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Anzüglicher Pfiff

Der Landtag hat sich mit der Frage beschäftigt, ob das Hinterherpfeifen auf der Straße für Frauen ein Kompliment ist – oder sexuelle Belästigung.

von Matthias Kofler

Rufe, Pfiffe, dumme Sprüche: „Catcalling“, die verbale Belästigung auf offener Straße, ist für viele Frauen Teil ihres Alltags. Catcalling wird oft als banales Kompliment abgetan. In Wirklichkeit fühlen sich viele Frauen und Mädchen dadurch eingeschüchtert und sind in ihren täglichen Bewegungen eingeschränkt.

Eine Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen hat ergeben, dass eine große Mehrheit der Betroffenen nach Catcalling-Vorfällen ängstlicher wurde. So mieden 40 Prozent der Befragten danach bestimmte öffentliche Orte, während acht Prozent sogar ihren Kleidungsstil änderten. „Man fragt sich oft, wann die Gewalt beginnt“, sagt Brigitte Foppa. „Fängt es schon mit einem vermeintlichen Kompliment an? Einem Nachpfeifen auf offener Straße? Einer ,Wertschätzung‘ für Beine, Hintern und Brüste? Wir denken ja.“

Im Landtag wurde ein Beschlussantrag einstimmig gutgeheißen, mit dem sämtliche Formen verbaler/sexueller Gewalt anerkannt und verstärkt auf diese Probleme aufmerksam gemacht werden soll. Gemeinsam mit den und Schulen sollen entsprechende Sensibilisierungsaktionen und Aufklärungskampagnen gestartet werden.

Für Aufregung sorgte eine Aussage des Enzian-Abgeordneten Josef Unterholzner. „Als ich kürzlich durch den Bahnhofspark ging“, berichtete er, „fiel mir ich ein junges Mädchen, sehr leicht bekleidet, auf, das offenbar etwas von den im Park sitzenden schwarzern Männern wollte.“ Es wundere ihn nicht, dass immer wieder etwas passiere, wenn man so provoziere. Die Grüne Foppa fand den Unterholzner-Sager völlig fehl am Platz: „Wir wollen hier eine vorbildhafte Diskussion führen. Wenn sich Herr Unterholzner vorstellt, dass sich diese junge Frau am Morgen so gekleidet hat, um die schwarzen Männer im Bahnhofspark zu provozieren, dann lässt mich das doch sehr aufhorchen.“

Ulli Mair (Freiheitliche) bemerkte, dass es um die Wahrnehmung gehe. Nachpfeifen sei für sie keine Gewalt. Es komme auch oft darauf an, wer sich äußere, wie jemand etwas empfinde. Belästigt fühlen könne man sich – egal ob Frau oder andere Person – nicht nur durch verbale Äußerungen, sondern ebenso durch Blicke.

Marco Galateo (Fratelli d’Italia) war der Meinung, dass dem männlichen Geschlecht heute schlimme Dinge vorgeworfen würden. Er habe großen Respekt vor dem weiblichen Geschlecht, finde es aber merkwürdig, dass die Wahl zwischen 58 verschiedenen Geschlechtern gefördert werde. Es gebe in Südtirol Orte, wo „normale Menschen“ nicht hingehen könnten, weil sie beleidigt und angegriffen würden. Die feministische Welt habe Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nicht vor bestimmten Angriffen geschützt.

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