„Gebt uns das Ehrenzeichen“
Der ehemalige Schützen-Chef Jürgen Wirth Anderlan hat wieder eine weiße Pfoad. Ob er im Herbst bei den Landtagswahlen antritt, verrät er nicht.
TAGESZEITUNG Online: Herr Wirth Anderlan, Gratulation zum Freispruch!
Jürgen Wirth Anderlan: Da gibt es nichts zum Gratulieren. Denn der Freispruch war nicht unbedingt zu erwarten. Dass Thomas Winnischhofer freigesprochen würde, war für mich klar. Bei mir – das sagte auch mein Anwalt – war das nicht so eindeutig.
Am Ende ist es doch zum Freispruch gekommen …
Um so besser! Die Demokratie ist wieder zurückgekehrt. Morgen (am Mittwoch, Anm. d. R.) jährt sich der Tag, an dem gesunden Menschen verboten wurde, zu arbeiten. Der Freispruch ist ein Schritt in Richtung Freiheit, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.
Sie haben im Vorfeld der Urteilsverkündung von einem politischen Prozess gesprochen. Warum?
Auch viele Menschen in Südtirol, denen ich nicht sympathisch bin, haben es nicht verstanden, dass zwei unbescholtene Bürger und Familienväter wegen eines Facebook-Postings vor Gericht gezerrt werden. Wir hätten hier in Südtirol ganz andere Probleme.
Was hätten Sie im Falle einer Verurteilung gemacht?
Ich hätte weitergekämpft! Ich hätte eine Verurteilung sicher nicht akzeptiert. Ich habe heute früh zu meinem Anwalt …
… Nicola Canestrini …
… gesagt, dass ich natürlich einen Freispruch möchte. Andererseits täte mich interessieren, was passieren würde, wenn ich für drei Monate ins Gefängnis gehe, wo Mörder, Pädophile und Drogenhändler einsitzen und diese mich fragen, warum ich da bin. Auf den Gesichtsausdruck dieser Leute wäre ich neugierig gewesen.
Ins Gefängnis hätten sie auch im Falle einer Verurteilung nicht müssen …
Wenn ich die Strafe nicht gezahlt hätte, wäre die bedingte Haft in unbedingte Haft umgewandelt worden.
Nun sind Sie aber freigesprochen worden. Das bedeutet, Sie dürfen im Herbst dieses Jahres bei den Landtagswahlen kandidieren …
(lacht) Schon wieder diese Frage! Ich bin grad als freier Mann aus dem Gerichtspalast gekommen, mein Strafregister ist immer noch weiß …
Eben, jetzt können Sie kandidieren …
Ich habe eine Entscheidung gefällt, gemeinsam mit meiner Familie. Ich werde diese Entscheidung demnächst verkünden.
Der Staatanwalt hat für Sie drei Monate Haft gefordert …
Der Skandal hat darin bestanden, dass Leute angeklagt wurden, die gepostet haben, dass sie spazieren gehen. Bei Thomas war es noch absurder, denn er hat nur einen Beitrag geteilt. Ihm wurde sogar angelastet, seine Kinder zum Spazierengehen angestiftet zu haben. Anstatt uns anzuklagen, hätte man uns einen Orden verleihen sollen …
Sie machen einen Witz?
Nein, am Montag werden ja die Ehrenzeichen des Landes Tirol verlieren …
Richtig.
Der Thomas und ich hätten auch ein Ehrenzeichen verdient, denn wir haben vielen Menschen, die während Corona frustriert und vom öffentlichen Leben ausgeschlossen waren, geholfen. Diese Menschen haben durch die Demos gesehen, dass sie nicht allein sind, sondern dass wir ganz viele sind. Das hat vielen Menschen in der Seele und im Herzen gutgetan.
Corona ist vorbei. Auch für Sie und Ihre MitstreiterInnen?
Man kann nicht sagen, dass Corona vorbei ist, denn es muss noch Vieles aufgeklärt werden. Während Corona haben Verbrechen stattgefunden …
Welche Verbrechen?
Verbrechen an Menschen, deren Eltern ohne Beistand ihrer Familien in den Altersheimen gestorben sind, Verbrechen an Kindern, denen der Sport verboten wurde, Verbrechen an gesunden Menschen, denen verboten wurde, zur Arbeit zu gehen. Da muss man sicher nachhaken …
Sie reden wie ein Landtagsabgeordneter …
(lacht) Ich habe als Privatmensch auch schon viel erreicht.
Interview: Artur Oberhofer
Kommentare (13)
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