Du befindest dich hier: Home » Wirtschaft » Ein schwarzes Jahr?

Ein schwarzes Jahr?

Foto: 123rf

Die Apfelernte in Südtirol hat enttäuschend begonnen. Die Preise sind im Keller und die Qualität ist nicht zufriedenstellend. Droht den Obstbauern ein Horrorjahr?

von Markus Rufin

Vor rund drei Wochen begann in Südtirol die Apfelernte. Aktuell werden vor allem Gala geerntet. Doch der Start in die Erntesaison lief alles andere als zufriedenstellend für die Südtiroler Bauern.

Viele Bauern beklagen, dass die Qualität der Äpfel zu wünschen übrig lasse, das führt natürlich dazu, dass deutlich weniger Äpfel geliefert werden. Das bestätigt Johannes Oberrauch, Versteigerer bei der Obstversteigerung Unterland. „Viele der Äpfel sind bereits aufgesprungen oder sind kurz davor. Das bedeutet, dass die Qualität nicht gut ist. Im letzten Jahr war sie deutlich besser.“

Hauptgrund war das Wetter. Zwar hat es nicht gehagelt, aber auch heiße Temperaturen, wie es sie im Sommer gab, sind nicht gut für die Äpfel. Diese führen nämlich dazu, dass die Reife deutlich schneller voranschreitet, erklärt Markus Tscholl Versteigerungsleiter bei EGMA: „Einige der Äpfel sind regelrecht überreif. Das führt auch zu Problemen im Lager. Es besteht die Gefahr, dass diese faulen. Sobald sie erstmal gefault sind, kann man nicht mal mehr Apfelsaft aus diesen Äpfeln machen.“

Es gebe zwar viel Industriematerial, aber Äpfel, die am Baum hängen, gibt es dagegen deutlich weniger. Das Dramatische daran: Während in Südtirol Qualität Mangelware ist, liefern andere Länder in Europa heuer deutlich mehr. 12,2 Millionen Tonnen wurden als erntemenge heuer prognostiziert. Das führt dazu, dass die Preise aktuell im Keller sind. „Es kommt alles zusammen: Schlechte Preise, ein schwaches Jahr was die Menge betrifft und ungünstiges Wetter. Die Stimmung ist nicht gut“, erklärt Oberrauch.

Über zehn Cent fehlen auf die Preise des Vorjahres, die letzte Preissenkung ist dabei nicht miteinberechnet. Alleine mit dem gestiegenen Angebot habe das aber nicht zu tun, erklärt Tscholl: „Neben der prognostizierten Menge spielen auch die vielen Bestände des Vorjahres in Italien und Deutschland eine Rolle. Ein wichtiger Punkt ist aber auch der Konsumrückgang. Seitdem wir mit der hohen Inflation zu kämpfen haben, ist dieser um neun bis zehn Prozent zurückgegangen.“ Mehr Angebot und weniger Nachfrage – das führe zu den niedrigen Preisen, die derzeit bei den Versteigerungen ausgezahlt werden.

Südtirols Apfelbauern und besonders die Obstversteigerung haben also aktuell mit großen Problemen zu kämpfen. Das heurige Jahr als Problemjahr oder gar als Horrorjahr zu betiteln, ist allerdings noch verfrüht – immerhin hat die Ernte im Prinzip gerade erst begonnen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (9)

Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen

Du musst dich EINLOGGEN um die Kommentare zu lesen.

2025 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl Impressum | Privacy Policy | Netiquette & Nutzerbedingungen | AGB | Privacy-Einstellungen

Nach oben scrollen