahmen-Verfechter, dem Transitforum Austria-Tirol, dem kürzlich auch die Gemeinde Brenner beigetreten ist. Es handelt sich um einen Brief an den Landeshauptmann, unterzeichnet vom Obmann des Transitforums Fritz Gurgiser und dessen Stellvertreter Clemens Franceschinel. Wer Post von Herrn Gurgiser bekommt, weiß, dass sich das Urgestein in der Transitdebatte kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es um über Jahrzehnte erkämpfte Schutzmaßnahmen zum Wohle der Bevölkerung rund um die Transitroute geht. Dieses Schreiben bildet hierbei keine Ausnahme.
Als „seltsam“, „sehr dreist“ und vor allem rückständig bezeichnet Gurgiser die Forderung des Landeshauptmanns. „Zurück in die belastungsintensive Transit-Steinzeit“, konstatiert Gurgiser und unterstellt Kompatscher ein eklatantes Versagen: „Sie lenken davon ab, was in ihrem ureigensten Aufgabenbereich, der Reduktion der hohen Belastung durch die rund 2,5 Millionen Lkw-Transitfahrten, alles fehlt. Seit 1989 gibt es keine spürbare Bewegung zum Schutz der privaten und betrieblichen Anrainerschaft vom Brenner bis Salurn vor den hohen Transitbelastungen.“
Gurgiser besinnt den Landeshauptmann darauf, dass Südtirol maßgeblich von den Transitmaßnahmen Tirols profitiert hätte. So zeigt auch die Luftgütemessstelle Auer/Laimburg an der A22 zwischen 2001 und 2021 eine 90-prozentige Reduzierung der NO2-Belastung.
„Anstatt sich ordentlich zu bedanken, verlangen Sie vom Land Tirol, zurück in die Steinzeit zu gehen. Geht’s noch?“, echauffiert sich Gurgiser.
Undurchdachte Forderungen und absurde Argumentationen – das ist das Fazit, welches Gurgiser aus Kompatschers Vorschlägen zieht.
„Die Aufhebung des Nachtfahrverbots würde überhaupt nichts am Verkehr entzerren, da es keine Obergrenze des Lkw-Transitverkehrs gibt. Es würde sofort wieder neuer Lkw-Transit auf den Brenner gezerrt werden“, so der Transitforum-Vorstand. Zudem wird an die zahlreichen Ausnahmen des Lkw-Nachtfahrverbots erinnert, die in Ortschaften wie dem Eisacktal, Pustertal oder Wipptal gelten und, so Gurgiser, „schamhaft verschwiegen“ werden.
Des Weiteren erinnert er daran, dass strikte EU-Richtlinien im Hinblick auf Luft- und Lärmverschmutzung gelten, denen Folge getragen werden muss, auch wenn diese in ihren Grenzwerten ohnehin doppelt so hoch sind wie die von der WHO vorgegebenen Richtwerte.
Gurgiser fordert den Landeshauptmann auf, „sich in Bewegung zu setzen“, um endlich entschlossene Reduktionsmaßnahmen zur Transitbelastung in Angriff zu nehmen und gibt seine eigene feste Position zu verstehen.
„Wir können, wollen und werden aus diesem Lebens- und Regionalwirtschaftsraum nicht flüchten“, schließt der Vorstand des Transitforums seinen Brief. Mit besten Grüßen.
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