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„SVP kann zusammenpacken“

Julia Unterberger im Senat

Julia Unterberger ist wegen ihrer Berlusconi-Rede parteiintern ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Jetzt stellt sich die Landtagsopposition demonstrativ hinter die SVP-Senatorin. 

von Matthias Kofler

Die SVP-Leitung wird sich am Montag mit dem „Fall Julia Unterberger“ auseinandersetzen. Denkbar ist, dass gegen die Meranerin, die sich im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten des Senats kritisch über den verstorbenen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi geäußert hat, eine Rüge ausgesprochen wird. Dabei hatte sie in Teilen nur das vorgetragen, was bereits Luis Durnwalder – ein authentischer Zeitzeuge – am Todestag des Medienmoguls von sich gegeben hatte. Der Alt-Landeshauptmann hatte in Interviews erklärt, dass Berlusconi vor allem international Äußerungen getätigt habe, für die sich die Menschen geschämt hätten. Autonomiepolitisch habe er zwar zu allen Forderungen aus Südtirol immer Ja gesagt, aber wenig umgesetzt.

Die Opposition im Landtag verfolgt die Vorgänge in der Edelweißpartei mit Befremden – und stellt sich demonstrativ hinter Senatorin Unterberger. Paul Köllensperger spricht von einem „peinlichen Spektakel“ und einem „Armutszeugnis“. Er frage sich, wie man Personen wie einen Carlo Vettori, der bislang „nie die Pappen aufgemacht“ und „auf der Suche nach ein bisschen Aufmerksamkeit“ sei, überhaupt solche Aufmerksamkeit schenken könne. Der FI-Landtagsabgeordnete hatte damit gedroht, die Mehrheit zu verlassen, nachdem die Landesregierung nicht an der Berlusconi-Beerdigung teilgenommen hatte. „Wenn die SVP jetzt schon so weit ist, dass sie sich von einem Vettori erpressen lässt, dann ist es besser, wenn sie frisch zusammenpackt und geht“, giftet der Team-K-Leider. Julia Unterberger sei zwar geschickt darin, im richtigen Moment für Aufmerksamkeit zu sorgen – inhaltlich habe sie aber mit ihren Aussagen zum Ex-Premier „völlig Recht“ gehabt, meint Köllensperger. LH Arno Kompatscher, Obmann Philipp Achammer und Co. machten „viel Lärm um Nichts“. „Ein normaler Bürger, der sich gerade fragt, wie er die Zinsen auf seinen Kredit noch zahlen soll, muss sich denken, über was die da reden und wo die leben“, lautet das vernichtende Urteil des Oppositionsführers.

Paul Köllensperger

Auch Sven Knoll geht mit der Regierungspartei hart ins Gericht. Heute sei ein „Tag zum Fremdschämen“. Die harsche Kritik an Julia Unterberger, die im Parlament die „Beweihräucherung“ von Berlusconi kritisiert habe, sei „Ausdruck einer peinlichen Unterwürfigkeit vor den Vertretern von Forza Italia“. „Offensichtlich ist in der SVP nicht nur die Kritik am LH, sondern auch das Aussprechen der Wahrheit nicht mehr erwünscht“, poltert der Frontmann der Süd-Tiroler Freiheit. Nicht die völlig berechtigte Kritik an Berlusconi sei unangemessen, sondern die peinliche Reaktion von Kompatscher und Co. „Berlusconi war als Politiker eine Zumutung, der zuallererst sich selbst gedient und Italien wirtschaftlich an den Abgrund geführt hat. Seine skurrilen Auftritte und Äußerungen waren eines Staatsmannes nicht würdig und haben Italien auf der ganzen Welt lächerlich gemacht. Seiner Fußballmannschaft wollte er sogar einen Bus voller Prostituierter schicken. Dazu soll man nicht Nein sagen dürfen?“, fragt sich Knoll.

Sven Knoll

Brigitte Foppa verrät, dass sie eigentlich nichts zu Berlusconi schreiben wollte. Er sei tot – „und ich wollte ihn in Ruhe tot sein lassen“. Dass nun Senatorin Unterberger von ihrer Partei zur Ordnung gerufen worden sei, weil sie über Berlusconi gesagt habe, was über Berlusconi zu sagen sei, grenze jedoch ans Unglaubliche. „Dorfmann und Achammer distanzierten sich, LH Kompatscher erinnerte daran, dass auch unter Berlusconi etwas in Sachen Autonomie erreicht wurde. Wenn das der moralische Rahmen derer ist, die unser Land regieren, dann ist das erschreckend“, findet die Grüne. Berlusconi habe immer auf der Seite des allergröbsten Patriarchats agiert und die Politik zu einem oft widerlichen Spektakel verkommen lassen.  Es gebe viel zu sagen, und wenig zu würdigen, meint Foppa.

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