Du befindest dich hier: Home » Gesellschaft » „Zum Fremdschämen“

„Zum Fremdschämen“


Die Opposition kritisiert die ganzseitige Werbung, welche die IDM in den deutschen Medien zum Abschied von Angela Merkel geschaltet hat.

Die IDM hat gestern eine ein-Seiten-große Anzeige in der „Süddeutschen Zeitung“ und in der „Frankfurter Allgemeinen“ veröffentlicht, die Angela Merkel zum Urlaub in Südtirol einlädt.

Tenor der Anzeige: Sie habe alles schon erlebt, nur das einmalige Erlebnis, „Südtirol im Frühling“ gesehen zu haben, sei ihr bisher verwehrt geblieben. Die „Einladung“ wird umrahmt mit diversen „Fun facts“ über Merkels bisherige Berufsreisen, etwa dass die deutsche Bundeskanzlerin a. D. „mongolische Stutenmilch“ getrunken und sich mit „zwei Dutzend halbnackter junger Männer auf einem Selfie verewigt“ hat.

„Merkels Karriere wird – bewusst oder unbewusst – dargestellt, als wären ihre Berufsreisen der letzten 16 Jahre trivialstes Vergnügen gewesen. Geschmacklos hat ein neues Synonym, und zwar ,Südtirol im Frühling’“, ärgert sich Brigitte Foppa über diese „Fremdschämwerbung“.

Mit einer Landtagsanfrage will die Grüne in Erfahrung bringen, wie viel Geld die IDM für die Anzeige ausgegeben hat.

F-Chef Andreas Leiter Reber schätzt die Kosten pro Anzeige auf 90.000 Euro. „Angesichts der guten Touristenzahlen in Südtirol ist es nicht notwendig, so aggressiv Werbung zu machen”, so Reber. Zudem sei die „politische Note” der Anzeige zu hinterfragen.

Der Freiheitliche erklärt:

„Die IDM und damit die Landesverwaltung, welche ihr für die Südtirol-Werbung Millionen an Steuergeldern überweist, muss sich gleich mehrere Fragen gefallen lassen.

Darüber, ob es angesichts der mehr als erfolgreichen Sommer- und Herbstsaison opportun ist, ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt aggressiv Werbung in Deutschland zu schalten, lässt sich vortrefflich streiten. Viele Südtiroler Eltern würden sich diese Gelder bei den Gratis-Tests für Kinder sinnvoller und notwendiger erachten.

Mich beschäftigt vielmehr eine andere Frage, denn ich halte es generell nicht für opportun noch für besonders klug, wenn eine Tourismusdestination wie Südtirol, aktiv Politiker zu Werbezwecken zu verwenden. Jeder prominente Gast ist automatisch ein indirekter Werbeträger für Südtirol, aber gerade bei Politikern darf diese Werbung nicht direkt und aktiv von der IDM betrieben werden.
„Bei den letzten Bundestagswahlen haben nur noch 24 % der Deutschen die Partei von Angela Merkel gewählt, die restlichen knapp 76 % haben sie nicht gewählt und bei ihnen dürfte die Merkel-Raute in der Südtirol-Werbung keine Freudensprünge auslösen.
Außerdem muss die IDM künftig alle gleich behandeln, was tun wir, wenn morgen die vom Mainstream weniger beliebten Politiker wie Viktor Orban oder Lukaschenko für mehrere Jahre in Südtirol zum Wandern kommen? Mit 100.000 Euro öffentlich auch zum Skifahren einladen?“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (60)

Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen

Du musst dich EINLOGGEN um die Kommentare zu lesen.

2025 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl Impressum | Privacy Policy | Netiquette & Nutzerbedingungen | AGB | Privacy-Einstellungen

Nach oben scrollen