Du befindest dich hier: Home » Gesellschaft » „Ein teures Gut“

„Ein teures Gut“

Foto: 123RF.com

In einem Kalterer Restaurant hat eine Familie für zwei Liter Leitungswasser 7 Euro hinblättern müssen – obwohl sie ausgiebig gespeist und teuren Wein getrunken hat. 

von Sandra Fresenius

Eine Gruppe Gäste genoss in Kaltern einen netten Restaurantbesuch bei erfrischenden alkoholischen und nicht-alkoholischen Getränken und verschiedenen Vor- sowie Hauptspeisen, auch eine Flasche Wein für knapp 50 Euro bestellte die Familie. Als dann aber die Rechnung über gut 130 Euro kam, wurde schnell offensichtlich, dass hier ein Posten kräftig zu Buche schlug, den man so nicht „auf der Rechnung hatte“: das Leitungswasser. Stolze sieben Euro waren für zwei Liter berechnet worden. „Die Dienstleistungskosten, die wir in dem Bereich haben, sind extrem gestiegen. Die Kosten des Wassers machen es sicher nicht aus, aber die Dienstleistung muss berechnet werden“, sieht HGV-Präsident Manfred Pinzger darin grundsätzlich erstmal nichts Verwerfliches. Allerdings müsse von Fall zu Fall unterschieden werden. Wenn der Gast beispielsweise mehrere Flaschen Wein bestellt, dann würde das Wasser auch gratis dazu gereicht, weiß Pinzger von vielen Betrieben.

Weil Leitungswasser gerne nachgefragt wird, haben in den letzten Jahren auch viele Betriebe in eigene Geräte für die Aufbereitung investiert. Auch das wirkt sich laut Pinzger auf den Preis aus: „Es spielt eine nicht unerhebliche Rolle, ob der Betrieb zur Aufbereitung in ein etwa 5.000 Euro teures Gerät investiert wird. Dieses reinigt, filtert und kühlt das Leitungswasser und setzt ihm auf Wunsch Kohlensäure hinzu. Anschließend wird es in Flaschen gefüllt und entsprechend deklariert“, erklärt der HGV-Präsident. Und das verursache natürlich Spesen.

Ob auch das Restaurant in Kaltern ein solches Gerät besitzt, ist nicht bekannt. „Man kann das Wasser in Kaltern auch direkt aus der Leitung nehmen, weil wir gutes Trinkwasser haben. Es ist nur kalkhaltiger als in anderen Orten und nicht allen schmeckt das“, sagt Arnold Kemenater, Obmann der HGV-Ortsgruppe Kaltern. Sein Restaurant verfügt nicht über so eine mit staatlichen Förderungen bezuschusste Aufbereitungsmaschine, aber er hat auch noch nie etwas für das Wasser aus dem Hahn berechnet.

Ein konkretes Gesetz, welches das Angebot von Leitungswasser in Gastronomieunternehmen vorsieht, gibt es nicht. Jedem Gastwirt steht es also frei, ob er Leitungswasser anbietet. Die gute Südtiroler Wasserqualität und der Service, der auch mit der Bestellung eines Glases Leitungswassers verbunden ist, rechtfertigt jedoch nicht jeden Preis. „3,50 Euro ist ein bisschen viel, dann kann ich auch ein normales Mineralwasser bestellen. Bei 1,00 Euro bis 1,50 Euro für den Service hätte ich damit kein Problem“, sieht Kemenater eine gewisse Schmerzgrenze bei der Preisgestaltung. „Wasser ist ein teures Gut. Die Preise für das Leitungswasser betragen üblicherweise zwischen zwei und vier Euro“, hält Pinzger demgegenüber den Preis von 3,50 Euro für gerechtfertigt.

Preisvorgaben für Leitungswasser gibt es auf jeden Fall nicht. „Jeder Gastronom entscheidet für sich, aber natürlich ist alles ein Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage“, sagt der HGV-Obmann des Bezirkes Eisacktal und Landtagsabgeordnete, Helmut Tauber. „So spielt neben der hauseigenen Aufbereitung auch eine Rolle, welches Niveau der Gastronomiebetrieb hat, das heißt, ob das Wasser von einem einfachen Café oder einem generell höherpreisigen Restaurant angeboten wird“, meint Tauber.

Von einer Abzocke bei 3,50 Euro pro Liter Leitungswasser würden die Gastwirte aber definitiv nicht sprechen. „In Südtirol wird im Gegensatz zu Italien kaum für ein Gedeck berechnet – man muss jetzt schon immer alles sehen“, gibt der HGV-Präsident zu bedenken und ist sich sicher, dass „die Gäste sicher nicht überteuert gegessen haben“, wenn man die anderen Positionen der Rechnung betrachtet.

„Man könnte schon im Vorfeld sagen, dass man für Leitungswasser etwas berechnet, weil auch der Service bezahlt werden muss. Dann kann der Gast immer noch entscheiden, ob er für 3,50 Euro doch lieber ein richtiges, also ein geprüftes Mineralwasser nimmt“, schlägt HGV-Obmann Kemenater vor, um spätere Unstimmigkeiten zu vermeiden. „Außerdem wäre es möglich, das Leitungswasser in den Beitrag für das „Coperto“ einzurechnen. Das wäre sinnvoll und würde auch besser beim Gast ankommen. Dann kann jemand Wasser dazu bestellen, so viel er will, ohne dass der Wirt jedes Mal 3,50 Euro dafür zu verlangen hat“, ergänzt Kemenater.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den angebotenen Service, direkt oder indirekt zu verrechnen. „Wir haben immer noch das freie Unternehmertum. Ich hoffe, dass wir in Südtirol nicht für jede Diskussion eine gesetzliche Regelung finden – meines Erachtens sind wir eh schon überreglementiert. Wir werden hoffentlich nicht den Menschen vorschreiben, was sie für die einzelnen Speisen und Getränke berechnen. Das Wesentliche ist, dass der Kunde weiterhin eine gute Qualität bekommt und dass er nicht das Gefühl bekommt, dass er irgendwie abgezockt wird“, betont Tauber.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (16)

Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen

Du musst dich EINLOGGEN um die Kommentare zu lesen.

2025 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl Impressum | Privacy Policy | Netiquette & Nutzerbedingungen | AGB | Privacy-Einstellungen

Nach oben scrollen