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Pöbeln, Prügeln, Würgen

In der vergangenen Hinrunde gab es auf Südtirols Fußballplätzen so viel Gewalt wie noch nie. Wie der Verband das Problem bekämpfen will.

von Markus Rufin

Der Amateurfußball in Südtirol befindet sich aktuell in der Winterpause. Erst Anfang Februar wird wieder auf den Plätzen gespielt. Diese Pause haben viele Vereine, Funktionäre und insbesondere die Zuschauer offenbar dringend nötig.

Denn Fußball-Verbandspräsident Klaus Schuster war in den vergangenen Wochen bei diversen Vereinen zu Weihnachtsfeiern und Jahresabschlüssen eingeladen. Dabei berichtete er davon, dass es noch nie so viele Beleidigungen und gewalttätige Auseinandersetzungen wie heuer in Südtirols Amateurfußball gab. Besonders erschreckend dabei: Auch im Jugendfußball gibt es immer mehr ausufernde Auseinandersetzungen.

„Teilweise gingen die Fälle bereits durch die Medien“, berichtet Schuster. Gleich mehrmals sei es vorgekommen, dass junge Schiedsrichter von der Tribüne aus für ihre Entscheidungen beschimpft wurden. Besonders krass ist ein Fall, der sich im Oktober zugetragen hat. Eine erst 15-jährige Schiedsrichterin, die gerade erst begonnen hatte, Spiele zu leiten, wurde bei einem U-15-Spiel (!) derart von Eltern und Zuschauern beschimpft, dass sich der Verband dazu gezwungen sah, dem Verein eine Strafe von 300 Euro auszustellen.

Auch das Fair-Play sei in der vergangenen Hinrunde einige Male nicht respektiert worden, indem Spiele unterbrochen wurden. „Es spricht viel dafür, dass die Vereine untereinander einen respektvollen Umgang vermissen lassen“, meint Schuster.

Größere Gewaltausschreitungen, die mehrjährige Sperren zur Folge haben, gab es zwar nicht, aber kleinere Auseinandersetzungen mit üblen Beschimpfungen hätten eindeutig zugenommen.

„Das Hauptproblem sind dabei die Zuschauer“, erklärt der Verbandspräsident. „Vor allem bei Jugendspielen sind es die Eltern, die ihren Aggressionen freien Lauf lassen. Sie benutzen den Fußballplatz als Raum, um Frustrationen loszuwerden, das war immer schon so, jetzt ist es aber vermehrt der Fall.“ Die Tatsache, dass sich auf dem Fußballplatz alle Sprachgruppen, Kulturen und Religionen treffen, trage wohl dazu bei.

Es sei generell deutlich mehr Nervosität zu beobachten. Schuster berichtet von mehr Entlassungen und Sperren als in den vergangenen Jahren und vermutet, dass speziell bei Trainern die finanzielle Situation eine Rolle spielen könnte. Die Spieler seien jedenfalls noch am wenigsten auffällig geworden.

Auffällig sei außerdem, dass sich die Auseinandersetzungen nicht mehr auf die städtischen Fußballplätze konzentrieren. Während noch vor einigen Jahren vor allem Vereine aus Bozen mit vielen Spielern mit Migrationshintergrund für Schlagzeilen sorgten, habe sich das Phänomen nun auch auf ländliche Bereiche ausgedehnt.

Es handelt sich dabei zwar nicht um ein gänzlich neues Phänomen, aber es habe sich verschlimmert, sagt der Fußballverbandschef: „Während kurz nach der Pandemie die Menschen froh waren, dass wieder Fußball gespielt wurde, hat die Verrohung in der Rückrunde zugenommen. In der Hinrunde wurde es nochmal schlimmer.“

Schusters Ansicht nach sei der Grund dafür, dass gesellschaftliche Probleme auf den Fußballplatz getragen werden. Da dieser als Raum interpretiert wird, in dem man seinen Emotionen freien Lauf lassen darf, kommt es häufiger zu Beleidigungen oder kleineren Schlägereien.

Im Oktober hat sich Schuster in einem offiziellen Rundschreiben an alle Vereine und Funktionäre gewandt und appelliert, einen respektvolleren Umgang untereinander zu pflegen: „Wir haben daraufhin in Sitzungen mit Vereinen darüber gesprochen. Das hat geholfen.“ Fraglich ist allerdings, wie lange die Situation so bleibt.

Die Möglichkeiten für den Verband gegen beleidigende oder gewaltbereite Zuschauer vorzugehen, sind jedenfalls beschränkt. Der Verband kann den Vereinen lediglich eine Geldstrafe auferlegen. Spieler und Funktionäre können dagegen gesperrt werden, wenn die Zuschauer aber für eine angespannte Atmosphäre sorgen, wirke sich das auch auf das Spielfeld aus. Der Verband hat jedenfalls zwischenzeitlich die Strafen für diverse Vergehen leicht erhöht.

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