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„Wollen und brauchen wir nicht“

Foto: Antifa Meran/Twitter

In Algund läuft alles auf eine Absage des Treffens der „Deutschen Burschenschaft“ hinaus. Aus Sicherheitsgründen – und weil die zuständige Referentin und das Thalguterhaus nähere Recherchen angestellt haben.

von Karin Gamper

Der im rechten Dunstkreis angesiedelte Verband „Deutsche Burschenschaft“ wird seinen diesjährigen Kommers mit ziemlicher Sicherheit nicht in Algund abhalten.

„Mein Ziel ist es alles zu unternehmen, damit dieses Treffen nicht im Thalguterhaus stattfindet“, erklärt die für das gemeindeeigene Vereinshaus zuständige Referentin und Vizebürgermeisterin Alexandra Ganner. Auch die Alleinverwalterin des Thalguterhauses, Johanna Pichler, ist für eine Absage. Sie betont, dass die Entscheidung bei der Gemeinde liegt, welche auch die Lizenz ausstellen muss.

Ob und wie eine Stornierung der bereits erfolgten Buchung des Vereinshauses vom 15. bis 17. September überhaupt möglich ist, wird derzeit von Alexandra Ganner überprüft. Diese Frage ist gar nicht so einfach zu klären. Die Buchung seitens der Deutschen Burschenschaft ist regulär eingegangen, das Thalguterhaus ist eine öffentliche Einrichtung. Können das Vereinshaus bzw. die Gemeinde einen Veranstalter willkürlich aus ideologischen Gründen ausschließen?

Vizebürgermeisterin und Anwältin Alexandra Ganner hat sich an das Regierungskommissariat gewandt. „Wir haben große Sicherheitsbedenken, dass es während des Burschenschaftstreffens zu einer Gegendemonstration kommt“, betont sie. Dies alles sei für Algund nicht akzeptabel. „Das wollen und brauchen wir hier nicht“, so Ganner.

Die Vizebürgermeisterin unterstreicht, dass sie aus allen Wolken gefallen sei, als sie vom geplanten Treffen erfahren hat. Das Thalguterhaus betreue die Buchungen autonom. „Ich habe da volles Vertrauen und kontrolliere nicht jeden einzelnen Antragsteller“, erklärt sie.

Alleinverwalterin Johanna Pichler räumt ein, dass ihr das Ganze von Anfang an etwas suspekt erschienen sei. Die Zweifel verstärkten sich nach einer Presseaussendung der Meraner Antifaschistenbewegung Antifa. Diese hatte vor rechtsextremen Tendenzen innerhalb der Deutschen Burschenschaft gewarnt und darauf hingewiesen, dass es sich um eines der “größten Treffen völkisch-nationaler und rechtsextremer Burschenschaften im deutschsprachigen Raum” handle. Innsbruck habe es deshalb vor zehn Jahren abgelehnt.

Weitere Recherchen hätten dann – so Pichler – ein sehr deutliches Bild ergeben. Sie betont jedoch:„Mein Job ist die Vermietung des Vereinshauses, es gehen jährlich zig-Ansuchen für tolle Veranstaltungen ein, ich kann mir nicht vorab von jedem Antragsteller den Lebenslauf und seine politische Gesinnung vorlegen lassen“, erklärt sie. Das würde zu weit führen.

Was sagt Bürgermeister Ulrich Gamper dazu alldem? „Mir ist jede Form von Extremismus zuwider, egal ob rechts oder links“, unterstreicht er, „ich hätte mir gewünscht, dass die Deutsche Burschenschaft und Antifa die Gelegenheit nutzen und in einen Dialog zueinander treten. Es sind ja allesamt studierte Leute“.

Dieser Wunsch des Bürgermeisters wird sich nicht erfüllen. Antifa hat sich gestern neuerlich zu Wort gemeldet und Gamper „fehlende Sensibilität für die Gefahren rechtsextremen Denkens“ vorgeworfen. Einen Dialog mit den Deutschen Burschenschaftlern schließt Antifa a priori aus. „Das einzige Gespräch, das diese Leute brauchen, ist das mit Sozialarbeitern und Deradikalisierungsexpert:innen“, schreibt die Bewegung in einer Aussendung.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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