„Beachtliche Konzentration“
Die Ausichtsbehörde für das Kommunikationswesen (AGCOM) hält das Medienmonopol der Gruppe Athesia für problematisch. Der Pluralismus sei in Gefahr.
von Artur Oberhofer
Inzwischen hat es sich bis nach Rom herumgesprochen, dass es in einer Region im hohen Norden eine medienpolitisch hochbedenkliche Situation gibt. Die Rede ist von der Region Trentino-Südtirol, wo sich das Medienhaus Athesia eine Monopolstellung nach ungarischem Muster aufgebaut hat.
Die Art und Weise wie sich das Medienhaus Athesia in den vergangenen Jahren in der Region ausgebreitet hat, ist auch der Nationalen Aufsichtsbehörde für das Kommunikationswesen (AGCOM) nicht verborgen geblieben. Sie spricht in Zusammenhang mit dem Medienmonopol in der Region Trentino-Südtirol wörtlich von einer „problematischen Situation“.
Den Bedenklichkeitsstempel haben neben der Region Trentino-Südtirol noch die Regionen Sardinien, Sizilien, Molise und Apulien erhalten. In diesen Regionen gebe es, so konstatiert AGCOM, keine legislativen Hürden gegen eine Medienkonzentration. In diesen Regionen seien Pluralismus und demokratische Entwicklung in Gefahr, so die Aufsichtsbehörde.
In einem eigenen Kapitel stellt die AGCOM die Ist-Situation in Südtirol dar: In den allermeisten Regionen Italiens ist die RAI der unangefochtene Spitzenreiter in Sachen Lokalinformation, in Südtirol ist es der Medienkonzern Athesia mit einer schwindelerregenden Audience von 75 Prozent.
In einer Info-Grafik stellt die AGCOM das Athesia-Monopol plakativ dar. Die AGCOM spricht von einer „beachtlichen Medienkonzentration“. Athesia kontrolliert den Markt der Tageszeitungen in der Region zu 68 Prozent. Athesia kontrolliert den Radiosender mit der größten Reichweite in der Region (Südtirol 1) und übt mit seinen breitgestreuten Beteilungen auf dem Mediensektor einen „signifikanten Einfluss auf das territoriale Ökosystem“ aus, so die AGCOM.
Die Liste der Athesia-Beteiligungen auf dem regionalen Mediensektor liest sich wie ein Medienverzeichnes des Landes: Athesia hält mit den „Dolomiten“, dem „Alto Adige“ und dem „Adige“ drei Tageszeitungen, fünf Online-Portale (Stol, südtirolnews, Alto Adige Online, Adige Online und Sportnews), 17 Periodika, Radio Dolomiti, die Vinschger Medien GmbH (98,1 Prozent), Teleradio Vinschgau (50 Prozent), Radio Tirol (50 Prozent) und die Funkhaus Südtirol GmbH (50 Prozent). Interessant: Aus den AGCOM-Akten geht auch hervor, dass Athesia mit 50 Prozent bei der On Air GmbH beteiligt ist und damit Südtirol 1 kontrolliert.
Athesia kontrolliert außerdem über die S.I.E. AG und die Media-Alpi Pubblicità GmbH den Werbemarkt – und somit indirekt auch die wenigen Medien (wie beispielsweise den Corriere dell’Alto Adige), die nicht unter dem Athesia-Dach stehen.
Kommentare (13)
Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen
Du musst dich EINLOGGEN um die Kommentare zu lesen.