„Nicht aus Jux und Tollerei“
LH Arno Kompatscher erklärt, warum in Südtirol strengere Regeln als auf Staatsebene notwendig sind. Und LR Thomas Widmann warnt: „Ich wäre mit Abstand nicht der jüngste Intensivpatient.“
Von Matthias Kofler
„Wir entscheiden nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil die Lage ernst und bereits die Hälfte der Intensivbetten besetzt ist“, sagte LH Arno Kompatscher in der gestrigen Video-Sitzung des Landtags. Auch Sanitätslandesrat Thomas Widmann schlug Alarm: „Die Intensivstationen sind heute eindeutig jünger belegt als im Frühjahr, lange nicht alle haben starke Vorerkrankungen. „Anders als bei der ersten Welle wäre ich jetzt mit Abstand nicht der jüngste Intensivpatient.“ “
Am Vorabend war Südtirol von der römischen Regierung überraschend als gelbe Zone, also als eine Provinz mit dem niedrigsten Infektionsrisiko eingestuft – wohl deshalb, weil veraltete Zahlen verwendet wurden und die Autonome Provinz als eine der wenigen noch das Contract-Tracing schafft. Die Landesregierung versuchte zu verdeutlichen, warum die Situation deutlich alarmierender sei: Südtirol habe fünf Mal so viele Infektionen pro Tag wie Deutschland. Derzeit habe man 33 Intensivpatienten, wenn die Entwicklung so weitergehe wie in den letzten Wochen, stoße man schnell an die Grenzen, warnte Widmann. Die Abgeordneten hätten zwar mitgeholfen, die Bevölkerung aufzuklären. Manche Vorschläge seien aber widersprüchlich und würden für Verunsicherung sorgen, etwa wenn das Team K mehr PCR-Tests fordere und gleichzeitig Klagemöglichkeiten gegen diese Tests schaffe. „Es ist kein Wunschkonzert“, waren sich der LH und der Sanitätslandesrat einig.
Man sah Kompatscher an, dass ihn die jüngsten Entwicklungen nicht unberührt lassen. Südtirol habe Maßnahmen ergriffen, die mit dem wissenschaftlichen Dokument der Staat-Regionen-Konferenz vom 8. Oktober im Einklang seien: Vermeidung von Ansammlungen, Schließung von Bars usw. Das Problem sei nicht das einzelne Geschäft, sondern die Bewegung, die damit zusammenhänge. „In der jüngsten Regionenkonferenz hat man deutlich gemerkt, dass viele Regionen mit der Einstufung durch den Staat nicht glücklich sind, weil sie schlechtere Daten aufweisen. Wir sind nicht von der staatlichen Linie abgewichen, sondern haben nur früher reagiert“, so der LH.
Kompatscher wandte sich auch gegen den Vorwurf, mit dem Sonderweg würde er Verwirrung stiften: In Südtirol gelte das Dekret des Landes, nicht das staatliche. Die staatlichen Hilfsmaßnahmen würden aber auch in Südtirol greifen. „Die letzten Monate sind kein Vergnügen gewesen. Ich bin mir auch bewusst, was die Einschränkungen für die Bürger bedeuteten. Und ich bin mir bewusst, dass ich auch zur Rechenschaft gezogen werden kann, wenn die Maßnahmen nicht ausreichen“, so der SVP-Politiker.
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