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Jetzt redet Widmann

Thomas Widmann

LR Thomas Widmann sagt im Exklusiv-Interview: Er sei selbst ein Opfer des Ingemar Gatterer. Und: Er habe den LH „geschützt“.

TAGESZEITUNG Online: Herr Landesrat, in einem abgehörten Telefongespräch sagen Sie über Arno Kompatscher: „Wir hatten in Südtirol noch nie einen so schlechten Landeshauptmann, der in so kurzer Zeit so viel Schaden für das Land angerichtet hat.“ Können Sie und der LH nach dieser Aussage noch normal zusammenarbeiten?

Thomas Widmann: Ich weiß, dass ich oft eine grobe Sprache benutze. Für diese Aussagen, die ich zu einer Zeit getätigt habe, als ich noch nicht Mitglied der Landesregierung war, habe ich mich bereits mehrfach entschuldigt, auch am Montag in der Sitzung der SVP-Fraktion. Ich habe in der Sitzung aber auch klargestellt, dass ich dazu stehe, in einigen Sachverhalten eine andere politische Meinung zu haben als der LH. Dass der Flughafen, die IDM und die A22 nicht ideal laufen, ist meine aufrichtige Meinung. Nichtsdestotrotz steht für mich außer Frage, dass Arno Kompatscher und ich in den vergangenen drei Jahren sachlich bezogen sehr konstruktiv zusammengearbeitet haben. Auch die Pandemie haben wir gemeinsam relativ gut gemeistert. Das wäre ohne gegenseitiges Vertrauen nicht möglich gewesen.

Sie wollten den LH also nicht – wie Sie in einem Telefonat mit Ingemar Gatterer sagen – „hupfen lassen“?

Ich habe am Telefon im Affekt des Öfteren über Menschen gemault und geschimpft. Dass man aber aus den 21 Minuten und sieben Telefonaten aus den Abhörprotokollen, in denen ich entweder als Gesprächspartner oder als Gesprächsthema vorkomme, ein Komplott konstruiert, indem man nur die Teile veröffentlicht, in denen ich in einem negativen Bild erscheine, und mich zu den Dingen auch nicht befragt, ist unseriös und tendenziös. Wenn die Buchautoren journalistisch korrekt gearbeitet hätten, dann hätten sie sich niemals diese „Freundschaft“ zwischen Gatterer und mir zusammenfantasieren können – und das Kapitel über mich wäre nie erschienen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu SAD-Chef Gatterer?

Ich distanziere mich absolut von Gatterers Machenschaften, die mir nicht bekannt waren. Das was er da getan hat, ist nicht nur über dem roten Strich, sondern weit darüber und nicht tolerierbar. Als ich noch Mobilitätslandesrat war, hatte ich Gatterer relativ gut im Griff, wenngleich ich ihn mehrfach aus dem Büro werfen musste, weil er sich unmöglich benommen hat. Selbst Markus Silbernagl, der nicht zu meinen Freunden gehört, sagt in den abgehörten Gesprächen, dass „wir unter dem Widmann alle gut gelebt haben“. Zum Problem für das Land wurde Gatterer erst, als Florian Mussner die Mobilität übernommen hat. Die Behauptung, dass Gatterer mein Freund wäre und wir gemeinsam ein Komplott gegen den LH geplant hätten, weise ich entschieden zurück. Im Buch wurden leider nur jene Teile veröffentlicht, die mir schaden. Denn: Mehr als die Hälfte der abgehörten Gespräche entlasten mich.

Können Sie Beispiele nennen?

Luis Durnwalder behauptet in einem Gespräch mit Gatterer, dass ich „zu passiv“ wäre und das Mobiltitätsassessorat nicht wirklich anstreben würde. Gatterer sagt bei einer anderen Gelegenheit zu Mariano Vettori, dass er mir gratuliert habe, dies im Nachhinein aber bereue, weil ich „nicht richtig ziehe“, also nicht das tat, was er von mir wollte. In einem anderen Telefonat sage ich zu Gatterer, dass er aufhören soll, die Landesregierung und den LH in den Medien anzugreifen. Er antwortete mir daraufhin, dass er 43 Jahre alt und aus dem nichts zum Multi-Millionär geworden sei. Daher lasse er sich von mir auch nichts vorschreiben. Ich habe den LH auch bei einer anderen Gelegenheit verteidigt, nämlich als Ingemar Gatterer den Brief zu den Wahlkampfspenden von mir wollte. Ich sagte zu ihm, dass ich diesen nicht hätte, weil er direkt an die Partei gerichtet sei. Dabei hatte ich den Brief sehr wohl, weil ich der Wahlkampfleiter war. Ich habe Gatterer die Unterlagen nicht gegeben, weil ich den LH und das System schützen wollte. Apropos Komplott. Ich kann Ihnen noch ein Beispiel nennen …

Das da wäre?

Aus den Abhörprotokollen geht hervor, dass Gatterer auch mich verklagen wollte. Er behauptete, dass ich eine konventionierte Wohnung in Stern in Gadertal gekauft hätte und es mir daher genauso ergehen sollte wie Daniel Alfreider. Vettori riet ihm aber davon ab mit den Worten: „Machen wir besser eine ordentliche Kampagne als fünf schlechte.“

Sie fühlen sich also als Opfer?

Wenn die Autoren mit mir gesprochen hätten, dann wäre nie dieses sensationsgeile Buch gegen mich erschienen. Ich frage mich, warum nur die abgehörten Gespräche von einer Seite veröffentlicht wurden. Schließlich wurde auch gegen den LH und gegen Silbernagl ermittelt. Die ungesetzliche und unmoralische Weitergabe von Privatgesprächen und das Mithelfen dabei, dass diese Gespräche so verwendet werden, wie sie verwendet wurden, ist die  gezielte Aktion eines hohen Parteiexponenten – namentlich die von Karl Zeller –, die darauf abzielt, die Machtverhältnisse in der Partei umzustürzen. Zeller will mich in die Pfanne hauen und meine Reputation schädigen, nur weil ich es intern oft gewagt habe, seine Mehrfachpositionen und Interessenkonflikte in Frage zu stellen und zu kritisieren. Doch das lasse ich mir nicht gefallen.

Interview: Matthias Kofler

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