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„Müssen es ernsthaft angehen“

Seit gut zwei Wochen liegt die 7-Tage-Inzidenz in Südtirol bei rund 150. Der Biostatistiker Markus Falk erklärt, warum die Zahlen vorerst nicht weiter sinken werden.

Tageszeitung: Herr Falk, die 7-Tage-Inzidenz hat sich in Südtirol seit gut zwei Wochen auf einem Wert von rund 150 stabilisiert. Warum gehen die Corona-Zahlen in Südtirol nicht weiter zurück?

Markus Falk: Das Infektionsgeschehen nimmt immer dann zu, wenn die Kontakte zunehmen und das ist auch in Südtirol wieder gegeben, da Schulen und Handel geöffnet wurden. Man muss aber auch dazusagen, dass das Infektionsgeschehen nicht unbedingt vor Ort, also in der Schule oder im Geschäft entstehen muss, aber durch diese Öffnungen nimmt einfach die Zirkulation insgesamt gesehen zu und damit auch die Infektionen.

Also werden die Infektionszahlen auch nicht weiter zurückgehen? 

Die Reproduktionszahl liegt mittlerweile wieder bei 1 und deshalb wird es nicht weiter nach unten gehen. Wenn wir weiterhin aufpassen, wird man dieses Niveau halten können, ansonsten werden die Zahlen ansteigen, so wie dies anderenorts nach den Öffnungen der Fall war.

Anfang Februar hatten wir noch eine 7-Tages-Inzidenz von über 800, mittlerweile liegt sie bei rund 150. Von einer Wocheninzidenz von 50 sind wir aber dennoch weit entfernt…

Eine Wocheninzidenz von 50 ist unter den gegebenen Voraussetzungen sicher nicht erreichbar. Da in Südtirol korrekterweise alles gemeldet wird, liegt unsere Zahl zudem höher als andernorts und lässt diese schlechter aussehen, als sie eigentlich ist. In Deutschland verzeichnet man derzeit eine 7-Tages-Inzidenz von rund 130, hat im Vergleich zu uns aber massive Schwierigkeiten. Was sagt uns diese Zahl dann wohl? Gar nichts! Innerhalb von Deutschland ist sie aber valide.

Ist die Zahl in Südtirol deshalb höher, da viel getestet wird und somit die Dunkelziffer geringer ausfällt?

In Deutschland misst die 7-Tages-Inzidenz im Wesentlichen dasjenige, das Richtung Krankenhaus geht. In Südtirol sind wir hingegen ganz nahe am Infektionsgeschehen dran. Die Dunkelziffer beträgt bei uns momentan Faktor zwei, auf einen Infizierten gibt es also noch einen weiteren unentdeckten. In Deutschland liegt dieser Faktor hingegen bei 6 – man fischt auf sechs Infizierte somit nur einen heraus.

 

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