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Schuss ins Knie

Um den Posten des Landwirtschafts-Landesrates ist nun innerhalb der SVP ein handfester Kampf entbrannt. Warum die Aktien von Luis Walcher sinken – und jene von Arnold Schuler wieder steigen.

von Artur Oberhofer

Eigentlich hatte er mit dem Thema Landesregierung bereits abgeschlossen. Nachdem er bei den Landtagswahlen vom 22. Oktober über 11.000 Stimmen verloren hatte und mit 8.340 Stimmen nur auf Platz 9 landete – also noch hinter dem Neueinsteiger Luis Walcher –, sagte Arnold Schuler ganz offen: Er sei jetzt nicht mehr in der Position, „Forderungen stellen zu können“.

Sprich: Mit dem enttäuschenden Abschneiden habe er den Anspruch auf „sein“ Assessorat, die Landwirtschaft, verwirkt – und müsse wohl Anderen den Vortritt lassen.

Schulers Glück ist, wenn man so will: Die großen Verlierer dieser Wahl sind nicht die einzelnen bäuerlichen KandidatInnen, sondern der Südtiroler Bauernbund als Standesorganisation.

Der Bauernbund, der noch immer glaubt, nach dem Der-Schwanz-wedelt-mit-dem-Hund-Prinzip agieren zu können, dieser einst so mächtige Verband hat Schiffbruch erlitten.

Landesrätin und SBB-Kandidatin Maria Hochgruber Kuenzer hat den Wiedereinzug in das Hohe Haus verpasst, Manfred Vallazza, der schlaue Bauer aus dem Gadertal, ist ebenfalls aus dem Landtag geflogen. Und Franz Locher, der Sarner Fuchs, der sich auf Volksfesten bereits als künftiger Landesrat hatte feiern lassen, verlor 3.000 Stimmen und wird wohl weiterhin ein Dasein als Hinterbänkler fristen müssen. Der neue Mann des Bauernbundes, Luis Walcher, schaffte zwar den Einzug in das Landesparlament, aber mit Platz 8 hat auch er kein Ergebnis erzielt, das Landeshauptmann Arno Kompatscher dazu zwingt, ihn in die Regierung aufzunehmen.

Wie sehr der politische Einfluss des Bauernbundes geschrumpft ist, belegen die nackten Zahlen: In der letzten SVP-Fraktion im Landtag stellten die Bauern noch einen Anteil von 43 Prozent, jetzt sind es nur mehr 30 Prozent.

Und: Seit den 1980er-Jahren hatte der Bauernbund stets mindestens einen Kandidaten unter die drei Erstgewählten auf der SVP-Liste pushen können.

Diesmal langte es nur für Platz 8. „Es ist also nicht angebracht, dass der Bauernbund jetzt mit geschwellter Brust in die Verhandlungen geht“, sagt ein hochrangiges SVP-Mitglied.

In den letzten Wochen und Tagen haben der Bauernbund und Luis Walcher denn auch alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann.

Anstatt sich nach der schallenden Ohrfeige durch die bäuerlichen WählerInnen in Demut zu üben, hat der Bauernbund dem Landeshauptmann und dem SVP-Obmann die Rute ins Fenster gestellt: Luis Walcher müsse Landwirtschafts-Landesrat werden.

Nicht genug.

Am vorvergangenen Mittwoch, in der Sitzung des SVP-Ausschusses für Landwirtschaft, hat Luis Walcher im Zuge einer Analyse der Landtagswahlen zum Frontalangriff gegen die scheidende Landesregierung geblasen. Die WählerInnen, so Walcher, hätten vor allem die Landesregierung abgestraft. Das Portal Salto.bz legte Luis Walcher den Satz in den Mund: „Es ist in den letzten Jahren nix weitergegangen, daher ist es Zeit für einen ordentlichen Austausch.“ Dieser Satz ist – wie Teilnehmer bestätigen – tatsächlich so gefallen.

Der Landeshauptmann, der verspätet zur Sitzung erschienen ist, hat die Aussagen Walchers überhaupt nicht goutiert.

Mit Walchers Fehltritt steigen denn auch wieder die Aktien von Arnold Schuler. Erst recht, wenn die SVP – so wie es jetzt aussieht – Richtung Team K umschwenkt und danach trachten muss, so viele Vertrauenspersonen wie nur möglich in sein Team zu holen.

So wie einst Luis Durnwalder, der – siehe das Beispiel 2008 – keineswegs die bestgewählten Leute in die Regierung geholt hat, könnte nun auch Arno Kompatscher vorgehen.

2008 hatte Durnwalder Elmar Pichler Rolle, der 24.000 Vorzugsstimmen erhalten hatte, und Arnold Schuler (17.000) nicht in die Landesregierung berufen, sondern die von den WählerInnen arg abgestraften Vertrauensleute Sabina Kasslatter Mur und Michl Laimer. Durnwalder sagte damals: „Ich nehme die Leute in die Regierung, denen ich vertraue.“ Punk. Aus. Amen.

Im Umfeld von Arno Kompatscher heißt es außerdem: Der Bauernbund könne auch schon deswegen keine Forderungen stellen, weil er durch seine (zusammen mit den „Dolomiten“ ausgetragenen) Kampagnen maßgeblich zur Verschlechterung der allgemeinen Stimmung im Land beigetragen und dadurch dafür gesorgt habe, dass viele SVP-WählerInnen Jürgen Wirth Anderlan und Sven Knoll in die Arme gelaufen seien.

Dass Luis Walcher ihm in den Rücken gefallen ist, wird Arno Kompatscher dem „deutschen“ Bürgermeister von Bozen nicht verzeihen, glauben Insider.

Ein Kompatscher-Intimus sagt: „Der gute Luis hat nicht verstanden, dass der Wahlkampf vorbei ist.“

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