Testen oder Zwangsurlaub
Die Operation Massentest ist angelaufen. Mit welchen „Zuckerlen“ und mit welcher sanften „Erpressung“ die Landesregierung die SüdtirolerInnen zum Testen motivieren will.
von Artur Oberhofer und Thomas Vikoler
Arnold Schuler sagt gegenüber der TAGESZEITUNG:
„Der Aufwand wird groß sein, aber wir haben mit diesem Massentest die Chance, aus einer schwierigen Situation wieder herauszukommen.“
Eine Arbeitsgruppe, die aus Mitarbeitern des Sanitätsbetriebs, des Zivilschutzes, des Gemeindenverbandes, des Roten und Weißen Kreuzes und der Feuerwehren besteht, soll die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Massentest kein Flop wird.
Bis Ende nächster Woche sollen in allen Südtiroler Gemeinden Test-Stationen aufgebaut werden, und zwar in Turn- und Feuerwehrhallen.
An vier Tagen sollen dann möglichst viele SüdtirolerInnen getestet werden.
LH Arno Kompatscher hat mit seiner Ansage, er gehe davon aus, dass sich 80 Prozent der SüdtirolerInnen dem Test unterziehen würden, die Latte sehr hoch gelegt.
Das Ziel ist klar:
Es sollen so viele Corona-Infizierte wie möglich herausgefischt und in Quarantäne gestellt werden. Damit soll die Welle gebrochen bzw. gedämpft werden.
Der Landesregierung ist sich bewusst, dass es „Zuckerlen“ braucht, um die Menschen zur Teilnahme an dem Massentest zu motivieren.
Eines dieser „Zuckerlen“ wird sein, dass die Personen, die im Schnelltest positiv getestet werden, keinen PCR-Test mehr machen müssen.
Der LH will das römische Gesundheitsministerium nämlich davon überzeugen, dass im Falle eines positiven Antigen-Tests kein PCR-Test mehr gemacht werden muss, sondern dass die positiv Getesteten sich sofort in eine zehntägige Quarantäne begeben können, wobei ihnen die entsprechende Zeit automatisch als Krankenstand angerechnet wird.
Der LH wollte dazu noch nichts sagen.
Nur soviel: „Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium ist sehr eng und sehr fruchtbringend.“
Rom betrachte den Südtiroler Massentest als interessanten Versuch, der – wenn er denn erfolgreich verlaufe – auch andernorts durchgeführt werden könnte, so der LH gegenüber der TAGESZEITUNG.
Das Testergebnis liegt nach wenigen Minuten vor.
Aber es ist auch eine sanfte „Erpressung“ vorgesehen: Testen oder Zwangsurlaub!
Nach Informationen der TAGESZEITUNG dürfen Mitarbeiter von Betrieben, die nicht an der Testreihe teilnehmen, nicht mehr arbeiten, sondern sie müssen in der Woche nach der Testreihe – also ab 23. November – Urlaub nehmen.
Das Kalkül: Das Land lasse die Betriebe arbeiten, im Gegenzug müssten diese dafür sorgen, dass die Mitarbeiter sich testen lassen.
Organisatorisch ist der Massentest eine wahre Herkulesaufgabe.
In der Landesregierung geht man davon aus, dass über 2.000 Mitarbeiter eingespannt werden müssen (Ärzte, Pfleger, Sekretariats- und Verwaltungspersonal).
Das erklärte Ziel ist, dass sich 350.000 Personen testen lassen.
Getestet wird von Freitag, 20. November, bis Montag, 23. November.
Kommentare (110)
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