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„Wissenschaftlich falsch“

Ex-Primar Hubert Messner

Die Ärzte im Anti-Impf-Video handeln nicht nach dem hippokratischen Eid, sagt der ehemalige Primar Hubert Messner. Wie man mit ihnen nun umgehen soll.

Tageszeitung: Herr Messner, was denken Sie über das Anti-Impf-Video, das in den letzten Tagen für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat?

Hubert Messner: Grundsätzlich denke ich, dass das Video zu einem schlechten Zeitpunkt ins Netz gestellt wurde. Wir haben gerade erst begonnen, die Leute zu impfen, derzeit nimmt die Kampagne an Fahrt auf, dennoch ist ein Informationsdefizit vorhanden. Die Leute werden durch dieses Video zusätzlich verunsichert, weil Ärzte dabei sind, die man kennt und das Video professionell und einfach gemacht wurde. Mit dem Inhalt, also der Verbreitung von falschen Informationen, wird jedoch nur Unsicherheit gefördert.

Auch acht Ärzte haben in dem Video mitgewirkt. Diesen drohen jetzt rechtliche Konsequenzen durch die Staatsanwaltschaft und durch die Ärztekammer. Ist ein konsequentes Durchgreifen bei der Verbreitung von solchen Falschinformationen richtig?

Das ist schwierig, zu sagen. Die Ärzte, die im Video vorgekommen sind, arbeiten nicht im öffentlichen Gesundheitsdienst und sind daher auch nicht vertraglich an das Gesundheitswesen gebunden. Wenn sie Angestellte des Sanitätsbetriebes wären, muss man aufgrund der Aussagen in diesem Video, die wenig mit Wissenschaft zu tun haben, etwas dagegen unternehmen. Übrigens meine ich damit nicht nur die Aussagen zur Impfung, auch die Aussagen zu anderen Punkten sind nicht wissenschaftlich belegt. Nachdem es aber freischaffende Ärzte sind, lass ich es dahingestellt, ob es richtig war, sie bei der Staatsanwaltschaft anzuzeigen. Grundsätzlich können sie als freischaffende Ärzte ihre Meinung äußern, aber als Ärzte, Apotheker und Psychologen sind sie in einer Berufskammer organisiert. Speziell bei den Ärzten widersprechen die im Video getätigten Aussagen dem hippokratischen Eid.

Inwiefern?

Als Arzt muss ich meine Patienten nach Wissen und Gewissen behandeln. Im Video werden aber Sachen behauptet, die einfach nicht stimmen und den wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen und das ist eine Irreführung meiner Patienten. Wenn ich ein Gespräch mit meinen Patienten führe, der freiwillig in meine Praxis kommt und ich ihm so etwas sage, ist es mir egal. Wenn diese Meinungen aber an die Öffentlichkeit gehen, verunsichern sie Leute, indem Fakten vorgebracht werden, die wissenschaftlich nicht nachgewiesen sind. Sie gefährden alle Mitbürger, indem sie Unsicherheiten verbreiten. Für unser Tun als Ärzte sollten Patienten aber Vertrauen entwickeln und nicht verunsichert werden.

Lesen Sie das gesamte Interview in der Donnerstags-Ausgabe der Tageszeitung.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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