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Kiffen wird legal

In Deutschland sollen Kauf und Besitz von maximal 25 Gramm Cannabis künftig straffrei sein. Was der Direktor von Forum Prävention, Peter Koler, von diesem neuen Weg hält.

Tageszeitung: Herr Koler, in Deutschland soll der Besitz von Cannabis schrittweise legalisiert werden. Was halten Sie von diesen Legalisierungsplänen?

Peter Koler: Im Augenblick konkretisieren sich die Pläne einer Regulierung, was zu einer Legalisierung in einem eingeschränkten Maß führen sollte. Dies erfolgt in einem Kontext, welcher weit entfernt von Kapitalinteressen liegen sollte. Dies wird ermöglicht, indem man den Konsumenten einen Eigenanbau von drei Pflanzen gewährt sowie den Besitz von maximal 25 Gramm. In einem zweiten Moment kommt auch das katalanische Modell zur Anwendung, indem man Cannabis-Vereinigungen in Projekten zulässt. In diesem Falle würden die Pflanzen in nicht-gewinnorientierten Vereinigungen aufgezogen werden, wodurch die Mitglieder im Gegenzug die Möglichkeit hätten, dort maximal 50 Gramm pro Monat zu erwerben. Hierbei handelt es sich um ein Modell, welches auch die Österreichische ARGE Suchtvorbeugung, bei der das Forum Prävention Mitglied ist, gutgeheißen hat, da es als erstes versucht, sich auf den Eigengebrauch zu beschränken.

Kann man dadurch die Gesundheit der Konsumenten sichern?

Durch diesen Schritt kann man die Gesundheit der Konsumenten auf zwei Arten schützen. Einerseits verfügt der Konsument aufgrund des Eigenanbaus über ein genaueres Wissen über die Substanz – beispielsweise über die Inhaltsstoffe und den THC-Prozentanteil der Pflanze. Aufgrund der Tatsache, dass ein Konsument auf legalem Weg Cannabis erwerben kann, ist es sehr unwahrscheinlich, dass dieser das Risiko eingeht, auf den Schwarzmarkt zurückzugreifen, da er sich auch der dort herrschenden Qualitätsstandards nicht sicher sein kann. Und das bringt uns zum zweiten Punkt: Die auf dem Schwarzmarkt angebotenen Produkte sind häufig durch weitaus gesundheitsschädigendere Substanzen verunreinigt, wie beispielsweise Pflanzenschutzmittel oder Glasstaub, oder es wird synthetisches Cannabis verkauft, was wiederum eine Gefahr für die Gesundheit des Konsumenten darstellen würde.

Befürworten Sie die Absicht, Cannabis nicht zu einem Geschäft ausarten zu lassen?

Die Kommerzialisierung stellt mit Sicherheit das größte Risiko bei den weiteren Schritten dar. Dies wird deutlich, indem man die Legalisierung bei Cannabis mit dem Glücksspiel vergleicht. Das Glücksspiel ist vollkommen kommerzialisiert worden, was zur Folge hatte, dass aufgrund der Masse von Angeboten immer mehr Menschen spielen und dadurch die Spiele selbst immer enger mit Wünschen verflochten werden, wodurch sich das Risiko einer Sucht erhöht. Wohingegen aus wirtschaftlicher Sicht einzig und allein ein riesiger Markt entsteht, welcher Glücksspielkonsumierende wiederum darin bestärkt, zu viel Geld in Glücksspiele zu investieren. Dieser Gefahr waren wir uns immer bewusst, weswegen wir von vornherein auf Werbeverbote beharrten. In dieser Zielsetzung nahmen wir uns auch ein Beispiel an Kanada, wo alle Verpackungen vollkommen identisch und neutral gestaltet waren. Auf diese Weise möchte man verhindern, Cannabis wie das Glücksspiel in eine kommerzielle Schiene abgleiten zu lassen.

Kann aufgrund der Legalisierung für Erwachsene der Schwarzmarkthandel verringert werden?

Vor allem Erwachsene werden kein Interesse mehr am Schwarzmarkt zeigen, da diese nicht mehr auf Dealer angewiesen wären, bei denen sie sich nicht einmal sicher wären, eine dem Preis entsprechende Qualität zu erhalten, wodurch der Schwarzmarkt selbst einen Teil seiner Käufer einbüßt. Eine solche Entwicklung wurde von der Politik angestrebt und soll zur Austrocknung des Schwarzmarkts beitragen.

