„Italien ist kein Gottesstaat“
Für FdI-Fraktionssprecher Lucio Malan ist Homosexualität ein „Gräuel“, weil das auch die Bibel so sage. Julia Unterberger und Manfred Schullian zeigen sich entsetzt.
von Matthias Kofler
Lucio Malan ist ein überzeugter Gegner der Homoehe. Seine bürgerrechtlichen Einstellungen waren ausschlaggebend dafür, dass der Senator vor über einem Jahr seiner Partei Forza Italia den Rücken gekehrt und sich den Fratelli d’Italia angeschlossen hat. Malan hat es mittlerweile bis an die Fraktionsspitze der Meloni-Partei geschafft. In dieser Position sollte er seine Worte eigentlich mit Bedacht wählen. Doch Malan schert sich nicht um politische Korrektheit, was er in der Radiosendung „Un giorno da pecora“ deutlich zur Schau gestellt hat. Er sei gegen eingetragenen Lebenspartnerschaften, erklärte der FdI-Politiker, weil das die Bibel so sage. „Sowohl im Neuen als auch im Alten Testament steht, dass Homosexualität ein Gräuel sei.“
Malan bezieht sich auf Levitikus 18,22 und Römer 1,26-27. Auch im 3. Mosebuch steht: „Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so ist das ein Gräuel und beide sollten des Todes sterben.“ Theologen warnen aber davor, Bibelstellen aus dem Kontext zu reißen, in dem sie entstanden sind. So kennen das Alte und Neue Testament keine homosexuellen Beziehungen im Sinne rechtlich anerkannter Lebenspartnerschaften. Deshalb können sie solche Lebensformen weder verbieten noch gutheißen.
Die SVP-Parlamentarier Julia Unterberger und Manfred Schullian, die sich bei der Vertrauensabstimmung zur Regierung Melono wohlwollend der Stimme enthalten haben, verurteilen „aufs Schärfste“ die Äußerungen des Fraktionssprechers Malan: „Es ist gravierend, dass er seinen Kampf gegen die Rechte Homosexueller mit der Bibel begründet. Solche Dinge passieren nur in Theokratien, doch Italien ist kein Gottesstaat. Ebenso schlimmist die Botschaft, die er damit an die Opfer schwerer und tiefgreifender Diskriminierung richtet. Giorgia Meloni sollte sich von diesen Aussagen distanzieren“, hält Schullian, Sprecher der Gemischten Fraktion in der Abgeordnetenkammer, fest.
Julia Unterberger, Fraktionssprecherin der Autonomiegruppe im Senat, geht mit ihrem Kollegen hart ins Gericht: „So langsam kommen die Auswüchse dieses rechten Gedankengutes immer mehr zum Vorschein. Der eine will Föten als Rechtssubjekte anerkennen, der andere abgetriebene Föten gegen den Willen der Mutter begraben. Originell ist auch der Vorschlag, denjenigen die kirchlich heiraten, eine Prämie von 20.000 Euro auszuzahlen. Und dass der Fraktionssprecher der FdI im Senat solche verbale Geschütze gegen Homosexuelle auffährt, schlägt dem Fass den Boden aus. Wahrscheinlich ist das alles nur ein Vorgeschmack dessen, was auf uns zukommen wird. Die liberal Gesinnten werden sich in dieser Legislatur jedenfalls warm anziehen müssen.“
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