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Die Verschwiegenen

Markus Moling: Es sind nicht Impfverweigerer, denen ich ein Denkmal setze.

Der Künstler Markus Moling setzt sich in seiner Porträtserie „Die Verschwiegenen“ mit Menschen auseinander, die sich den Anti-Covid-Maßnahmen verweigert haben und deshalb die Konsequenzen zu tragen hatten. Zu sehen im Frei.Raum der Galerie Prisma.

Tageszeitung: Herr Moling, in Ihrer Porträtserie „Die Verschwiegenen“ zeigen Sie 20 Porträts, 20 Geschichten von Menschen, die sich den Anti-Covid-Maßnahmen verweigert haben und deshalb die Konsequenzen zu tragen hatten. Wer sind diese Menschen? Impfverweigerer, Corona-Leugner oder gar Verschwörungstheoretiker?

Markus Moling: Gut, dass Sie diese Frage stellen. Sie impliziert tatsächlich genau das, wogegen mein Projekt wirken soll, nämlich die einseitige Darstellung von Menschen, die Probleme mit den Anti-Covid Maßnahmen haben und hatten. Deshalb ganz klar: Nein, größtenteils handelt es sich weder um Impfverweigerer, Corona-Leugner oder Verschwörungstheoretiker.  Einige hatten Probleme, gerade weil sie sich an die Maßnahmen gehalten hatten bzw. halten mussten, Impfnebenwirkungen hatten, oder psychischen Druck nur schwer oder nicht aushielten. Es gibt Graustufen zwischen schwarz und weiß, Sie verstehen?

 Haben die Porträtierten sich selbst bei Ihnen gemeldet?

Ja, sie haben sich alle nach einem von mir gestarteten Aufruf gemeldet.

Worunter haben diese Menschen am meisten gelitten, an der Ausgrenzung, an der Scham? Welche Geschichten erzählen sie?

Ausgrenzung ist ein wichtiger Begriff. Dass ihre Anliegen oder Beweggründe nicht ernstgenommen wurden, belastete viele. Sie erzählen von alltäglichen Problemen, von Diskriminierung, von Stigmatisierungen, von finanziellen Sorgen.

Das Virus hat Abertausende Tote gefordert, Ärzte, Pflegepersonal und im Grunde uns alle einem tödlichen Risiko ausgesetzt. Warum setzen Sie den Impfverweigerern mit der Kunst ein Denkmal und nicht den Corona-Toten?

Der Korrektheit willen: Es sind nicht Impfverweigerer, denen ich ein Denkmal setze. Und ich habe dieses Projekt gewiss nicht ins Leben gerufen, um die Tragik der Pandemie zu bagatellisieren; das würde ich mir nie erlauben. Allerdings wollte ich kritische Situationen sichtbar machen, die durch die Maßnahmen entstanden sind und von den Medien gänzlich ausgespart wurden. Ich wollte Geschichten von Menschen erzählen, die ungerechtfertigter Weise in eine Ecke gedrängt wurden, pauschal verurteilt wurden, ohne genau hinzuschauen. Über die Tragik der Pandemieopfer wurde sonst schon reichlich berichtet.

Die Anti-Corona-Maßnahmen waren Notverordnungen, um die Pandemie in Griff zu bekommen. Sie hatten zweifellos problematische Aspekte, aber wie man jetzt sieht, haben sie funktioniert. Ist nicht das, was am Ende zählt?

In vielen anderen Ländern wurden wesentlich „menschlichere“ Maßnahmen angewandt, die haben ebenfalls und genauso funktioniert. Gerade Italien scheint – trotz der Härte der Maßnahmen – eines der letzten europäischen Länder zu sein, das zur Normalität zurückfindet. Der Green-Pass hat für mich aus ethischer Sicht ganz klar eine rote Linie überschritten. Was am Ende zählt, ist doch, wie wir in allen Bereichen aus dieser Situation herauskommen, es zählen auch menschliche Werte, und mit den Kollateralschäden dieser Maßnahmen werden wir uns wohl noch länger als mit der Pandemie beschäftigen müssen.

Warum nennen Sie Ihre Porträtserie „Die Verschwiegenen“?

Weil diese Geschichten und diese Situationen kaum medial aufgegriffen wurden, kaum Sichtbarkeit hatten.

