Senator Spagnolli?
Der ehemalige Bozner Bürgermeister Luigi Spagnolli könnte als Kandidat von Mitte-Links für den Senatswahlkreis Bozen-Unterland aufgestellt werden.
von Thomas Vikoler
Der Senatswahlkreis Bozen-Unterland ist eine der zentralen politischen Experimentierfelder in Südtirol. Hier steht jeweils der Ausgleich zwischen den Sprachgruppen auf dem Prüfstand, hier werden Bündnisse getestet. Bei den Parlamentswahlen 2018 trat dort für die Wahlallianz aus PD und SVP der Belluneser PD-Politiker und Gianclaudio Bressa an. Er gewann den Zweikampf gegen Mitte-Rechts-Kandidat Massimo Bessone, inzwischen für die Lega Landesrat in der Koalition mit der SVP.
Und diesmal, bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am 25. September?
Innerhalb der Volkspartei wird seit Tagen über einen Kandidaturverzicht im Senatswahlkreis Bozen-Unterland diskutiert, am Montag will der Parteiausschuss darüber entscheiden.
Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, wen Mitte-Links bzw. der PD in diesem Wahlkreis ins Rennen schickt. Als Favorit gilt derzeit der frühere Bozner Bürgermeister und derzeitige Direktor des Landesamtes für Jagd und Fischerei Luigi Spagnolli.
Auch Bozens Bürgermeister Renzo Caramaschi ist im Gespräch, doch der hat bereits abgewinkt.
Spagnolli legt sich gegenüber der TAGESZEITUNG nicht eindeutig fest: „Wenn ich ehrlich bin und mein Herz in die Hand nehme, muss ich sagen: Ich wäre ein Idiot, würde ich kandidieren“, sagt er zunächst. Es gebe für ihn derzeit keine schönere Aufgabe, als sich mit Wolf, Bär und anderen wildlebenden Tieren zu befassen, was ihm eine hohe Lebensqualität garantiere.
Eine Kandidatur für bzw. Wahl in den römischen Senat wäre diesbezüglich ein Rückschritt, meint Spagnolli, um dann sein „aber“ hinzuzufügen.
Der frühere Bozner Bürgermeister – er wurde 2016 gestürzt – fühlt sich geehrt, als Senatskandidat ins Spiel gebracht zu werden. Hierzu verweist er auf seine „Dienstbereitschaft“, zu der erzogen worden sei. Auch das Evangelium sage, dass jeder verpflichtet, sei seine Talente zur Entfaltung zu bringen. Am Ende müsse – natürlich – das Volk entscheiden.
Das klingt danach, dass sich der Amtsdirektor bereits eingehend mit einer Kandidatur befasst hat.
„Der Name Spagnolli ist einer von mehreren starken Namen, die derzeit als Kandidaten genannt werden“, bemerkt Carlo Bettio, seit Juni kommissarischer Verwalter des notorisch zerstritten Südtiroler PD. Er hat Spagnolli bezeichnenderweise in das neue Gremium berufen, das den Kommissar bei seinen Entscheidungen berät (siehe Kasten).
„Wer am Ende kandidiert, das entscheide ich – in Absprache mit der Parteizentrale in Rom“, stellt Bettio klar.
Und er sagt auch, dass er einen Kandidaturverzicht der SVP im Senatswahlkreis Bozen-Unterland begrüßen, aber nicht unbedingt einfordern würde.
„Die Grundlage der anstehenden Gespräche mit der Volkspartei ist unsere gemeinsame Position im Parlament vor dem Sturz von Ministerpräsident Mario Draghi, das eint uns“, analysiert Bettio, der aus Padua stammt.
Für die SVP würde der Verzicht auf einen eigenen Kandidaten in Bozen-Unterland (und möglicherweise eine Wahlempfehlung für den vom PD benannten Kandidaten) einen weiteren Jonglier-Akt in diesem improvisierten Wahlkampf bedeuten: Andererseits Verhandlungen über einen Kandidaturverzicht mit den deutschen Rechts-Parteien, andererseits ein Arrangement mit dem PD. Dies insbesondere vor dem Szenario, dass Mitte-Rechts im Senatswahlkreis Bozen-Unterland den aktuellen Vize-Landeshauptmann und SVP-Koalitionspartner Giuliano Vettorato (Lega) als Kandidat ins Rennen schicken könnte.
Luigi Spagnolli, der mögliche Mitte-Links-Kandidat, wäre – im Gegensatz zu Vettorato – für die deutschsprachige Bevölkerung des Wahlkreises wählbar, zumal er in Bozen jahrelang einträchtig mit der Volkspartei regiert hat, Deutsch spricht und als sehr umgänglich gilt. Wie bei Gianclaudio Bressa wäre für es für Spagnolli, sollte er gewählt werden, die Bestimmung, der Autonomie-Gruppe im Senat anzugehören.
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