Durch den Rost
Im Landtag ging es um pakistanische Tellerwäscher, die mit dem BMW zur Arbeit fahren.
Von Matthias Kofler
Mit einem Beschlussantrag wollte das Team K „die Fleißigen belohnen“. Geht es nach Maria Elisabeth Rieder, soll es künftig einen „Freibetrag für Fleißige“ geben, damit noch mehr Südtiroler:innen, vor allem auch jene, wo mehrere Familienmitglieder ein Einkommen haben, Zugang zur Wohnbauförderung bekommen. Die Menschen machten sich die Rechnung, und arbeiteten unter Umständen auch „schwarz“, um in die Beiträge hineinzufallen. Doch das könne es nicht sein, so die Team-K-Politikerin.
Es folgte eine lebhafte Debatte. Ein großer Teil der Opposition kündigte an, für den Vorschlag zu stimmen. Kritik hagelte es vonseiten der Mehrheit. Es sei ihm neu, dass Menschen ihren Beruf so wählten, dass sie Beträge erhielten, meinte der SVP-Abgeordnete Gert Lanz.
Einen heftigen Schlagabtausch lieferten sich Sven Knoll und Brigitte Foppa. „Der Mittelstand fällt viel zu oft durch den Rost“, stellte der Abgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit fest. Und führte ein Beispiel an: „In Südtirol gibt es pakistanische Tellerwäscher, die BMW fahren und eine 60-Quadratmeter-Wohnung für 860 Euro im Monat beziehen, die sich ein Einheimischer nicht leisten kann.“
Die Grüne Brigitte Foppa schüttelte über die Wortwahl ihres Kollegen den Kopf: „Madai.“ Es beeindrucke sie immer wieder, in welch anderem Südtirol Sven Knoll lebe. „Ich kenne keinen pakistanischen Tellerwäscher, der mit dem BMW zur Arbeit fährt. Normalerweise fahren die Tellerwäscher nämlich mit dem Bus zur Arbeit. Aber wenn du welche kennst, kannst du sie mir gerne vorstellen“, betonte die Oppositionelle. Sie würde empfehlen, nicht solche Bilder zu zeichnen und gleichzeitig von „Neiddebatten“ zu sprechen. Damit verwies Foppa auf Knolls Aussagen im Zusammenhang mit den Politiker-Gehältern. Zum Antrag sagte sie, dass sie dessen Ansinnen zwar teile; die Bezeichnung „Freibetrag für die Fleißigen” finde sie aber unglücklich gewählt – denn wenn jemand nicht arbeiten gehe, dann bedeute das nicht, dass er nicht fleißig sei.
Der Antrag des Team K wurde mehrheitlich abgelehnt. Maria Elisabeth Rieder ist dennoch von dem Vorschlag überzeugt:
„Damit würden wir niemandem etwas wegnehmen, sondern jene belohnen, welche durch ihren Fleiß ein zu hohes Einkommen haben und so bei der Wohnbauförderung oft nur sehr knapp vorbeischlittern. Auch die Einführung des zinslosen Darlehens wäre derzeit eine gute Unterstützungsmaßnahme für jene Menschen, die auf einen Kredit angewiesen sind.“
Kommentare (44)
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