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„Nah am Kollaps“

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Die Gewerkschaften schlagen Alarm: In den Schulen fehlt immer mehr nicht-unterrichtendes Personal – dazu kommt, dass sich immer mehr Mitarbeitende überfordert fühlen.

von Lisi Lang

Die Südtiroler Gewerkschaften zeichnen ein dramatisches Bild: „Es ist wohl nur mehr eine Frage der Zeit bis der gesamte Schulbetrieb zusammenbricht – und die Verantwortungsträger im Land schauen einfach nur zu“, kritisiert Klaus Lafogler, Funktionär der GS – Gewerkschaft der Landesbediensteten. Man sei wirklich „nah am Kollaps“ und müsse deswegen unverzüglich handeln und dem gesamten Schulpersonal die Wertschätzung und Anerkennung entgegenbringen, die es verdient.

In Südtirol sind mittlerweile über 30 Schulsekretariatsstellen unbesetzt, weiß der Gewerkschaftsfunktionär: „Nach Rücksprache mit den Verantwortlichen der Schulsekretariate wird hervorgehoben, dass zur bereits enormen Menge an Arbeit enorm viel Personal fehlt. Mit der Schulautonomie hat sich die Arbeit in den Schulsekretariaten verdoppelt, wenn nicht verdreifacht“. Die Landesverwaltung sehe aber keine entsprechende Personalaufstockung vor. „Immer öfters erfahren wir, dass Mitarbeitende der Schulsekretariate wegen Burnout ausfallen“, unterstreicht Klaus Lafogler. Kündigungen und Wechsel in die Landesverwaltung aber auch die Pensionierungswelle drohen diese angespannte Situation noch weiter zu verschärfen. „Immer mehr Mitarbeitende der Schulsekretariate kündigen bzw. wechseln in die Privatwirtschaft. Sekretariatsassistenten und Verwaltungssachbearbeiter erledigen Arbeiten höherer Funktionsebenen, wofür oft ein Studientitel vorgesehen wäre“, so Lafogler.

Die Mitarbeiterinnen in den Sekretariaten sind aber nicht die einzige Berufsgruppe, wo Personal fehlt. Bei den Schulbibliothekaren und Schullaboranten sehe es keineswegs besser aus. „Auch hier mangelt es an Personal und die Überbelastung macht sich bemerkbar“, so Klaus Lafogler. „Die Ranglisten sind leer, die Pensionierungswelle rollt unaufhaltsam weiter. Wer will sich das noch antun – nicht „nur“ schlechter Lohn, sondern katastrophale Arbeitsbedingungen.“

Besonders leiden laut Lafogler die Schulwarte. Auch hier fehle Personal an allen Ecken und Enden, viele Mitarbeitende seien überlastet. „Die Aufsicht in den Schulen kann leider schon lang nicht mehr gewährt werden, weil Schulwarte nur mehr Reinigungsarbeiten verrichten müssen. Ein 38 Wochenstundenauftrag sieht 1.216 m² Reinigungsfläche pro Tag vor. Bei Abwesenheiten von Kollegen steigen diese um ein Vielfaches. Nicht selten sind dann weit über 160 m² pro Stunde zu reinigen“, rechnet der Funktionär der Gewerkschaft der Landesbediensteten vor. „Nur eine Visite bei der Arbeits- bzw. Rechtsmedizin bewirkt eine Reduzierung der zugewiesenen Reinigungsfläche. Eine solche Visite wird aber erst bei fortgeschrittenen körperlichen Beeinträchtigungen veranlasst.“

Die Gewerkschaften GS Gewerkschaft der Landesbediensteten, Agb-Cgil, Asgb, Cisl-Sgb und Uil – Fpl weisen seit Jahren auf bestehende Missstände hin und setzen sich für dieses arg gebeutelte Personal ein. „Jahrelange Bemühungen und konstruktive Anregungen der Vertreter der Schulsekretäre wurden nicht ernst genommen. Geschlossen vorgetragene Beschlussanträge der Opposition für eine minimale Erleichterung der Arbeitsbelastung wurden erst kürzlich von den Mehrheitsparteien grundlos abgelehnt“, bedauert Klaus Lafogler.

Die Gewerkschaften fordern deswegen mit Nachdruck, dass die Probleme und Sorgen dieser Berufsgruppen von der Politik ernst genommen werden. „Es braucht dringend Entlastungen für das Personal“, unterstreicht Klaus Lafogler und schlägt für eine kurzfristige Entlastung der Schulwarte beispielsweise den Einsatz von Reinigungsfirmen vor. „Die Schulen können Reinigungsfirmen beauftragen, aber das tun sie nicht, weil ihnen teilweise die finanziellen Ressourcen fehlen“, weiß Lafogler.

Die Gewerkschaften erneuern allerdings auch ihre Forderung nach Lohnerhöhungen und Personalaufstockung. „Die Attraktivität in der Landesverwaltung aber auch in diesen Bereichen fehlt, man hat es verschlafen, diese Berufsbilder aufzuwerten“, kritisiert der Gewerkschaftsfunktionär. „Es geht hier um eine Wertschätzung des Personals, das wirklich leidet – aber die Prioritäten der Landesregierung sind leider andere.“

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