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„Strom könnte viel günstiger sein“

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Warum Südtirol trotz eigener Wasserkraft von den explodierenden Strompreisen betroffen ist. Und wie sich das politisch lösen ließe.

von Heinrich Schwarz

Für die Südtiroler ist es völlig unverständlich, warum wir im Land zwar doppelt so viel Strom produzieren als wir verbrauchen, aber trotzdem den massiven Preissteigerungen von teils mehr als 100 Prozent innerhalb eines Jahres ausgesetzt sind. Zudem gewinnen wir die Energie rein aus Erneuerbaren Quellen, bei denen die Produktionskosten nicht unbedingt gestiegen sind. Der Fehler liegt im System.

Rudi Rienzner erklärt, dass wir – leider – mit dem nationalen, europäischen und sogar internationalen System zusammenhängen. Südtirol sei insbesondere den Regeln der nationalen Regulierungsbehörde für Energie unterworfen, sagt der Direktor des Südtiroler Energieverbandes.

So könne etwa die Landesenergiegesellschaft Alperia ihren produzierten Strom aus Wasserkraft nicht direkt an die lokalen Kunden zu entsprechend günstigen Preisen verkaufen, sondern müsse den Strom zuerst in das nationale Netz einspeisen. Der Stromverkauf an die Kunden erfolge dann aus diesem nationalen Strommarkt. Und dort gebe die staatliche Regulierungsbehörde die Referenzpreise vor. Preise, die eben stark angestiegen sind.

„Zu dieser Preiserhöhung trägt vorwiegend die Gasverstromung bei, die massiv teurer geworden ist. Obwohl Südtirol nichts mit Gasverstromung zu tun hat, sind wir davon abhängig“, erläutert Rudi Rienzner.

Er betont allerdings, dass das nicht so sein müsste. Südtirol könne nämlich seine autonomen Möglichkeiten ausschöpfen, sich vom nationalen System abkoppeln und über eine eigene Regulierungsbehörde eigene Referenzpreise festlegen. Dann könne die Südtiroler Energie aus Wasserkraft über eine lokale Strombörse zu entsprechenden Preisen direkt bei den Haushalten und Betrieben landen.

Bei den Stromgenossenschaften, die bereits vor 2010 bestanden haben, funktioniere das heute schon so. „Sie haben eine Sonderstellung, sind vom nationalen System abgekoppelt und können ihren produzierten Strom direkt an die Mitglieder verkaufen. Die Preise der Genossenschaften sind deshalb seit jeher viel tiefer als die herkömmlichen, auch wenn teilweise Strom zugekauft werden muss“, erklärt Rudi Rienzner.

Vom nationalen System abgekoppelt sind laut dem Energieexperten auch die Fernheizwerke. Wer Wärme von lokalen Holz-Fernheizwerken bezieht, unterliege nicht den allgemeinen Preiserhöhungen bei Wärme aus Heizöl und Gas.

„Dasselbe muss im Stromsektor passieren, indem wir die Autonomiegesetze umsetzen“, fordert Rudi Rienzner. Der Energieverband habe diesen Weg bereits vor fast zehn Jahren mit einem Konzept aufgezeigt. „Allerdings bekamen wir zur Antwort, dass es nicht möglich sei, weil die EU in jedem Staat nur eine Regulierungsbehörde vorsehe. Anstatt nach Ausreden zu suchen, muss man aber Mut fassen und für eine Lösung kämpfen. Es ist wirklich an der Zeit, das anzugehen“, findet Rienzner.

Die Landespolitik allerdings handelt nicht in diese Richtung. Energielandesrat Giuliano Vettorato sagt, man befinde sich beim Strom in einem nationalen System, von dem man sich auch aus technischen Gründen unmöglich abkoppeln könne.

Auf den Verweis hin, dass es für die Stromgenossenschaften bereits möglich ist, erklärt Vettorato, dass man das System der Genossenschaften durchaus unterstütze. Eine lokale Preiszone für ganz Südtirol, also dass auch Anbieter wie Alperia ihren eigenen Strom ohne nationaler Zwischenstation direkt an die Kunden verkaufen können, sei aber sehr schwer umsetzbar.

Was die Landespolitik sehr wohl mache, sei regelmäßig mit den lokalen Energieunternehmen – sprich Alperia – zu sprechen und um möglichst niedrige Stromtarife für die Familien und Betriebe zu bitten. „Sie tun, was sie können. Allerdings ist es angesichts der hohen Preissteigerungen auf nationaler Ebene sehr schwierig, zu den gewohnten Preisen zurückzukehren“, so Giuliano Vettorato, der auch darauf verweist, dass die Regierung in Rom viele Milliarden Euro in die Hand nehme, um die explodierenden Preise zu dämpfen.

Ohne Bewegung auf landespolitischer Ebene, sagt indes Rudi Rienzner, müsse man damit zurechtkommen, dass die Energiepreise weiter hoch bleiben werden. Die italienische Regierung wolle die Preiserhöhungen zwar sehr wohl mit niedrigeren Steuern und Gebühren abfedern, „allerdings ist das nur zum Teil möglich und zudem nicht langfristig“, meint der Direktor des Energieverbandes.

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