Eine Mauer des Schweigens habe sich um die Verweigerer,  Impfnebenwirkungen, Arbeitsverbote und Spaltung der Gesellschaft aufgebaut, ein gesellschaftliches Tabu, schreiben Sie.  Es gab doch jahrelang kaum ein anderes Thema in der Öffentlichkeit.

In der Tat wurde viel berichtet, aber vor allem wurde grob generalisiert; ich nenne das einseitige Berichterstattung, wenn nicht genau hingeschaut wird… Und es war und ist auch heute noch ein Tabu, diese Thematik anzusprechen, da man schnell als Verschwörungstheortetiker, Schwurbler oder Extremist gilt… den Begriff Verweigerer habe ich persönlich nie verwendet.

Wir sollten unsere Haltung Menschen gegenüber überdenken, die unsere Meinung nicht teilen, schreiben Sie. Ein Virus ist aber keine Meinung, sondern ein wissenschaftliches Faktum.

Es geht nicht nur um ein Virus. Die Methoden, diesen zu bekämpfen, können unterschiedlich sein. Auch unter Wissenschaftlern gab es eine hitzige Diskussion darüber.  Die Geschichte zeigt uns auch, dass nicht immer die von der Allgemeinheit mitgetragenen Idee, aus wissenschaftlicher Sicht von Dauer ist. Es geht auch nicht nur um eine menschliche Haltung, es geht um Ängste, körperliche oder auch existenzielle Probleme.

Es wäre an der Zeit, endlich einige Dinge richtig zu stellen, schreiben Sie. Welche meinen Sie? 

Zum Beispiel, dass Impfskeptiker keine Egoisten oder schlecht informiert sind. Mir ist aufgefallen, dass das oft gut informierte Menschen sind und mit Idealismus soziale Berufe ausüben. Nicht immer sind die Maßnahmen überall zielführend und positiv gewesen. Ob alles wissenschaftlich begründbar war, das ist die große Frage…

Ihr Anliegen ist es, die Kunst sprechen lassen, wo Worte unerwünscht sind. Verbietet jemand über Impf-Nebenwirkungen, psychische Belastung und Arbeitsverbote zu reden?

Verbieten tut es niemand, unerwünscht scheint es mir aber schon, da man eben schnell als Verweigerer, als No-Wax oder  als Verschwörungstheoretiker dargestellt wird. Ist mir oft passiert obwohl ich selbst geimpft bin.

Ein  Stück Südtiroler Zeitgeschichte will Ihre Porträtserie sein. Wie meinen Sie das?

Es sind echte Menschen und echte Geschichten, die ich hier aufgearbeitet und präsentiert habe. Sie stehen für eine gesellschaftliche Spaltung, die es in dieser Größenordnung seit der Option nicht mehr gegeben hat. Die Porträtierten stehen stellvertretend für viele andere, die mich kontaktiert haben und nicht zum Zuge kamen. Die Dunkelziffer ist groß, viele trauen sich nicht, haben nicht mehr die Energie, um an die Öffentlichkeit zu gehen. Dabei habe ich sensible Bereiche wie Kinder und alte Menschen bewusst ausgespart, da dieses Projekt die Betroffenen zu exponiert hätte. Die Sprengkraft dieser Thematik ist immer noch groß, vieles kommt nur langsam zutage und wird erst langsam abklingen.  Leider scheinen auch die Gründe des Rechtsrucks in Italien teilweise in diesen Maßnahmen zu stecken.

Die Frage stellt sich zwangsläufig: Sind Sie selbst ein Betroffener?

Ja, ich hatte nach der Impfung monatelag Herzrhythmusstörungen und andere Beschwerden. Von der öffentlichen Sanität fühlte ich mich nicht ernst genommen. Dieses Projekt ist aber nicht deswegen entstanden, sondern eher, weil ich ein Ungleichgewicht in der medialen Schilderung der Geschehnisse der letzten Jahre empfand.

Interview: Heinrich Schwazer

Die Verschwiegenen

Die Ausstellung von Markus Moling wird am 4. November um 19.00 Uhr im Frei.Raum des Südtiroler Künstlerbundes, Galerie Prisma eröffnet und bleibt bis 12. November zugänglich. Der Künstler ist an den Samstagen jeweils von 10 – 12.30 und von 15 – 18 Uhr anwesend. An den anderen Tagen ist eine Besichtigung nach Vereinbarung direkt beim Südtiroler Künstlerbund (innerhalb der Bürozeiten) möglich.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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