Gender-Verbot gefordert

Foto: 123RF.com
Geht es nach den Freiheitlichen, sollen alle Formen des Genderns aus der öffentlichen Verwaltung verschwinden.
von Heinrich Schwarz
Das Gendern, also der geschlechtergerechte Sprachgebrauch, hat zuletzt wieder für hitzige Diskussionen gesorgt, etwa in Deutschland. In öffentlich-rechtlichen Medien, an Unis oder in der öffentlichen Verwaltung wird immer häufiger „gegendert“. Dabei gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Gender-Formen, darunter die Doppelnennung (Lehrerinnen und Lehrer), das Gender-Sternchen (Lehrer*innen), das Binnen-I (LehrerInnen), den geschlechtsneutralen Plural (Lehrende) und neutrale Formulierungen (Lehrkraft).
In Südtirol wagen jetzt die Freiheitlichen einen Vorstoß. Und zwar gegen das Gendern. Ein Beschlussantrag der Landtagsabgeordneten Ulli Mair und Andreas Leiter Reber sieht das generische Maskulinum, also die rein männliche Form, als Richtschnur für die öffentliche Verwaltung vor.
Die Freiheitlichen meinen: „Der inklusive Gebrauch des generischen Maskulinums gehört zur deutschen Sprache und zu deren Verständnis. Künstliche Eingriffe, die allesamt Kopfgeburten sind und im krassen Widerspruch zur gültigen Rechtsschreibung stehen, basieren auf der Genderideologie, deren Konstruktion des sozialen Geschlechts der empirischen Wissenschaft entbehrt.“
Aus diesem Grund komme auch Widerstand aus der Wissenschaft und von führenden Linguisten, die die Sinnhaftigkeit des „Genderns“ in Frage stellen würden. Laut Umfragen sei nicht der Gebrauch des generischen Maskulinums, sondern das Gendern umstritten.
„Angesichts der Tatsache, dass sämtliche Dokumente der öffentlichen Verwaltung, die veröffentlicht werden, und die Kommunikation auf breitere Bevölkerungsschichten ausgerichtet sind, ist die Verwendung des generischen Maskulinums als allgemein verständliche Praxis anzusehen. Das Gendern hingegen führt zu einer Unleserlichkeit von Texten, unterbricht den Lesefluss und wird vielfach auch als bewusst herbeigeführte Distanz zwischen der Verwaltung und den Bürgern verstanden“, sagen Ulli Mair und Andreas Leiter Reber. Darüber hinaus trage das Gendern in keiner Weise zu einer tatsächlichen Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern bei.
Mit dem Beschlussantrag der Freiheitlichen soll der Landtag die Landesregierung auffordern, „sämtliche verwaltungstechnische Schritte in die Wege zu leiten, damit bei allen Dokumenten, Akten und der Kommunikation der öffentlichen Verwaltung in Südtirol weiterhin das generische Maskulinum als Richtschnur gilt und sämtliche Formen des Genderns untersagt werden“.
Weiters soll den anderen öffentlichen Körperschaften und Gesellschaften die Verwendung des generischen Maskulinums nahegelegt werden. „Zum Schutz der deutschen Sprache in Südtirol und den damit verbundenen Minderheitenrechten“, so die Freiheitlichen.
Wann der Beschlussantrag im Landtag behandelt wird, ist noch nicht bekannt. Dass die SVP als Regierungspartei dafür stimmen wird, darf jedenfalls bezweifelt werden. So haben sich die SVP-Frauen, aber etwa auch die Grünen, in Vergangenheit für eine geschlechtergerechte Sprache eingesetzt.
Kommentare (35)
Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen
Du musst dich EINLOGGEN um die Kommentare zu lesen.