Besteht aber die Gefahr, dass die Jugend, die nicht von der schrittweisen Legalisierung profitieren würde, auf den Schwarzmarkt zurückgreifen könnte?

Ja, das ist die Schwachstelle des Ganzen. Die Regelung, dass man erst ab 18 Jahren auf legalen Weg Cannabis erwerben kann, verursacht einen Konflikt zwischen der Erfahrung, dass Cannabis vor allem im Jugendbereich – wobei das Alter des Erstkonsums bei 15 Jahren liegt – eine attraktive Substanz ist und dem Wissen, dass Cannabis eine potenziell psychoaktive Substanz ist, die man am besten so spät wie möglich konsumiert. Aufgrund dieses Wissens ist die Alterseinschränkung dieser Regelung durchaus logisch, jedoch ist dementsprechend die Schlussfolgerung naheliegend, dass manche Jugendliche sich an den Schwarzmarkt wenden. Um diesem Risiko bestmöglich entgegen zu wirken, wird der legale Zugang und Konsum von Cannabis zwar lediglich Erwachsenen gewährleistet, jedoch muss man gleichzeitig die Präventionsangebote für junge Menschen verstärken, damit die mit dem Konsum zusammenhängenden Bedürfnisse anders gesättigt werden können. Ob trotz dieser Maßnahmen dennoch der Schwarzmarkt bestehen bleibt, wird sich erst später zeigen.

Welche Auswirkungen hatte die Kriminalisierung von Konsumenten?

Menschen, die in Verbindung mit illegalen Substanzen stehen, erhalten in der Regel das Stigma eines Drogenkonsumenten, wohingegen legale Stoffe, wie beispielsweise Alkohol, nicht in diesem Ausmaß stigmatisiert sind. Solche Stigmatisierungen haben in vielerlei Hinsicht negative Konsequenzen für einen Menschen. Zum einen erleichtert eine Verbindung zu illegalen Substanzen Polizeizugriffe – das heißt, im Falle, dass etwas gefunden wurde, war immer „Gefahr im Verzug“, weshalb Hausdurchsuchungen vorgenommen werden konnten. Gleichzeitig bestand immer der Verdacht, dass ein Konsument auch ein Händler sein könnte. Ergänzt wurde dieser Umstand durch Probleme in der Arbeitsfestigung, da beispielsweise eine öffentliche Anzeige oft arbeitsrechtliche Konsequenzen hatte. Letzten Endes wurde entschieden, dass es rein strafrechtlich keine Veranlassung gibt, den reinen Konsum zu bestrafen, demzufolge sollte auch ein legaler Zugang vorhanden sein. Gleichzeitig sollte man sich im Klarem sein, dass nicht alle, die Drogen konsumieren, süchtig oder Verbrecher sind. Aufgrund dieser neuen Ansichten fängt das Stigma an, sich aufzulösen.

Denken Sie, dass dieser Weg eine Zukunft haben wird?

Wie lange versuchen wir es schon? Ich bin seit den frühen 90er Jahren in diesem Bereich tätig, wobei es seit den 80er Jahren den Krieg gegen die Drogen sowie die Verbotspolitik gibt. Alle bisherigen Maßnahmen haben die Gemeinsamkeit, dass sie alle gescheitert sind, was auch durch andere Experten bestätigt werden konnte. Hinzu kommt, dass Deutschland nicht das erste Land ist, das diesen pragmatischeren und moderneren Weg einschlägt, welcher zumindest – was den individuellen Konsum betrifft – ethisch sowie energetisch sinnvoller ist. Natürlich birgt dieser Weg auch Risiken, aber es war höchste Zeit, zu den alten Ansichten Abstand zu gewinnen, da diese erwiesenermaßen niemals gesundheitliche Gründe hatten, Substanzen zu verbieten. Die damaligen Ansichten wurden lediglich von wirtschaftspolitischen, rassistischen und machtpolitischen Hintergedanken gestützt. Heutzutage zeigt sich eine veränderte Wahrnehmung der Substanzen, wodurch die Menschen vermehrt dazu neigen, die Situation pragmatischer anzugehen. Ein Beispiel hierfür wäre Cannabis als Medizin, was schon lange existiert, wie auch mehrere Halluzinogene, welche bei Forschungsmodellprojekten innerhalb der Psychotherapie neuerdings angewandt werden, wie beispielsweise LSD.

Interview: Stefanie Putzer

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