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„Der einzige Weg“

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In Deutschland haben Aussagen von Greta Thunberg für neue Diskussion zur Atomenergie geführt. Wie stehen die Südtiroler FFF-Vertreter dazu?

von Markus Rufin

Um Greta Thunberg ist es still geworden. Die mittlerweile 19-jährige Schwedin, die das Gesicht der Fridays-for-Future-Bewegung war, trat medial kaum mehr in Erscheinung. Doch nun sorgte ein Interview mit der deutschen Talkmasterin Sandra Maischberger, das gestern in der ARD ausgestrahlt wurde, für Aufsehen.

Sie sagte darin, dass sie es für einen Fehler halte, die noch aktiven Atomkraftwerke in Deutschland abzuschalten und sich stattdessen der Kohle zuzuwenden: „Wenn sie schon laufen, glaube ich, dass es ein Fehler wäre, sie abzuschalten und sich der Kohle zuzuwenden.“

Damit bezog sich Thunberg auf die Strategie der deutschen Bundesregierung, die plant, auf Kohlekraftwerke zu setzen, um die Stromerzeugung aus Gas zu reduzieren. Auch zwei der drei verbliebenen Atomkraftwerke sollen – unter bestimmten Voraussetzungen – über den Abschalttermin Ende des Jahres am Netz bleiben.

In Deutschland sorgte diese Aussage für eine angeregte Diskussion. Insbesondere den Grünen, die in Deutschland mitregieren, wurde das Interview vorgehalten. Wenn sich selbst Greta Thunberg gegen die Abschaltung der Atomkraftwerke zugunsten der Kohlekraftwerke ausspricht, sollen es auch die Grünen tun.

Doch die Diskussion geht über Deutschland hinaus. Thunberg ist das Gesicht der globalen FFF-Bewegung, weshalb ihre Aussage auch andernorts diskutiert wird. Doch wie denkt Fridays for Future Südtirol über die Aussagen Thunbergs. „Ich habe die Diskussion nicht intensiv verfolgt“, berichtet Zeno Oberkofler, einer der Sprecher von FFF. „Kohlekraftwerke auszuschalten, bedeutet jetzt nicht, dass man für Atomkraft sein muss. Wir befinden uns in einer fossilen Energiekriese, in der wir uns jahrelang in Abhängigkeit von diesen fossilen Energien begeben haben. Der einzige Weg hinaus ist aber die erneuerbaren Energien.“

Grundsätzlich spreche sich Oberkofler gegen Atomkraft aus, denn wirtschaftlich gesehen handle es sich um eine Energieform, die den Staaten in der kurzen Zeit, die ihnen zur Verfügung steht, nicht weiterhilft. Als Beispiel verweist Oberkofler auf Frankreich: „Ganz viele Atomkraftwerke werden gewartet, haben enorme Probleme und mussten durch den Wassernotstand gänzlich ausgeschaltet werden. Es ist also unabdingbar, dass Länder wie Italien auf erneuerbare Energien setzen.“

Anders sieht es der FFF-Sprecher dagegen, wenn es sich um Atomkraftwerke handelt, die bereits laufen: „Dass Atomkraftwerke bis zum Ende ihrer Laufzeit erhalten bleiben, ist meiner Meinung nach sinnvoll, da diese viel weniger C02 verursachen als z.B. Kohlekraftwerke“

Grundsätzlich sei die Debatte rund um die Atomenergie nur eine Scheindebatte, um von den eigentlichen Themen abzulenken: „Wir müssten eigentlich bereits verstanden haben, dass wir konsequent auf die erneuerbaren Energien setzen müssen. Das ist der einzige Weg. Das ist zurzeit auch die billigste Energie. Atomenergie dagegen ist wahnsinnig teuer. Die Kraftwerke in Frankreich wurden vom Staat aufgekauft, weil diese alle in Konkurs gegangen sind.“

Oberkofler, aber auch Thunberg sehen grundsätzlich in der Atomenergie also keine Zukunft, sprechen sich aber dafür aus, bestehende Atommeiler bis zum Ende ihrer Laufzeit laufen zu lassen.

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