„Kein mea culpa“
Mobilitätsstadtrat Stefano Fattor hat sich bei einer Aussprache im Rathaus mit Bürgermeister Renzo Caramaschi „versöhnt“, beharrt aber auf seinen Positionen zu Mobilität und Stadtentwicklung.
von Thomas Vikoler
Stefano Fattor lässt sich nicht leicht zügeln – und schon gar nicht an den Ohren ziehen. „Die in einigen Medien verbreitete Nachricht, ich sei vom Bürgermeister ausgeschimpft worden, entbehrt jeglicher Grundlage. Ich lasse mich mit meinen 60 Jahren von niemanden ausschimpfen“, sagt Fattor zu einem Treffen, das am Dienstag im Bozner Rathaus stattfand.
Anwesend waren Bürgermeister Renzo Caramaschi, Vizebürgermeister Stephan Konder und Mobilitätsstadtrat Stefano Fattor. Der Anlass: Die verbalen Ausritte von letzterem in den vergangenen Wochen in Fragen der Mobilität und – vor allem – Urbanistik.
Fattor fordert seit Jahren die Ausweisung von Baugründen im Grüngürtel von Bozen, um dem Rückgang der Stadtbevölkerung aufzuhalten. Zuletzt auf einer Tagung des PD im Kolpinghaus.
Caramaschi und Konder legten Fattor bei der Aussprache nahe, sich in seinen Aussagen zu mäßigen. „Ich habe ihnen zugesagt, dass ich daran arbeiten will, die Spitzen in meinen Aussagen etwas zu glätten“, sagte der Betroffene gestern zur TAGESZEITUNG, „von einer mea culpa meinerseits kann aber nicht die Rede sein, ich werde weiter meine Positionen vertreten“.
Es ist bekannt, dass Fattor (er legt Wert auf die Feststellung, dass es die Position seiner Partei, des PD, ist) in Sachen Stadtentwicklung ziemlich andere Ziele verfolgt als die Koalitionspartner SVP und Grüne. Diese möchten im auszuarbeitenden Gemeindeentwicklungsprogramm (GEP) die Verbauung von aktuellem landwirtschaftlichem Grün möglichst geringhalten. Der Mobilitätsstadtrat und studierte Architekt sinniert dagegen von einer zweiten Straße parallel zur Reschenstraße und dazwischen eine neue Groß-Wohnsiedlung.
Er sieht seine Stellungnahme als Beiträge in der angeregten Debatte zum GEP und bekräftigt damit seine inoffizielle Bewerbung als Bürgermeisterkandidat bei den nächsten Gemeinderatswahlen in einem Jahr. Und er weist darauf hin, dass der Vorschlag für die Festlegung der Siedlungsgrenzen im GEP frühestens im Februar 2026, also erst nach den Wahlen, vorliegen werde.
Tatsächlich verzögern sich die Vorarbeiten zu diesem neuen Planungsinstrument aus dem Gesetz Raum und Landschaft erheblich. Umweltstadträtin Chiara Rabini will den seit Jahren in Ausarbeitung befindlichen Akustikplan innerhalb dieses Monats dem Stadtrat vorlegen. Kommende Woche soll dagegen der Zuschlag für die technische Ausarbeitung des GEP durch die teilnehmenden Bietergemeinschaften erfolgen.
Immerhin: Vizebürgermeister Stephan Konder (SVP) bezeichnet das Treffen im Rathaus wörtlich als „Versöhnung“ zwischen Caramaschi und Fattor. Diese ist wohl verbunden mit der Einsicht, dass in dieser Amtsperiode keine großen Entscheidungen zur Stadtentwicklung mehr getroffen werden können. Fattor versprach dagegen die baldige Vorlage des Entwurfs für den dreijährigen Verkehrsplan (PUT). Er kündigt an, dass es angesichts der langfristig erwarteten Stadtumfahrungen lediglich kleine Anpassungen geben werde.
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