„Zulassung noch im Dezember“

Bernd Gänsbacher
In den letzten Stunden haben sich die Meldungen zum Impfstoff überschlagen. Der Immunologe Bernd Gänsbacher zeigt sich optimistisch.
In dieser Woche gab es viele erfreuliche Nachrichten zum Impfstoff gegen das Coronavirus. Sowohl Moderna als auch Biontech und Pfizer haben die Zulassung des Impfstoffes bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA beantragt. Außerdem hat das Vereinigte Königreich den Impfstoff von Biontech und Pfizer bereits am Mittwoch zugelassen.
Professor Bernd Gänsbacher, der selbst bei der EMA tätig ist, berichtet, dass diese die Unterlagen für den Impfstoff nun gründlich untersuchen und keine Zeit vertrödeln werde. Hinter der Zulassung des Impfstoffes der Engländer sieht Gänsbacher ein „politisches Zeichen“: „Sie wollen der Welt zeigen, dass sie unabhängig von der EU agieren können. Seit dem Brexit unterstehen sie ja nicht mehr der EMA.“ Allerdings werde die Zulassung durch die EMA „in kurzer Zeit“ erfolgen.
Nach der Zulassung beginne dann der eigentliche Wettkampf. Es sei eine große Herausforderung für Transport und Aufbewahrung, dass der Impfstoff von Biontech und Pfizer bei -80 Grad gelagert werden muss. Er prognostiziert einen Verteilungskampf. Sicher sei nur, dass Risikogruppen und Sanitätsmitarbeiter zuerst geimpft werden.
Auch Italien wird in diesen Verteilungskampf involviert sein. Gesundheitsminister Roberto Speranza hat gestern angekündigt, dass es bereits im Jänner erste Impfungen geben werde und diese gratis gemacht werden können. Wann es auch in Südtirol so sein wird, hänge zum einen von der politischen Stärke Italiens innerhalb der EU und zum anderen der politischen Stärke Südtirols innerhalb Italiens ab. Gänsbacher prognostiziert, dass es erste Impfungen bereits im Dezember geben wird. Ob dann auch schon in Südtirol geimpft wird, kann er aber nicht sagen.
Mit der Zulassung alleine sei die Pandemie aber noch nicht beendet, gibt der Immunologe zu bedenken. Zwar haben die produzierenden Unternehmen angekündigt bis zum nächsten Jahr Billionen von Impfdosen zur Verfügung zu stellen, weil ein RNA-Impfstoff leicht produziert werden kann, aber: „Selbst wenn in Italien eine Millionen Menschen pro Monat geimpft werden, es 50 Monate dauern würde, bis man 50 Millionen der 60 Millionen Einwohner geimpft hat. Das sind mehr als vier Jahre.“
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