Die Skater-Polemik
Der Skatepark Platza wird ab heute wieder geöffnet – in Selbstverwaltung durch den Skateverein. Die Polemik über die Strafaktion von Polizei und Finanzwache geht weiter.
Von Thomas Vikoler
Bozens Bürgermeister Renzo Caramaschi hat ein Herz für Skateboarder. Bereits vergangenen Mittwoch wollte er den seit 11. Februar geschlossenen Skatepark Platza an den Talferwiesen wieder öffnen. Die Beamten im Rathauserinnerten ihn allerdings an die Not-Verordnung des Landeshauptmannes, wonach sämtliche Sportanlagen geschlossen werden müssen.
Müssen sie offensichtlich doch nicht, denn Caramaschi kündigte am Montag auf Nachfrage der TAGESZEITUNG an, dass der Bozner Skatepark bereits heute (oder spätestens morgen) wieder zugänglich sein wird.
„Wir setzen auf Eigenverantwortung der Jugendlichen“, betont der Bürgermeister. Der Bozner Verein Project Sk8 soll darüber wachen, dass sich zeitgleich höchstens 20 Skateboarder (mit Maske) auf der 1.200 Quadratmeter großen Anlage aufhalten. Freiwillige Skaterkontrolle.
Vergangene Woche, anlässlich der Strafaktion von Polizei und Finanzwache, waren auch nicht mehr Jugendliche dort. Aber die dazugehörigen Zahlen, welche u.a. in einer Stellungnahme der Finanzwache verbreitet wurden, sorgen weiter für Aufregung in der Szene.
Wie berichtet, stellte die Finanzwache drei Nutzern des (geschlossenen) Skateparks Strafen in Höhe von 680 Euro zu. Wegen Verstoßes gegen die Anti-Corona-Bestimmungen (Gruppenbildung) und Betretens einer gesperrten Sportanlage.
Die übrigen Skater, die sich am Donnerstag dort aufgehalten hatten, seien davongelaufen und hätten deshalb nicht identifiziert werden können, teilte die Finanzwache mit.
Das ist offensichtlich nicht zutreffend, denn ein Handy-Video zeigt Folgendes: Bei der Kontrolle bzw. Identifizierung durch Beamte in Uniform (Finanzwache) und Zivil (Polizei) ist eine Gruppe von mindestens zehn Jugendliche anwesend. Keiner von ihnen macht Anzeichen, davonlaufen zu wollen, es werden Personalien aufgenommen.
Eine Strafe bekommen haben letztlich drei Skater, darunter der Profi Davide Holzknecht. Er spricht von einer „Diskriminierung“, andere erheben sogar den Vorwurf des Rassismus, weil alle drei entweder dunkler Hautfarbe sind oder ein Elternteil einen ausländischen Namen trägt.
Das scheint wohl überzogen und es ist durchaus möglich, dass anderen Anwesenden in den nächsten Tagen eine Verwaltungsstrafe zugestellt wird.
Immerhin gibt es einen gute Nachricht: Es ist wieder möglich, legal zu skaten.
Kommentare (5)
Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen
Du musst dich EINLOGGEN um die Kommentare zu lesen.