Die Transit-Bombe
Paukenschlag im Transit-Streit: Die EU-Kommission rügt Österreich. Und Italien klagt jetzt vor dem Europäischen Gerichtshof. Zwar gibt es kein EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich, manche Maßnahmen sind laut Kommission aber „in ihrer Gesamtheit“ nicht gerechtfertigt.
Paukenschlag im Transit-Streit zwischen Österreich und Italien.
Die EU-Kommission hat im Streit um die Tiroler Anti-Transitmaßnahmen auf der Brennerstrecke den Weg für eine Klage Italiens gegen Österreich vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) frei gemacht. In einer sogenannten „mit Gründen versehenen Stellungnahme“ gibt die Brüsseler Behörde der Kritik Italiens mehrheitlich recht.
Auf ein eigenes Vertragsverletzungsverfahren verzichtete die Kommission aber.
Die EU-Kommission gab jedenfalls am Dienstag eine Stellungnahme dazu ab.
In ihrer Prüfung gelangte die EU-Kommission zu dem Ergebnis, dass bestimmte Maßnahmen auf den Autobahnen A 12 und A 13 den freien Warenverkehr einschränken. Als konkrete Kritikpunkte nannte die EU-Kommission: ein Nachtfahrverbot, ein sektorales Fahrverbot für bestimmte schienenaffine Güter, ein Winterfahrverbot an Samstagen und die Rationierung der Einfahrt von Schwerlastfahrzeugen auf die Autobahn.
Zwar erkenne die Kommission Erklärungen Österreichs zu Umweltaspekten an, diese seien in ihrer Gesamtheit aber mit den angestrebten Zielen – Umweltschutz, Verkehrssicherheit, fließender Verkehr oder Sicherheit – nicht gerechtfertigt. Und einige der Maßnahmen dürften ausländische Unternehmen mehr betreffen als österreichische.
Außenminister Alexander Schallenberg und Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (beide ÖVP) äußerten sich in einer Aussendung: „Aus österreichischer Sicht ist völlig klar, dass die Schutzmaßnahmen für die massiv unter dem Verkehrsaufkommen leidende Bevölkerung in Tirol notwendig, verhältnismäßig und EU-rechtskonform sind.“
Österreich und Tirol hätten die unionsrechtliche Pflicht, Maßnahmen zur Luftreinhaltung zu setzen. Das Argument des freien Warenverkehrs könne nicht mehr Gewicht haben als die Belastung für die Gesundheit der Bevölkerung und die Umwelt in Tirol, so Schallenberg und Edtstadler.
Die österreichischen Minister kündigten an, zu dem Thema „selbstverständlich“ weiterhin im Dialog mit Rom und Brüssel zu bleiben.
Auch Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) sowie der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) erklärten bereits, dass eine Abkehr von den Tiroler Maßnahmen nicht in Frage käme.
Italiens Verkehrsminister Matteo Salvini kündigte an, nun vor dem EuGH zu klagen.
Auch von Thomas Baumgartner, dem Past-Präsidenten der italienischen Frächtervereinigung ANITA, liegt eine Stellungnahme vor. Der Bozner Unternehmer sagt: „Wir freuen uns, dass die Europäische Kommission eine klare Haltung eingenommen und bestätigt hat, dass die österreichischen Begründungen in Bezug auf Verkehrssicherheit und Umweltschutz nicht stichhaltig sind.“
Kommentare (23)
Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen
Du musst dich EINLOGGEN um die Kommentare zu lesen.