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Tirol bleibt stur

Die Luegbrücke (Foto: Verkehrsinfos.it)

Landeshauptmann Arno Kompatscher und die bayrische Regierung fordern eine Lockerung der Tiroler Transitregelungen, wenn es zur Sanierung der Luegbrücke kommt. Der Tiroler Verkehrslandesrat René Zumtobel gibt jedoch klar zu verstehen, dass daran nicht gerüttelt wird.

von Christian Frank

In rund einem Jahr ist es so weit. Die Luegbrücke muss saniert werden, und die leicht zu entfachende Transitdebatte flammt wieder lodernd auf. Seit jeher monieren Spediteure die Strenge der Transitmaßnahmen Tirols. Nachtfahrverbote und sektorale Fahrverbote sind der offen bekundete Graus des Transportsektors, doch Forderungen für eine Auflockerung prallen an der Tiroler Politik traditionsgemäß ab. Wirtschaftlichkeit und das Wohlbefinden von Mensch und Natur werden in diesem Diskurs stets auf die Waagschale gelegt. Während das eine Lager mit Horror-Stauszenarien aufschreit, kontert das andere mit Luftwerten und Lärmbelästigung. Die angekündigte Klage des italienischen Verkehrsministers Matteo Salvini beim Europäischen Gerichtshof ist bloß eine jüngere Erinnerung an die fortwährende Brisanz und daran, dass auch die Politik an Tirols Restriktionen zu rütteln versucht. Die Sanierung der Luegbrücke und die damit zusammenhängende einspurige Fahrtregelung ließ demnach schnell hellhörig werden, oder wie Landeshauptmann Arno Kompatscher es ausdrückte: „Da sind bei uns die Antennen hochgegangen.“
Die Bedenken sind immer dieselben, die Forderungen ebenso.
Kompatscher befürchtet „teils katastrophale Zustände“ bei einer tatsächlichen einspurigen Regelung und fordert eigenen Aussagen zufolge „Pragmatik“ und größere Kompromissbereitschaft der Tiroler Landesregierung, wenn es um eine Lösungsfindung geht. Auch vom nördlichen Nachbarn Bayern wurde unlängst von Seiten der Staatsregierung eine Aufweichung des Lkw-Nachtfahrverbotes gefordert. Kompatscher schließt sich dem an und sieht in der temporären Aufhebung beziehungsweise Lockerung des Nachtfahrverbotes eine effiziente Lösung, um die durch die Sanierung entstehenden Verkehrsbehinderungen abzuwenden. Von Seiten der Tiroler Politik gibt es dafür bereits im Vorfeld eine klare Absage:
„Eine Aufhebung des Nachtfahrverbotes würde zwangsläufig noch mehr Lkw-Verkehr anziehen, die Luftqualität in Tirol erheblich belasten und zu einer erhöhten Lärmbelastung führen. Zudem hat die EU die Luftgrenzwerte erst unlängst gesenkt, eine Aufhebung des Nachtfahrverbotes würde diese Entscheidung konterkarieren“, gibt der Tiroler Verkehrslandesrat René Zumtobel zu bedenken.
Für ihn steht fest: „Langfristig absehbare Kapazitätseinschränkungen durch notwendige Infrastrukturmaßnahmen – nördlich wie südlich des Brenners – können nicht zwangsläufig eine Kapazitätserweiterung zur Folge haben.“
Kurz gesagt: Die Luegbrücke ist dringend zu sanieren, doch die damit entstehenden Einschränkungen versprechen noch lange keine Auflockerungen der geltenden Restriktionen.
„Die Bauphase der Luegbrücke wird für alle Beteiligten eine riesige Herausforderung. Umso mehr gilt es meiner Meinung nach, für die betroffenen Regionen Bayern, Südtirol und Tirol auch weiterhin konstruktiv zusammenzuarbeiten und das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen“, sagt Zumtobel versöhnlich. Doch Kompatscher sieht wenig Willen zur Zusammenarbeit, solange Tirol rigide am Lkw-Nachtfahrverbot und sektoralen Fahrverbot festhält.
Zumtobel sieht jedoch zahlreiche alternative Transportwege und Möglichkeiten, mit denen seiner Meinung nach lediglich aus finanziellen Gründen nicht vorliebgenommen wird.
„Jeder dritte Lkw, der über den Brenner fährt, hätte eigentlich eine um mindestens 60 Kilometer kürzere Strecke über andere Alpenübergänge, rund jeder fünfte Lkw hätte sogar einen um mindestens 120 Kilometer kürzeren Weg. Die Hauptursache für diesen Umwegverkehr ist die günstige Lkw-Maut zwischen München und Verona, die am Brennerkorridor fast dreimal so günstig ist wie in der Schweiz“, so der Tiroler Verkehrslandesrat. Zudem gibt Zumtobel zu bedenken, dass mehr als die Hälfte der den Brenner passierenden Lkws eine Distanz von über 950 Kilometern zurücklegen, zehn Prozent der Fahrten gar mehr als 1.600 Kilometer. Aufgrund dessen pocht Zumtobel auf die Nutzung des Schienenverkehrs.
„Gerade im Ausblick auf die Einschränkungen auf der Straße könnte zum Beispiel die längst versprochene Erweiterung des Terminal Trient große Entlastung bringen“, beanstandet der Verkehrslandesrat.
Auch mit Fahrverboten für den Durchzugsverkehr auf dem niederrangigen Straßennetz ist laut Zumtobel zu rechnen: „Das Land Tirol wird dahingehend seinen Beitrag leisten, um Gemeindestraßen und Ortsdurchfahrten zu entlasten.“
Zumtobel führt als eine zukunftsträchtige Lösung das digitale Verkehrsmanagement (Slot-System) an, welches dem Verkehrslandesrat zufolge beispielsweise die Blockabfertigung ersetzen könnte.
„Es würde die rund 400 Kilometer lange Strecke zwischen München und Verona für die Transportwirtschaft planbarer machen. Mit den vorgegebenen Zeit-Slots könnten wir insbesondere an starken Reisetagen oder auch bei Baustellen den Lkw-Transit steuern und damit Verkehrsbehinderungen vermeiden. Was mit Flugzeugen auf internationalen Airports, auf der Schiene bei Zügen und in Häfen mit Schiffen und Lkw funktioniert, das würde auch beim Schwerverkehr auf der Autobahn funktionieren. Die buchbare Straße ist die Zukunft, um die Kapazitäten bestmöglich zu managen.“
Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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