Teure Schrottkisten?
Für Führerscheinneulinge wird es immer schwieriger, ein entsprechendes Auto zu finden. Warum die Preise zunehmend steigen und was das für den Automarkt bedeutet.
von Sylvie Debelyak
Der Führerschein ist geschafft, jetzt fehlt nur noch ein passendes Auto. Der bestandene Führerschein bedeutet für junge Menschen endlich unabhängig und mobil zu sein. Doch Fahrzeuge mit einer entsprechenden Leistungsbegrenzung sind für Führerscheinneulinge immer schwieriger zu finden – und kaum noch erschwinglich.
Johannes Moser, Inhaber des Autohaus Moser in Bruneck, erklärt, woran das liegt: „Als Kunde stellt man natürlich hohe Qualitätsansprüche.“ Es sei nicht mehr zeitgemäß, junge Leute in eine Schrottkiste hineinzusetzen. Somit werden viele Gebrauchtwagen, die für Führerscheinneulinge geeignet wären, in Autohäusern oder bei seriösen Händlern bereits von vornherein vom Verkauf ausgeschlossen, weil sie nicht mehr der Qualität und der Sicherheit entsprechen, wie man sie von neuen Autos gewohnt ist. Die Auswahl wird somit eingeschränkt. Die Folge: Der Preis von Gebrauchtwagen für Führerscheinneulinge steigt. Mit rund 12.000 Euro müsse man Moser zufolge schon rechnen.
Von Privathändlern werden alternativ günstigere Autos angeboten. Doch diese würden laut Moser keinen Qualitäts- und Sicherheitsstandards unterliegen. Ein altes Auto für ein paar Hundert Euro ist zwar demnach schnell gekauft, wie der Autohausinhaber sagt, kann aber auch schnell große Reparaturkosten verursachen. Immerhin will niemand bei seinem ersten Auto an Pannen und unerwünschte Werkstattbesuche denken müssen. Darüber hinaus besteht auch das erhöhte Risiko, unwissend ein Unfallauto zu kaufen. „Wenn jemand ein so günstiges Auto kauft, kauft er meist einen Rucksack voll Probleme gleich mit. Morgen muss der Collaudo noch gemacht werden, übermorgen geht das Getriebe kaputt und drei Tage später fängt der Motor an zu spinnen“, unterstreicht Moser. Die Probleme würden dabei bei einem selbst hängen bleiben und auch jegliche Serviceleistungen bleiben dem Autohändler zufolge bei einem solchen Kauf aus: „Man braucht schon extrem viel Glück, wenn man auf Facebook ein wenige hundert Euro teures Auto kauft und keinen Ärger damit hat.“
Einige Automodelle haben sich bereits seit Jahren und zum Teil über mehrere Modellgenerationen hinweg als Autos für Fahranfänger bewährt. Allerdings werden nur mehr wenig kleine Autos produziert. Viele Hersteller hätten davon Abstand genommen, sie seien für sie nicht mehr so interessant, wie der Autohausinhaber weiß: „Frühere Erfolgsmodelle wie der Ford Fiesta oder der Fiat Punto wurden sogar ganz vom Markt genommen. Und auch die klassischen Kleinwagen wie Volkswagen Polo oder Opel Corsa werden für Hersteller zunehmend unattraktiv.“ Die meisten würden nur noch große, teure Autos produzieren, während die Herstellung von Kleinwagen für Führerscheinneulinge deutlich abnimmt. Je weniger neue Autos in diesem Segment hergestellt werden, desto weniger Gebrauchtwagen wird es in den nächsten Jahren auf dem Markt geben, was dazu führt, dass die Preise noch weiter steigen werden.
Da sich ein erheblicher Teil der Führerscheinneulinge aufgrund dessen kein eigenes Fahrzeug mehr leisten kann, ist es in vielen Familien gang und gäbe, den Kindern das familieneigene Auto zur Verfügung zu stellen. Häufig entspricht dieses jedoch nicht dem von Rom vorgegebenen maximalen Leistungsgewicht. Hinzu kommt, dass diese Leistungsbegrenzung künftig von bisher ein Jahr auf drei Jahre verlängert werden soll. „Diese Zeitspanne, die dadurch überbrückt werden muss, ist ein wesentlicher Unterschied und stellt vor allem für jene Familien, die etwas abgelegener wohnen, ein großes Problem dar. Und einen kleinen Gebrauchtwagen für Führerscheinneulinge zu kaufen, bedeutet eine große finanzielle Belastung“, führt Johannes Moser aus. Die Tatsache, dass immer weniger Kleinwagen produziert werden, würde die Suche nach einem erschwinglichen Auto zusätzlich erschweren.
Können sich Normalverbraucher also bald kein Auto mehr leisten? Immerhin sind die Preise für Autos, unabhängig davon, ob sie nun für Führerscheinneulinge geeignet sind oder nicht, in den letzten Jahren enorm gestiegen, wie der Brunecker erzählt: „Die explodierenden Preise sind auf Produktionsausfälle, Lieferketten-Probleme, dem Ukraine-Krieg und den dadurch gestiegenen Energiekosten sowie einer Knappheit bei Microchips zurückzuführen.“ Viele Kunden von Neuwagen seien auf den Gebrauchtwagenmarkt ausgewichen, wodurch die Preise getrieben wurden.
Laut Moser sollen sich die Autopreise inzwischen wieder stabilisiert haben, jedenfalls sei ihm zufolge jetzt der bessere Zeitpunkt, sich ein Auto anzuschaffen, als noch vor einem Jahr.
Was die Zukunft der Autoindustrie anbelangt, so sieht der Autohändler aus Bruneck einen Trend, dass es in den nächsten Jahren zu neuen Formen der Mobilität beziehungsweise zu einer neuen Form der Bezahlung kommen wird: „Es werden sich weniger Leute ein Auto kaufen, und die meisten werden sich vielmehr eines leihen oder mieten, für kürzere oder eben auch längere Zeit“. In den Großstädten sei man im Hinblick auf Auto-Abos und Car-Sharing schon viel weiter, Moser erwartet sich aber auch hierzulande eine solche Entwicklung.
Darüber hinaus würden Elektroautos zunehmend an Bedeutung gewinnen, auch für Führerscheinneulinge, wie der Autohausinhaber sagt: „Mikro-Elektroautos könnten für Führerscheinneulinge interessant sein, auch was deren Preislage betrifft.“ Hinzu komme, dass E-Autos, welche die Eigenschaften erfüllen, in einigen Jahren als Gebrauchtwagen an Führerscheinneulinge verkauft werden könnten. „Die Zukunft des Automarktes ist ganz klar auf Elektrik und alternative Antriebe gerichtet“, so Moser.
Kommentare (30)
Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen
Du musst dich EINLOGGEN um die Kommentare zu lesen.