Die „Volkswut“
Ein perfides Posting gegen LR Philipp Achammer und seine Ehefrau Nicole Uibo belegt, welche Dimensionen die Welle des Hasses in den sozialen Medien erreicht hat.
von Artur Oberhofer
Eigentlich wollte sie sich nicht öffentlich äußern. „Vielleicht wäre es auch besser, dieser Sache keine Aufmerksamkeit zu schenken, aber manchmal“, so gesteht Nicole Uibo, „hat man einfach für sich das Gefühl, den Mund nicht mehr halten zu können.“
Nicole Uibo und ihr Ehemann Philipp Achammer haben vor wenigen Tagen am eigenen Leib erfahren, welche Dimensionen die Welle des Hasses und der Hetze in den sozialen Netzwerken inzwischen erreicht hat.
Die „Volkswut“, die bereits vor Corona latent war, ist mit oder wegen Corona noch virulenter und unerträglicher geworden!
Im Fadenkreuz der digitalen Hetzer und Rufmörder stehen die klassischen „Hass-Kategorien“: Politiker, Medien („Lügenpresse). Besonders exponiert sind die socia-affinen Politiker, also jene Mandatsträger, die ihren Mitteilungsschwerpunkt auf Facebook verlagert haben – so wie Philipp Achammer.
Der Bildungs- und Wirtschafts-Landesrat hat nun wieder einmal erfahren, wie fließend die Grenzen zwischen Bürgernähe und Pranger im Netz sind, wie schnell man in der digitalen Welt vom Politiker zum Anfassen zum Hassobjekt wird.
Was ist passiert?
Ein besonders dreister Hater hat ein Foto ins Netz gestellt, auf dem Philipp Achammer und seine Ehefrau Nicole Uibo zu sehen sind, wie sie in ihrer Heimatgemeinde Mühlbach über einen öffentlichen Platz gehen. Das Ganze versehen mit dem (holprigen) Begleittext:
„Der Achhammer wieder einmal …
Während andere im LOCKDOWN sind, und von DER LANDESREGIERUNG nur noch zu hören ist
Nix geht OHNE MASKE, hier mal Herr und Frau Achahammer unterwegs in Mühlbach OHNE MAULKORB.
(…)
Achso, Herr Achammer und Ihre Frau als Apothekerin, sollten Sie nicht Vorbild sein?“
Die Botschaft ist klar:
Das unterdrückte und drangsalierte Volk muss Maske tragen und daheim bleiben, während der Landesrat und seine Frau seelenruhig und unbeschwert durch Mühlbach spazieren – ohne Maulkorb, um es in der Sprache der Hass-Prediger zu sagen.
Nur: Das Foto ist über ein Jahr alt. Sogar ihr Schwangerschaftsbäuchlein sei zu sehen, ärgert sich Nicole Uibo, die inzwischen, im Juli dieses Jahres, Mutter eines kleinen Jungen geworden ist.
Der Gedanke, dass sie im eigenen Dorf von Hobby-Paparazzis fotografiert wird, die diese Bilder dann irgendwann für ihre perfide Zwecke missbrauchen, ist für Nicole Uibo äußerst unangenehm, unheimlich, schockierend.
Die Frau des Landesrates sagt:
„Irgendwie ist es schon schlimm genug überhaupt das Gefühl zu haben, sich für ein solches Foto rechtfertigen zu müssen!
Der Gedanke, im eigenem Dorf – es ist ja nicht schwer zu wissen, aus welchem Wohnhaus diese Aufnahme stammt -– wie von Paparazzis fotografiert zu werden, ist schon arg eigenartig! Was mich dann aber wirklich wundert, ja vielleicht sogar schockiert, ist, dass dieses Bild, das im letzten Winter irgendwann entstanden sein kann (man kann sogar mein Schwangerschaftbäuchlein erkennen), völlig aus der Situation gerissen wird, um nun für irgendwelche Zwecke verwendet zu werden … Vielleicht bin ich wohl manchmal zu naiv für diese Welt – aber manchmal schockiert es mich wirklich.
Aber es zeigt auch nur, was Social Media auch kann … wie schnell sich Dinge verbreiten, die weder der Wahrheit entsprechen, noch damit im Zusammenhang stehen…. wie schnell sich Menschen gegeneinander aufbringen lassen und Hass verbreitet wird … auch das ist Facebook!“
Kommentare (47)
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