„Drohendes Millionengrab“

Foto: IDM/Ivo Corrà
Die Finanzierung der 18 Millionen Euro für die Plattform „Südtirol Marketplace“ ist weiter offen. Warum Paul Köllensperger vor einem Millionengrab warnt.
von Heinrich Schwarz
Es rumort in der Wirtschaftswelt – und zunehmend auch in der Politik und in der Öffentlichkeit, vor der man die Details des Projektes möglichst geheim halten möchte, um es nicht zu gefährden. Schließlich geht es um sehr viel Geld und um die Frage, ob es wirklich sinnvoll ausgegeben wird.
Wie die TAGESZEITUNG vor wenigen Wochen berichtete, will der öffentliche Wirtschaftsdienstleister IDM mit „Südtirol Marketplace“ eine Plattform für touristische Buchungen und lokale Produkte aufbauen. Für dieses Projekt sind in den nächsten drei Jahren rund 18 Millionen Euro notwendig. Wie man das finanzieren soll, wissen die IDM-Eigentümer Land und Handelskammer Bozen aber noch nicht. Sie sind sich uneins.
Die Online-Plattform soll personalisierte Angebote für Gäste ermöglichen. So sollen etwa gleichzeitig zum Hotel eine Weinführung, der Skipass, die Skiausrüstung und lokale Produkte gebucht werden können.
„Südtirol Marketplace“ soll den heimischen Tourismus- und Agrarsektor nicht nur ins digitale Zeitalter bringen, sondern vor allem von Konzernen wie der Buchungsplattform „Booking.com“ (dem Südtirols Beherbergungsbetriebe jährlich Kommissionen im mittleren zweistelligen Millionenbetrag zahlen müssen) unabhängiger machen. Gleichzeitig soll ein Schaufenster für Südtiroler Produkte geschaffen werden.
Es gibt aber selbst innerhalb der Wirtschaft teils große Skepsis. Zu groß und zu teuer sei das Ganze – auch weil man sich gegen die Konzerne ohnehin kaum durchsetzen könne.
Auf (oppositions)politischer Ebene hat sich der Team-K-Landtagsabgeordnete Paul Köllensperger ausführlich mit dem Millionen-Projekt befasst. Er reichte eine Landtagsanfrage ein, in der er jede Menge Detailinfos über „Südtirol Marketplace“ anforderte. Landeshauptmann Arno Kompatscher hält sich in seinen Antworten, die jetzt vorliegen, ziemlich knapp.
Grundsätzlich sagt Kompatscher: „Die zuständigen Landesräte sprechen sich für die Umsetzung dieses Projektes aus, sofern sich beide Eigentümer der IDM an der Finanzierung beteiligen.“
Am Projekt werde seit Frühjahr 2020 gearbeitet. Im Vorjahr habe die IDM 165.000 Euro für externe Dienstleister ausgegeben, heuer bislang 143.000 Euro. Den Löwenanteil (zweimal 148.000 Euro) erhielt die Beratungsagentur Valtech GmbH aus Deutschland.
Wie viel Geld für die effektive Umsetzung des Projektes zur Verfügung gestellt werden soll, teilt der Landeshauptmann auf die Köllensperger-Anfrage nicht mit. Er erklärt nur: „Die Finanzierung des Projektes ist von Seiten der Eigentümer von IDM noch nicht genehmigt und aus diesem Grund ist keine Antwort möglich.“ Zuletzt war aber die Rede von 17 bis 18 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre.
Paul Köllensperger sagt zum Projekt: „Alles deutet darauf hin, dass es ein Millionengrab wird. Denn die IDM hat nicht einmal ansatzweise das Know how, um einen erfolgreichen Marketplace zu betreiben, sodass das Ganze nicht funktionieren kann.“
Es sei nur schwer möglich, sich gegen Konzerne wie Booking oder Amazon durchzusetzen. „Außer man macht etwas wirklich Sinnvolles. Dabei wäre aber die Logistik der Schlüsselfaktor – und diese ist laut Kompatschers Antwort nicht einmal Teil des Projektes“, erklärt Köllensperger.
Der Team-K-Chef verweist auch auf „abschreckende Beispiele aus unserer Umgebung“ wie die Plattform „Kaufhaus Österreich“, die „kolossal gescheitert“ sei. Arno Kompatscher sagt: „Das Kaufhaus-Österreich-Projekt ist nicht vergleichbar mit dem geplanten Südtirol Marketplace.“
Paul Köllensperger kritisiert weiters die beiden Aufträge an die Valtech GmbH über insgesamt rund 300.000 Euro. Man hätte eine öffentliche Ausschreibung durchführen müssen, meint Köllensperger, der eine Umgehung des Vergabegesetzes vermutet.
Jetzt will der Oppositionsführer weitere Informationen über die Marketplace-Pläne anfordern. Unter anderem die konkreten Leistungen der beauftragten externen Firmen.
„Hier wird im Hinterkämmerchen ein Projekt vorangetrieben, dessen Details man nicht kennt. Man wird vor vollendete Tatsachen gestellt mit einem Projekt, das von vorne bis hinten keinen Sinn hat“, sagt Paul Köllensperger.
Kommentare (10)
Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen
Du musst dich EINLOGGEN um die Kommentare zu lesen.