Walchers Traum
Da Landeshauptmann Arno Kompatscher ihn nicht in die Landesregierung nimmt, liebäugelt Bauernvertreter Luis Walcher mit dem Gedanken, neuer SVP-Obmann zu werden.
von Matthias Kofler
Es ist ein ungewöhnlicher Vorgang: Anfang dieser Woche hat der Südtiroler Bauernbund in der Bozner SVP-Zentrale den Wunsch deponiert, welcher Abgeordnete die Bauernzunft in der neuen Landesregierung vertreten soll, nämlich der scheidende Bozner Vizebürgermeister Luis Walcher. Er sei der bestgewählte FFS-Kandidat und im Gegensatz zu Daniel Alfreider und Waltraud Deeg, die ebenfalls für das Landwirtschafts-Assessorat gehandelt werden, ein waschechter Bauer, argumentieren Leo Tiefenthaler und Co. „Der SBB hat nichts aus den Wahlen gelernt“, schütteln sie in der Brennerstraße den Kopf.
Walchers großes Problem ist, dass er als Achtgewählter auf der SVP-Liste nur schwer einen Anspruch auf einen Regierungsposten erheben kann. Nach Informationen der Tageszeitung hat Landeshauptmann Arno Kompatscher seinem Getreuen bereits unmissverständlich klargemacht, dass er ihn unabhängig vom Ausgang der Koalitionsverhandlungen nicht in sein neues Kabinett holen werden. Mit Hubert Messner, Peter Brunner, Daniel Alfreider und Rosmarie Pamer stehen bereits vier Landesräte fest. Der Einzige, der theoretisch zurücktreten könnte, weil er bei den Landtagswahlen viele Stimmen verloren hat, ist SVP-Chef Philipp Achammer. Dieser denkt aber nicht daran, das Feld kampflos zu räumen.
Um aus der Schusslinie zu kommen, hat Achammer dem Parteiausschuss am Montag vorgeschlagen, bis Ende Februar einen Sonderparteitag einzuberufen, auf dem eine neue Parteiführung gewählt werden soll. In den folgenden Tagen erhielt der Vintler viele Solidaritätsbekundungen von der Basis. Viele Ortsobleute können nicht nachvollziehen, dass Achammer die alleinige Schuld an der Wahlniederlage zugeschrieben wird. Der Obmann selbst hat bereits mehrfach deutlich gemacht, dass er nicht an diesem Ehrenamt „kleben“ würde: Wenn es andere Kandidaten gäbe, würde er gerne zurücktreten. Achammer ist überzeugt, dass er bei den Wahlen keinen Obmann-Bonus, sondern vielmehr einen Obmann-Malus gehabt habe, weil für alles seinen Kopf hingehalten habe, wo sich viele andere weggeduckt hätten.
In den kommenden Wochen wird die Basis nun die Möglichkeit haben, Vorschläge für die neue Parteispitze zu unterbreiten. Potenzielle Kandidaten wie Rosmarie Pamer und Peter Brunner dürften das Angebot auf die Obmannschaft dankend ablehnen, weil sie sich vorerst voll auf ihr neues Amt in der Landesregierung konzentrieren wollen. Brunner, der voraussichtlich Urbanistik-Landesrat wird und innerhalb der SVP in der Pole-Position für die zukünftigte Obmannschaft steht, ist nicht der Wunschkandidat des Landeshauptmanns, der in diesen schwierigen Monaten keine zu starke Figur an seiner Seite haben will. Er sagt, dass die Obmann-Frage verfrüht komme und nicht aus dem Stehgreif beantwortet werden könne, da es verschiedene Faktoren zu beachten gelte. Luis Walcher liebäugelt derzeit als einer der wenigen neu gewählten Mandatare mit dem Gedanken, in Achammers Fußstapfen zu treten. Aus dem einfachen Grund, im Kampf um die Posten in der Landesregierung ein Ass im Ärmel zu haben. Offiziell hält sich der Vizebürgermeister von Bozen aber noch bedeckt: „Wir tun jetzt gut daran, in der eigens dafür eingesetzten zehnköpfigen Strategiegruppe das Wahlergebnis aufzuarbeiten. Die Wahl der neuen Parteiführung ist noch drei Monate entfernt.“ Ein klassisches Jein.
Walcher wird von Vertretern des Bauernbundes unter Druck gesetzt, auf einen Sitz in der Landesregierung zu bestehen. Achammer hat bereits ein „Angebot“ von Walcher nahestehenden Personen erhalten, das Amt des Landesrates aufzugeben und stattdessen die Landwirtschaft zu übernehmen. Doch das komme für den scheidenden Obmann nicht in Frage, heißt es aus dessen Umfeld. Immerhin sei er der Drittgewählte auf der SVP-Liste, der 2.500 Stimmen vor dem Viertgewählten und 7.000 Stimmen vor Walcher liege. „Wer Achammer kennt, weiß, dass er kein Politiker ist, der ein repräsentatives Amt übernimmt, nur um seine Zeit im Landtag abzusitzen – er will etwas bewegen“, sagt ein Vertrauter des Parteichefs. Das sei auch ein Ansporn für eine dritte Amtszeit in der Landesregierung – auch wenn er nach seiner Kehrtwende mit starkem Gegenwind aus dem Hause Athesia rechnen muss.
Nun obliegt es dem designierten Landeshauptmann, seiner Partei einen Vorschlag für die Zusammensetzung des Kabinetts zu unterbreiten. Die Kontroverse ist vorprogrammiert.
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