Die Amiga-Geschäfte
Der Landtagsabgeordnete Paul Köllensperger versucht sich nun als Startup-Unternehmer im Bereich der Cannabidiol-Arzneimittel – und verwahrt sich gegen Jan Böhmermanns Vorwurf der Scharlatanerie.
von Matthias Kofler
Paul Köllensperger sieht keinen Grund zur Aufregung: „Ich tue weder bescheißen noch verkaufe ich Drogen“, sagt der Landtagsabgeordnete.
Seit Dezember des vergangenen Jahres ist der Team-K-Politiker Vorsitzender des Verwaltungsrats der Amiga Global GmbH. Die Kapitalgesellschaft (Eigenkapital: 12.900 Euro) befindet sich im Eigentum der Amiga Group GmbH, die am 24. Dezember 2021 aus der Firma Backwind GmbH hervorgegangen war. Köllensperger ist zusammen mit der Rebuh GmbH der Hauptaktionär der Amiga Global GmbH. Mitbeteiligt sind weiters Thomas Amonn, Heiner Market, Wolfgang Sparer und der Bozner Apotheker Matteo Bonvicini. Die Firma hat ihren Sitz im Studio des Wirtschaftsprü̈fers (und Team K-Vorstandes) Armin Toll in der Gumergasse in Bozen. Im Verwaltungsrat sitzt auch Robert Huber, der – wie Wolfgang Sparer – schon seit Jahren mit Köllensperger unternehmerisch zusammenarbeitet.
Die Amiga Global handelt im Internet mit Cannabis-Produkten auf sogenannter CBD-Basis („Wir wollen die Wunderpflanze wieder in den Alltag der Menschen integrieren“ lautet der Slogan auf der Homepage des Unternehmens) und ist unter demselben Namen auch in München vertreten. Der Markt mit Mundsprays, Ölen, Keksen und Zigaretten mit Cannabisextrakt boomt. CBD-Produkte sind jedoch sehr umstritten. Verbraucherschützer warnen vor Nebenwirkungen und Abzocke. Vor kurzem hat sich der deutsche Komiker Jan Böhmermann in seiner Sendung „Neo Magazine Royale“ ausführlich mit den Produkten beschäftigt, mit denen das Unternehmen Amiga Global in Deutschland viel Geld macht. CBD wird laut Böhmermann in einer rechtlichen Grauzone vertrieben. Die Abkürzung steht für Cannabidiol und ist ein Bestandteil der Hanfpflanze. Anders als das berauschende Tetrahydrocannabinol (THC) hat es keine psychoaktive Wirkung, es macht also nicht high, der chemische Aufbau ist aber ähnlich.
Auf 30 Milliarden Euro pro Jahr schätzt ein vom Südtiroler Landtag konsultierter Experte den weltweiten Umsatz mit CBD-Produkten. Diese sollen wahre Wunder wirken: gegen Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Durchfall, Unwohlsein, Menstruationsbeschwerden, innere Unruhe, Depression. Böhmermann warnte in seiner Sendung aber vor möglichen Nebenwirkungen wie Durchfall, Benommenheit oder erhöhte Leberwerte und warf den Unternehmern wörtlich „Scharlatanerie“ vor.
Köllensperger will diesen Vorwurf nicht auf seiner Branche sitzen lassen. Böhmermann sei zwar ein „lustiger Komiker“, habe aber von dieser Materie „nicht besonders viel Ahnung“. Bei Cannabidiolen handle es sich um Naturheilmittel, die ideal seien für all diejenigen, die auf chemische Arzneimittel verzichten wollen. Zwar seien es „keine Wundermittel“, ihre positive Wirkung sei aber wissenschaftlich erwiesen. „Gerade nach der Covid-Zeit können diese Produkte, die nicht zur Abhängigkeit führen, Menschen helfen, wieder runterzukommen und sich zu entspannen“, ist Köllensperger überzeugt.
Dieser Meinung ist auch Fraktionskollege Franz Ploner, der seit Jahrzehnten im Bereich der Schmerzbehandlung mit Cannabinoiden tätig ist. Der Ex-Primar erklärt den Unterschied zwischen den von Köllenspergers Unternehmen vertriebenen CBD-Produkten und den Schmerzmitteln auf THC-Basis: „THC wirkt aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung psychoaktiv und verursacht einen Rauschzustand. Bei schweren Erkrankungen kann THC therapeutisch eingesetzt und, als Rezept verschrieben, hilfreich sein. CBD hingegen wirkt relaxierend und nicht psychoaktiv. Es verursacht also keinen Rauschzustand.“ Dass er mit dem Verkauf von Cannabis-Arzneimitteln großen Umsatz macht, bestreitet der Team-K-Vorsitzende: „Wir sind ein Startup-Unternehmen. Bis wir damit reich werden, muss noch viel Wasser die Etsch hinunterfließen.“
Im Landtag rümpft man über Kölles Geschäftspraktiken dennoch die Nase. Kritsich sieht man vor allem die Tatsache, dass das Team K einen Gesetzentwurf eingereicht hat, mit dem die Anpflanzung von Cannabis für therapeutische Zwecke in Südtirol gefördert werden soll. Köllensperger, der den Gesetzentwurf mitunterzeichnet hat, nutze sein politisches Mandat, um persönliche Wirtschaftsinteressen zu verfolgen, heißt es vonseiten der politischen Mitbewerber. Der Gelbe stellt jedoch klar, dass der Gesetzentwurf, der sich auf die Produktion und Verwendung von Cannabisarzneimitteln auf THC-Basis konzentriere, nichts mit seinem Unternehmen zu tun habe. Fraktionsintern habe man sich bereits mit dem Vorwurf eines möglichen Interessenskonflikts befasst. Dabei sei man einhellig zum Schluss gekommen, dass kein Interessenkonflikt vorliege. Er, Köllensperger, dürfe mit THC-Produkten, für die es ein ärztliches Rezept braucht, nämlich nicht handeln.
„Ob der Gesetzentwurf angenommen wird oder nicht, ändert sich für mich also gar nichts“, sagt der Bozner Landtagsabeordnete und fügt hinzu: Er sei ein „liberaler Mensch“ und sehe deshalb keinen Grund, die CBD-Branche aufzugeben.
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