Teure Pizza
Zwei junge Frauen, die auf einer Parkbank in Bozen ihr Mittagessen verzehrten, wurden mit Verwaltungsstrafen von 280 Euro belegt. Sie haben gute Gründe, sich zu beklagen.
„Herr Kompatscher, bitte erklären Sie uns, wieso wir dem Coronavirus Vorschub leisten, wenn wir unsere Pizzetta im Freien essen?“
Das ist die Frage an den Landeshauptmann, die Barbara Unterhofer und Sadbhavana Pfaffstaller nicht ohne Berechtigung stellen.
Die beiden Frauen hatten am Donnerstag in Bozen ein Erlebnis der besonderen Art: Sie wurden von der Bozner Stadtpolizei beim Essen ihrer Mittagspizza erwischt.
„Aus der Ferne wurden wir ungefragt fotografiert, es folgte die Belehrung, dass man im Freien nicht essen dürfe – weder allein noch mit anderen –, gefolgt von der Ausstellung einer Verwaltungsstrafe: 280 Euro. Pro Kopf“, berichten sie in einem bitterbösen Brief an den Landeshauptmann.
Dort schreiben sie, das Mittagessen auf „unserer“ Bank sei der „soziale Höhepunkt unserer Woche“:
„Wir zehren lange davon und freuen uns genauso lange darauf. Nebenbei gesagt, sind wir beide nicht ganz so allein: Halb Bozen isst, wie Sie sicherlich wissen, im Freien. Ob auf den Talferwiesen oder auf dem Waltherplatz, es wird sich getroffen und meistens in vernünftigem Abstand zueinander gegessen. Weil der Mensch das braucht“, betonen die beiden Frauen. Sadbhavana Pfaffstaller ist Exponentin der jungen Grünen und Gemeinderätin in Neumarkt.
Die Autorinnen des Briefes erklären sich als „Fans von Regeln“, die sich an die Corona-Bestimmungen penibel hielten. Das Ess-Verbot im öffentlichen Raum können sie hingegen nicht nachvollziehen. „Ist es besser, wenn wir unser Mittagessen im Büro zu uns nehmen? Zu zweit in einem engen Raum?“, fragen sie.
Und schließlich richten sie eine Warnung an den LH: „Herr Kompatscher, Sie verlieren uns. Und das will heißen, Sie verlieren diejenigen, die mitmachen und die Sache ernst nehmen“. (tom)
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