Trickreiche Impfgegner

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Wie die Impfgegner im Sanitätswesen ihre Suspendierung monatelang hinauszögern können.
von Markus Rufin
Der Impfzwang für Mitarbeiter im Gesundheitswesen sorgte in den letzten Wochen immer wieder für Sorgen bei Krankenhäusern, Seniorenwohnheimen und anderen Strukturen. Neben der großen Frage, wie viele der Mitarbeiter sich nicht impfen lassen, zeigten sich immer wieder neue Probleme.
Nun steht das nächste bevor. Wie die TAGESZEITUNG gestern berichtete, wurde ein Großteil der Briefe, mit der die Mitarbeiter dazu aufgefordert werden, die Impfung zu machen beziehungsweise die Dokumentation zur vervollständigen, verschickt. Auch einige Rückmeldungen sind beim Sanitätsbetrieb bereits eingetroffen, doch diese werden derzeit erst überprüft. Das wird wohl noch einige Zeit dauern.
Sollte sich anhand der Rückmeldung herausstellen, dass der Mitarbeiter sich nicht von der Impfung befreien kann und diese auch nicht macht, wird dem Mitarbeiter ein letzter Brief mit einem Impftermin zugeschickt. Wird dieser Termin nicht wahrgenommen, wird der Mitarbeiter suspendiert. Ende Mai könnte es bereits so weit sein, dass erste Mitarbeiter suspendiert werden.
Doch die Impfverweigerer im Gesundheitswesen suchen jetzt fieberhaft nach Auswegen, um sich vor dieser Suspendierung zu drücken. In der Hoffnung, dass der Impfzwang in der Zwischenzeit aufgehoben wird.
So berichtet es zumindest eine Mitarbeiterin des Seniorenwohnheimes der TAGESZEITUNG. Ihrem Bericht zu Folge sei die Sorge davor, dass ungeimpfte Mitarbeiter auch noch im Sommer weiterhin in den Krankenhäusern und Altenheimen tätig sind und damit Patienten und andere Mitarbeiter gefährden, groß.
Diese Sorge ist auch nicht unberechtigt, denn wie die Mitarbeiterin berichtet, gibt es bereits eine Möglichkeit, die Suspendierung aufzuschieben. Man müsse einfach nur den Brief ignorieren und könne so mehrere Monate weiterarbeiten.
Auch im Sanitätsbetrieb kennt man das Problem, wie Pflegedirektorin Marianne Siller bestätigt: „Wenn die Mitarbeiter beim Eintreffen des Einschreibens nicht zu Hause sind, wird dieses bei der Post für bis zu 60 Tage gelagert. Erst danach wird das Einschreiben zurückgeschickt.“
Man müsse sich erst anschauen, was man macht, wenn der Einschreibebrief nicht beantwortet wird. Siller hofft dabei vor allem auf die Umwandlung des Dekretes in ein Gesetz: „Wir würden dann nämlich wissen, wie es genau weitergeht.“
Es ist ein altbewährtes System, auf das die Impfverweigerer zurückgreifen. Bereits bei der Impfpflicht in den Kindergärten haben die Impfgegner dazu geraten, die Einschreibebriefe erst später bei der Post abzuholen. Es ist also ein Spiel auf Zeit.
Es gibt aber auch Unterschiede zur Impfpflicht in den Kindergärten. Denn viele der Mitarbeiter in den Krankenhäusern oder Seniorenwohnheimen haben eine PEC-Adresse. Wird der Brief über die PEC-Adresse verschickt, gilt dieser als zugestellt. Einige bekommen den Brief aber eben auch per Post.
Außerdem weist Siller daraufhin, dass der Mitarbeiter nur 60 Tage gewinnt: „Wenn man sich nicht impft, ist man bis zum 31. Dezember suspendiert.“ Dass der Impfzwang in der Zwischenzeit gekippt wird, hält Siller für ausgeschlossen.
Ebenso wenig ist es möglich, dass die Betriebe auf die Suspendierung verzichten, wenn die offizielle Mitteilung erst Mal erfolgt ist, wie Martina Ladurner, Präsidentin des Verbandes der Seniorenwohnheime erklärt: „Es handelt sich dabei um einen formellen Schritt, den wir machen müssen, sobald von Seiten des Sanitätsbetrieb die Mitteilung erfolgt, dass wir die Mitarbeiter suspendieren müssen. Wir können dagegen nichts machen.“
Auch die Gewerkschaften kennen diese Vorgangsweise der Impfverweigerer. Evelyn Januth vom ASGB-Gesundheitsdienst ratet von einer solchen Vorgangsweise allerdings ab: „Es ist für uns ein absolutes Novum, aber die Mitarbeiter werden auch suspendiert, wenn sie das Einschreiben ignorieren, da der Betrieb ansonsten strafrechtlich verfolgt wird. Am Ende könnte sich sogar ein Nachteil für den Mitarbeiter entwickeln.“
So könnte es letztlich auch dazu kommen, dass der ungeimpfte Mitarbeiter dauerhaft ersetzt wird. Denn wie Martina Laduner berichtet, befinden sich viele Heime bereits auf der Suche nach Personal: „Wir kennen derzeit zwar noch keine Zahl, sind aber dabei, uns auf die Suspendierungen vorzubereiten. In erster Linie natürlich durch Umschichtungen, aber viele Heime haben sich auch auf Personalsuche begeben.“ Es ist also keinesfalls ratsam, den Einschreibebrief zu ignorieren.
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