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Der Faktor W

Philipp Achammer im Gespräch mit Thomas Widmann

Im Landtag zweifelt niemand mehr daran, dass Thomas Widmann mit einer eigenen Liste zu den Wahlen im Herbst antritt – und LH Arno Kompatscher stürzen will. Es wäre der endgültige Bruch mit „seiner“ SVP.

von Matthias Kofler  

Thomas Widmann ist ein Polit-Profi durch und durch: Er weiß, wie man die Spannung hochhält und den Überraschungseffekt auf seiner Seite hat. Seit Wochen gibt der Ex-Landesrat keine offiziellen Statements zu seinen politischen Zukunftsplänen mehr ab. Es sei „noch zu früh“, verlautet aus seinem Umfeld. Gleichzeitig setzt Widmann alles daran, dass er weiter im Gespräch bleibt. Er agiert im Halbdunkeln, weil er will, dass die Öffentlichkeit mitbekommt, wie er an einer eigenen Liste für die Landtagswahlen bastelt und intensiv um Kandidaten wirbt, die mit ihm in den Ring steigen wollen. Immer wieder sickern Indiskretionen an Abgeordnete im Landtag durch.

Im Hohen Haus zweifelt deshalb mittlerweile niemand mehr daran, dass es der Afinger im Herbst noch einmal wissen will. Die Rachegelüste seien einfach zu groß, die Wahlen böten eine ausgezeichnete Gelegenheit, um seinem politischen Widersacher Arno Kompatscher das Leben schwer zu machen, äußern Mandatare im Hintergrundgespräch. Alle Augen sind zurzeit auf den Ex-Landesrat gerichtet – und dieser zelebriert den Moment. Die SVP ist seit Wochen in einer Schockstarre gefangen. Den Strategen unterm Edelweiß ist klar, dass eine Liste Widmann vor allem der Mutterpartei – und eben nicht der Opposition Stimmen wegnehmen würde. Dem Ex-Landesrat spielt in die Karten, dass die SVP ihre Kandidatenliste noch immer nicht abgeschlossen hat, weil zwei Frauen fehlen.

Nachdem die SVP-Führung, ohne mit der Wimper zu zucken, Widmanns „kleines Edelweiß“ versenkt hat, steht fest: Lanciert der Afinger tatsächlich eine eigene Liste, bricht er endgültig mit jener Partei, mit der er seit Jahrzehnten familiär und politisch verbunden ist. SVP-Obmann Philipp Achammer lässt keinen Interpretationsspielraum offen: „Das Parteistatut sieht vor, dass Mitglieder, die bei konkurrierenden Listen antreten, bei Hinterlegung der Kandidatur automatisch die SVP-Mitgliedschaft verlieren.“ Das gilt für Widmann, aber auch für alle anderen SVP-Mitglieder, die mit ihm (oder mit Ex-Schützenhauptmann Jürgen Wirth Anderlan) antreten.

Aus Achammers Umfeld ist zu hören, dass dieser nach wie vor alles in seiner Macht Stehende tue, um Widmann von einer Kandidatur abzubringen. Die Rede ist von einem nicht näher definierten „Angebot“, das er seinem langjährigen Weggefährten gemacht haben soll. Eine EU-Kandidatur 2024 gilt als eher unwahrscheinlich, da Herbert Dorfmann bereits angedeutet hat, weitere fünf Jahre in Straßburg anhängen und anschließend die politische Karriere an den Nägel hängen zu wollen.

Widmann spielt auf Zeit und hält sich damit alle Möglichkeiten offen. Im Landtag gehört er weiter der SVP-Fraktion an und trägt alle Maßnahmen der Regierung widerstandslos mit. Insidern zufolge hat sich der Ex-Landesrat in Sachen eigene Liste aber schon zu weit aus dem Fenster gelegt, weshalb ein Rückzieher nicht mehr möglich sei. Hinter dem Afinger steht eine Gruppe aus finanzstarken und einflussreichen Herrschaften, die Widmann zu einer Kandidatur drängen. Böse Zungen behaupten, dass Widmann finanziell besser aufgestellt sei als seine Mutterpartei. Die 450 bis 600 für eine Kandidatur notwendigen Unterschriften kann er selbst beglaubigen.

Ein wirkliches Wahlprogramm scheint das Widmann-Lager nicht zu haben. Die Unterstützer eint allein der Wunsch, den ungeliebten Arno Kompatscher in die Wüste zu schicken. Auffallend ist, wie oft Widmann zuletzt das Gespräch mit Oppositionsführer Paul Köllensperger gesucht hat. Der Ex-Landesrat träumt davon, nach den Wahlen all jene SVP-Mandatare in seine Fraktion zu holen, die mit dem LH im Clinche liegen: Franz Locher, Manfred Vallazza, Waltraud Deeg und Co. Geht dieser Plan auf, könnte er, gemeinsam mit dem Team K, eine Mehrheit ohne die Kompatscher-SVP bilden – und den LH zum Rückzug zwingen. Paul Köllensperger gibt sich abwartend: „Bis dahin fließt noch viel Wasser die Etsch hinunter.“ Eine Widmann-Kandidatur fürs Team K und eine Listenverbindung schließe er aber definitiv aus.

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