Luxussport Skifahren

Foto: Wisthaler/Dolomiti Superski
Seit 2018 sind die Skiticketpreise in Südtirol um bis zu rund 40 Prozent gestiegen. Saisonkarten kosten annähernd tausend Euro. Wie die Betreiber sich den Kostenanstieg erklären.
von Christian Frank
„Ein Skigebiet ist der Motor des Südtiroler Wintertourismus“, erklärt der Direktor des Skigebiets Kronplatz, Thomas Reiter, und spricht damit eine Gegebenheit an, die so alt wie der Wintertourismus selbst ist.
Die Rekordzahlen der vergangenen Wintersaison zeigen, dass Skifahren in den Südtiroler Bergen für viele eine einverleibte winterliche Aktivität ist, sowohl für Einheimische als auch Touristen.
Weitere Rekordzahlen sind jedoch auch die Preise, die sich in den letzten Jahren ständig üppig erhöhen.
Ein Saison-Skipass von Dolomiti Super Ski kostet beispielsweise zwischen 925 und 990 Euro. Die Tageskarten-Preise für Erwachsene bewegen sich bei den einzelnen Skigebieten im Bereich zwischen 60 und 80 Euro in der Hochsaison. Dabei sind die Nebenkosten der Anreise, Parkgebühren, Ausrüstungsverleih und Verpflegung natürlich noch nicht eingerechnet.
Die Preiserhöhungen sind eklatant. Sowie die Tabelle zeigt, haben sich die Eintrittspreise zu den Skipisten zwischen 2018 und 2022 um teilweise rund 30 Prozent erhöht und erleben auch in diesem Jahr wieder eine Steigerung von beinahe 16 Prozent. Innerhalb von fünf Jahren sind die Skipasspreise also um bis zu über einen Drittel gestiegen.
Eine Familie mit zwei Kindern gibt für ein einziges Skiwochenende mitsamt Ausrüstung und Verpflegung also über 500 Euro aus. Kann sich das die durchschnittliche Südtiroler Familie überhaupt noch leisten?
„Meiner Meinung nach gehörte der Skisport auch schon vor 20 Jahren zu den teuren Sportarten“, meint Reiter und zeigt zwar Verständnis für die Bedenken bezüglich der höheren Preise, sieht es jedoch als eine Frage der Priorität: „Natürlich gibt es neben den Kosten für die Skipässe noch allerlei Nebenkosten beim Skifahren, aber ein iPhone kostet zum Beispiel auch gut einen Tausender. Beim Skifahren ist man an der frischen Luft und betätigt sich körperlich. Jeder muss selbst entscheiden, wo seine Prioritäten liegen und was für ihn oder sie richtig ist.“
Woran die Steigerung liegt, darüber sind sich die Direktoren und Pressefunktionäre der befragten Skipisten und -verbände einig.
„Die Energiepreise sind für uns die größten Betriebskosten, und die letztjährige Steigerung war enorm. Ende August letzten Jahres hatten wir eine Verzehnfachung der Energiekosten im Vergleich zu vor Covid. Die angehobenen Ticketpreise konnten immer noch nicht die gestiegenen Energiekosten abdecken. Es herrschte dadurch eine extrem angespannte Situation. Es war wirklich brenzlig. So etwas hat es noch nie gegeben. Wenn wir nicht beschneien könnten, würden nicht nur die Skipisten in der Wintersaison ausfallen, sondern es würde ebenso die gesamte Hotellerie und den Wintertourismus als Ganzes betreffen“, findet Reiter.
Ähnliche Töne gibt es von Diego Clara, dem Pressebeauftragten der Dolomiti Superski, jener Vereinigung, die bei der Preisgestaltung für zwölf Skipisten in Südtirol den Ton angibt: „Wie es momentan aussieht, wird Strom wieder enorm teuer. Der Treibstoffpreis, den wir in Massen brauchen, um die Pisten zu pflegen, ist jenseits von gut und böse. Das sind jene Kostenfaktoren, die wir besonders in die Rechnung miteinbeziehen müssen. Ein solcher Betrieb ist immerhin eine Millioneninvestition. Die Preissteigerung haben wir den Skipistenbetreibern bereits im März mitgeteilt. Dabei haben wir uns auf acht Prozent festgelegt. Diese Zahl orientiert sich an der damals prognostizierten Inflationsrate. Da konnte noch niemand wissen, ob das noch schlimmer wird oder besser.“
Einig ist man sich auch über die vermeintliche Entlastung der letztjährigen Energieboni für die Skipistenbetreiber von Seiten der Regierung.
„Der Energiebonus und die Steuergutschriften haben geholfen, aber sie haben die Mehrkosten nicht vollständig ausgeglichen“, bemängelt Christoph Seeber, der Direktor des Skigebiets Gitschberg-Jochtal, und Diego Clara nennt die Boni bloß „Peanuts“.
Für Einheimische sind sie dennoch bedacht, Vergünstigungen und Vorteile herauszuschlagen, auch wenn sich das nicht so leicht darstellt, erläutert Clara: „Bereits seit einigen Jahren können wir offiziell keine Einheimischen mit Vergünstigungen bevorzugen, da eine solche Differenzierung laut der Europäischen Union europaweit verboten ist, mit der Begründung, dass niemand aufgrund seiner Herkunft bevor- oder benachteiligt werden darf.“
Lokalen Skibesuchern will man trotzdem indirekte Vorteile gewährleisten. Clara sieht demzufolge im Saisonpass eine „perfekte Lösung“ und zählt noch weitere von ihnen bereitgestellte Preisnachlässe auf: „Ein Tourist bleibt im Durchschnitt eine Woche, deshalb rentiert sich für diesen der Saisonpass, der von Ende November bis ersten März gilt, nicht. Diese Pässe sind somit auf die Lokalbevölkerung ausgerichtet. Wir haben auch Familienpakete und große Vergünstigungen für Kinder. Zudem kann man sich mit dem Onlinevorverkauf fünf Prozent des Preises sparen und relativiert damit beinahe die diesjährige Steigerung.“
In der Tat bemühen sich die Betreiber darum, erschwingliche Anreize für die Einheimischen zu schaffen.
„Wir bieten schon seit einigen Jahren Saisonkarten zu einem sehr günstigen Preis an, dieses Jahr sind es 349 Euro“, erklärt Seeber.
Ein solcher Preis ist jedoch die Ausnahme der Regel. Denn in Alta Badia kostet eine Saisonkarte beispielsweise 645 Euro und im Skigebiet Drei Zinnen 695 Euro, wobei die letzten beiden deutlich größer sind.
Bedenken, dass sich die Familien angesichts der horrenden Preise nicht mehr auf die Pisten wagen, hegen die Betreiber nicht.
Kommentare (8)
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