Der Spitals-Report
13 der 16 Covid-Intensivpatienten in den Südtiroler Krankenhäusern sind ungeimpt, nur ein Patient ist zweifach geimpft. Auf den Normalstationen haben zwei Drittel der Patienten keinen Impfschutz.
Von Matthias Kofler
Der Südtiroler Sanitätsbetrieb geht mit den Informationen über den Impfstatus der Krankenhauspatienten äußerst vorsichtig um. Grund ist die sehr strenge italienische Datenschutz-Regelung, die es den Verantwortungsträgern untersagt, Aussagen zu tätigen, die Rückschlüsse auf den Impfstatuts einzelner Personen zulassen. Verfehlungen gegen diese Bestimmungen würden strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Laut den allermeisten Gesundheitsexperten erfüllt die Coronschutz-Impfung im Wesentlichen drei Aufgaben: Sie verringert das Infektionsrisiko. Falls sich jemand dennoch mit dem Virus ansteckt, dann ist der Krankheitsverlauf weniger schwer und führt seltener zum Tod. Und drittens schließlich schützt man mit der Impfung andere, da man einerseits weniger ansteckend ist und andererseits seltener ein Krankenhausbett benötigt, was wiederum zur Folge hat, dass wichtige Operationen bei anderen Patienten nicht verschoben werden müssen.
Die Zahlen und Fakten sprechen deutlich für die Impfung: Von den 16 Covid-Patienten, die am Montag in Südtirols Krankenhäusern eine intensivmedizinische Betreuung benötigten, waren 13 ungeimpft. In anderen Worten: Über 80 Prozent der Intensivpatienten haben keinen Impfschutz.
Ein Patient auf der Intensivstation wurde mit der Einmaldosis Johnson geimpft, ein weiterer Patient hat seinen Impfzyklus noch nicht abgeschlossen, da er erst eine Dosis erhalten hat. Nur eine einzige Person auf der Intensivstation ist zweifach geimpft. Aufgrund einer schweren Vorerkrankung konnte sie keinen Impfschutz aufbauen.
Wie sieht es auf den Normalstationen aus? Aus dem Monitoring des Sanitätsbetriebes des Monats November ergibt sich das folgende Bild: Von den 80 aufgrund von Covid-19 stationär aufgenommenen Personen waren 32 (40 Prozent) geimpft und 48 (60 Prozent) ungeimpft. Von den 32 geimpften Patienten waren 28 mindestens 70 Jahre alt und deren Abstand zur letzten Impfung betrug durchschnittlich 227,7 Tage (über 7,5 Monate).
Aktuell (Stand 6. Dezember) sind ungefähr zwei Drittel der 98 Patienten auf den Normalstationen ungeimpft. Diese Zahlen sind in Relation zur allgemeinen Impfquote (ca. 71 Prozent geimpft, ca. 29 Prozent ungeimpft) in der Bevölkerung zu setzen. Denn die Impfquote in der Bevölkerung korreliert mit der Anzahl der geimpften Personen im Krankenhaus: Je mehr Personen geimpft sind, desto mehr geimpfte Personen werden im Krankenhaus behandelt werden müssen. Sind 100 Prozent geimpft, so werden 100 Prozent im Krankenhaus Geimpfte sein.
Der durchschnittliche Abstand zur letzten Impfung bei stationär aufgenommenen Patienten betrug 221,4 Tage, das entspricht mehr als sieben Monaten. Das Durchschnittsalter bei Patienten auf der Normalstation beläuft sich auf 73,9 Jahre; bei Patienten auf der Intensivstation 56 Jahre.
Pro 100.000 ungeimpften Personen, bedürfen 55 Patienten einer Betreuung auf der Covid- Normalstation und zusätzliche 6,9 Patienten einer Betreuung auf der Covid-Intensivstation. Pro 100.000 Geimpften sind es hingegen nur acht Patienten, die einer Betreuung auf der Covid- Normalstation bedürfen und 0,3 Patienten, die einer Betreuung auf der Covid-Intensivstation bedürfen. Die Wahrscheinlichkeit, schwer zu erkranken, ist bei Ungeimpften also zwischen sieben (Normalstation) und 23 Mal (Intensivstation) so hoch wie bei Geimpften.
„Die Impfung schützt vor schwerer Erkrankung und reduziert die Hospitalisierungsrate im Vergleich zu Ungeimpften“, schreibt Sanitätslandesrat Thomas Widmann in der Beantwortung einer Anfrage des Freiheitlichen Andreas Leiter Reber. Das Monitoring des Sanitätsbetriebes zeige ebenso wie die bekannten Daten der Hersteller und verschiedenste Studienergebnisse, dass die Impfung sehr wirksam sei, aber nicht zu 100 Prozent schütze. Der Impfschutz lasse mit der Zeit nach: Fünf bis sieben Monate nach der letzten Impfung könne es zu sogenannten Impfdurchbrüchen und in Folge vor allem bei der älteren Bevölkerung auch zu stationären Aufenthalten kommen.
Die Immunantwort jedes Menschen sei unterschiedlich, jeder Körper reagiere anders und bei Personen mit schwacher Immunantwort könne der Schutz schneller wieder abgebaut bzw. nicht vollständig aufgebaut werden. Bei neu auftretenden Virusvarianten könnte zudem die Impfung nicht mehr vollends vor einer Infektion schützen. „Aus diesen Gründen ist es fundamental, dass die AHA-Regeln auch von Geimpften eingehalten werden und die Booster-Impfung nach fünf Monaten nach der letzten Impfung verabreicht wird“, unterstreicht Widmann. „Denn die Impfung ist derzeit das einzige Instrument, das wirksam vor schweren Verläufen schützt und damit einer Überlastung des Gesundheitssystems vorbeugen kann.“
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