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„Rohe und sexualisierte Gewalt“

Der Familienseelsorger Toni Fiung übt scharfe Kritik an den Krampusumzügen im Lande und plädiert für mehr Christkind und weniger Krampus.

von Artur Oberhofer

Toni Fiung ist besorgt: „Ich frage mich immer öfter, warum die Menschen in dieser Zeit Spektakel und Schrecken brauchen, wo die Adventszeit doch als ruhige Zeit herbeigesehnt wird. Warum müssen diese Wochen mit Krawall und Spektakel eventisiert werden?“

Der Familienseelsorger übt scharfe Kritik an dem sich auch in Südtirol fast exponentiell ausbreitenden Krampus-Kult. Die Gewaltdarstellung liege zwar in der Natur des Krampus, sagt Fiung. Gewalt marschiere da immer mit – in den Gebärden und in der körperlichen Überlegenheit der Krampusse. Der Krampus sei eine durchwegs männliche Figur. „Wen Krampusse vielerorts erwischen, auf den dreschen sie mit roher Gewalt ein, auch auf Frauen: Das ist auch sexualisierte Gewalt“, argumentiert Toni Fiung. „In einer Zeit, in der wir durch Krieg und ökonomische Bedrohungen belastet sind, sollte der Fokus viel mehr auf das gelegt werden, was uns guttut, was uns versöhnlich stimmt und wobei wir Freude spüren“, regt der Familienseelsorger an. Kurzum: Er plädiert für „mehr Christkind und weniger Krampus“.

Der Krampus gelte althergebracht als Schreckgestalt und Begleiter des Heiligen Nikolaus: fürsorglich der Nikolaus, angsteinflößend der Krampus. Der Krampus zeige sich als Eroberer, stark, unerschrocken und mächtig. Im Alltag würden die Drohgebärden des Krampus sofort sanktioniert werden, ist Toni Fiung überzeugt. Aber hinter Maske und Brauchtum seien seine Handlungen legitim. Die Masken, die getragen werden, hätten kaum mehr etwas mit der ursprünglichen Krampus-Vorstellung zu tun. Es handle sich um eine Mischung aus Mumie, Zombie und Totenkopf. Im Bösen spiele sich pure Psychologie ab, versucht Toni Fiung eine Erklärung. Dabei spielten sich bekannte Abläufe ab: Eifersucht, Neid, Hass, Kränkung, Machtkämpfe. Jeder Mensch wisse und spüre, dass er/sie in sich auch böse Anteile trägt, dass es Verschattetes und seelische Abgründe gibt. Diese Abgründewollen Teilnehmende an Krampusumzügen anscheinend kennenlernen. Fiung weiter: „Es gibt kaum eine Ortschaft, die ihren Krampuslauf nicht als großes Event anpreist. Touristisch betrachtet sind die Krampusläufe vor allem ein gutes Geschäft.“

Auch bei Nikolausumzügen oder bei Hausbesuchen werde der Nikolaus häufig von Krampussen flankiert. „Wenn du nicht brav bist, holt dich der Krampus”, wird als Warnung für Kinder noch immer verwendet.

Toni Fiung ist empört: „Dabei bedroht der furchteinflößende Krampus mit der Rute unartige Kinder und zeigt seine Absicht, sie in die Kraxe packen und in die Hölle mitnehmen zu wollen.“

Der Nikolaus hingegen übergebe Geschenke und rate bösen Kindern, im kommenden Jahr ja artig zu sein, damit der schaurige Krampus sie nicht mitnehmen müsse. „Das sind Drohungen, die in der Erziehung nichts zu suchen haben,“ sagt der Familienseelsorger.

Sie würden schwarze Pädagogik bedienen und könnten das Vertrauensverhältnis zwischen Kind und Bezugsperson belasten – weil Gewalt verherrlicht werde.

Toni Fiung fragt sich: „Welches Bild vermitteln wir unseren Kindern und Jugendlichen? Die schöne Botschaft des Nikolaus gehe verloren. Der Nikolaus werde zur kaum mehr wahrgenommenen Witzfigur und legitimiere Gewalt mit Bonbons und anderen Süßigkeiten.“

 

 

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