Die „gefakten“ Fotos
LR Thomas Widmann hat Anzeige bei der Postpolizei erstattet, weil im Internet behauptet wird, der Sanitätsbetrieb verbreite gestellte Fotos aus den Intensivstationen.
von Matthias Kofler
Sie nennt sich „Sabine“ und gibt sich als Mitarbeiterin des Sanitätsbetriebs aus.
Auf Facebook und über WhatsApp zirkuliert Sabines Erfahrungsbericht: Darin erzählt sie, dass die Angestellten des Bozner Krankenhauses „von ganz oben“ (namentlich werden Sanitätslandesrat Thomas Widmann, Generaldirektor Florian Zerzer, Landes-Kommunikationschef Ulrich Stofler und eine „Agentur“ genannt) die Anordnnung erhalten hätten, Fotos von Intensivpatienten zu machen, die durchaus dramatisch aussehen sollten.
Manche MitarbeiterInnen – darunter sie selbst – hätten sich dagegen gewehrt, berichtet Sabine. Man wolle nicht zusätzliche Panik verursachen. Die Verantwortlichen seien aber stur geblieben.
Die Fotos, die dann von einigen Medien (darunter der Tageszeitung Alto Adige) veröffentlicht wurden, seien gestellt gewesen, so der Vorwurf der anonymen Sanitätsmitarbeiterin. Die Intensivstationen seien mit zusätzlichen (auch jüngeren)Patienten aus anderen Abteilungen gefüllt worden, um den Eindruck zu erwecken, dass dort Chaos und Überforderung herrschten. Sie habe dies den Medien mitgeteilt, doch diese hätten kein Interesse an der Wahrheit gehabt, so Sabine.
TAGESZEITUNG Online hat LR Thomas Widmann mit Sabines Vorwürfen konfrontiert. Dieser reagiert empört und kündigt an, umgehend Anzeige bei der Postpolizei zu erstatten.
Widmann: „Das ist eine große Schweinerei. Ich werde mit Sicherheit Anzeige bei der Postpolizei erstatten. Weder Zerzer noch ich haben Fotos aus der Intensivstation weitergegeben. Wir werden das überprüfen. Ich glaube nicht, dass irgendein Mitarbeiter des Sanitätsbetriebs den Zeitungen Fotos gesteckt hat. Es kann durchaus vorkommen, dass Journalisten Fotos aus ihrem Bilderarchiv nehmen. Dass wir aber Fotos stellen würden, ist total lächerlich. Die Intensivstation ist voll – da brauchen wir keine gefakten Fotos. Ich lade Sie ein, sich selbst ein Bild davon zu machen. Diese Unterstellung ist eine Lüge, die strafrechtliche Folgen haben muss. Als Sanitätsbetrieb kann man sich so etwas nicht gefallen lassen.“
Kommentare (75)
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