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„Welle kann hoch werden“

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Die Sommerferien haben begonnen. Der Biostatistiker Markus Falk erklärt, warum man auch am Meer Corona im Hinterkopf behalten sollte.

Tageszeitung: Herr Falk, in den letzten Tagen sind die Corona-Fälle in Südtirol gestiegen. Liegt das an der BA.5-Variante?

Markus Falk: Ich habe leider keine Informationen über die Sequenzierungen, man kann aber davon ausgehen, dass diese Variante in Südtirol zirkulieren, da sie auch in Deutschland und Österreich auf dem Vormarsch sind. Sofern sie nicht da sind, handelt es sich aber nur mehr um eine Frage der Zeit, bis die Variante kommt.

Muss man sich also auf eine weitere Steigerung der Inzidenz einstellen?

Ja, das ist allerdings nicht unerwartet. Ursprünglich haben wir damit gerechnet, dass die Welle Ende Juni eintrifft, nun ist sie aber eine Woche früher hier. Über Pfingsten hat es zwar Zunahmen gegeben, das hatte aber nichts mit der BA.5- oder der BA.4-Variante zu tun.

Wie lange hält die Welle an?

Die Welle wird sich bis in die ersten beiden Juli-Wochen hinziehen, hängt aber stark davon ab, wie sich die Leute verhalten. Wenn man sich und andere nach wie vor mit der Maske schützt, auch wenn diese nicht vorgeschrieben ist, sofern man Symptome hat, wird die Welle nicht so hoch, wenn man aber überhaupt keine Vorsichtsmaßnahmen durchsetzt, kann die Welle anstrengend werden.

Bedeutet das, dass es auch im Krankenhaus ernst wird?

Zwar führt jeder Anstieg der Fälle zu einem Anstieg in den Krankenhäusern, aber wir sprechen hier nicht von einer Notsituation. Nichtsdestotrotz stellt das eine zusätzliche Belastung dar, die für das Krankenhaus nicht optimal ist, denn der Sanitätsbetrieb hat sich zum Ziel gesetzt, aufgeschobene Termine aufzuholen. Es gibt aktuell bereits Probleme mit den Omikron-Infizierten, die zwar mit anderen Pathologien eingeliefert werden, dann aber eine Sonderbehandlung brauchen. Wenn nochmal Fälle dazukommen, verschärft sich das natürlich. Man sollte also auch das bedenken, denn so fällt es einem leichter, Verantwortung zu tragen.

Die Regierung arbeitet an einer Anpassung der Corona-Maßnahmen. Die Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln soll bis Herbst verlängert werden. Ist das vertretbar, wenn die Pflicht überall anders aufgehoben wurde?

Das ist eine schwierige Frage. In den öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es bei langanhaltenden Kontakten ein gewisses Ansteckungspotential. Allerdings ist es so, dass viele Maßnahmen nur mehr bedingt eingehalten werden. Was bringt mir eine Vorschrift, die nicht befolgt wird? Ob das in ganz Italien der Fall ist, weiß ich nicht, in Südtirol weiß ich, dass die Maskenpflicht so gut wie überhaupt nicht eingehalten wird. Ich würde den Fokus darauf legen, sinnvolles Verhalten zu vermitteln. Ein großes Problem sind beispielsweise die Urlaube.

Inwiefern?

Viele Familien werden jetzt in den Urlaub fahren und sich dabei die ein oder andere Omikron-Infektion einholen. Es wird dann innerhalb von einer kurzen Zeit einen starken Anstieg an Fällen. Es ist gerade dann wichtig, sich aus den Verkehr zu ziehen, wenn man Symptome hat oder wenigstens die Maske zu tragen. Die Welle kann andernfalls ziemlich hoch werden. Glücklicherweise haben wir im Moment eine relativ niedrige Inzidenz.

Noch im letzten Jahr haben viele Familien aber auch viele Institutionen, die Sommerbetreuungen anbieten, auf Tests gesetzt. Nun ist das nicht mehr so. Sehen Sie darin eine Gefahr?

Es ist mit Sicherheit so, dass wir im heurigen Sommer auf Herbst und Winter vorbereiten müssen. Wir haben den Notstand zu Recht beendet und sind auf strenge Vorschriften nicht mehr angewiesen. Vielmehr gilt es, nun Verantwortung zu tragen. Eltern und Betreuer müssen das begreifen. Ein Kind mit Schnupfen oder Erkältungssymptomen sollte beispielsweise getestet werden. Gerade weil die Kinder nicht geimpft sind, ist eine Infektion problematisch, weil diese auch asymptomatisch sind und sich mehrmals anstecken können. Geimpfte Personen entwickeln dagegen häufig Symptome und können sich leicht selbst isolieren. Außerdem sind sie erst einige Tage nach dem Auftreten der Symptome ansteckend. Wenn man nun also nicht aufpasst, könnte es tatsächlich so weit kommen, dass man irgendwann massenhaft Infektionen hat, niemand aber genau weiß, woher diese kommen.

Bräuchte es also Vorschriften?

Nein, Vorschriften und Maßnahmen dagegen zu ergreifen bringt nichts. Es ist wie gesagt die Eigenverantwortung, die wichtig ist. Richtig gefährlich wird die Sommerwelle ohnehin nicht, man muss aber lernen, wie man richtig mit dem Virus umgeht, denn im Herbst und Winter werden wir dieselben Probleme haben.

Interview: Markus Rufin

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