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„Eine Überlebensfrage“

Quarantänestation in Gossensaß (Foto: Landesrettungsverein Weißes Kreuz)

Da die Militäreinrichtung „soggiorno montano“ in Gossensaß in eine Covid-Quarantänestation umfunktioniert wurde, entgehen der Tourismuswirtschaft am Brenner Einnahmen in Höhe von 500.000 Euro. Die Gemeinde Brenner verlangt eine Entschädigung.

von Erna Egger

Martin Alber hatte seine Intention schon im Wahlkampf angekündigt: In der jüngsten Gemeinderatssitzung hat er Taten gesetzt. Der Bürgermeister der Gemeinde Brenner hat eine Resolution auf die Tagesordnung gesetzt. „Und diese wurde einstimmig genehmigt“, betont er.

Mit der Resolution fordert der Gemeinderat eine Kompensationszahlung für die lokale Tourismuswirtschaft aufgrund der Einrichtung einer Quarantänestation im Militärferienheim „soggiorno montano“ von Gossensaß. „Es geht nicht an, dass man Tourismusstrukturen in einer Gemeinde ohne Ausgleich einfach zweckentfremdet“, reklamiert Alber.

Der Hintergrund: Die Militäreinrichtung „soggiorno montano“ in Gossensaß wurde vor sieben Monaten vom italienischen Verteidigungsministerium dem Land Südtirol für die temporäre Unterbringung von Corona-Verdachtsfällen zur Verfügung gestellt. Am 7. März bezogen die ersten Personen die neu eingerichtete Quarantänestation. Bereits einige Zeit vorher mussten die letzten Gäste die Struktur fast fluchtartig verlassen. Unter der Koordination der Agentur für Zivilschutz werden dort inzwischen vom Weissen Kreuz, der Militärbehörde und dem Südtiroler Gesundheitsbetrieb bis zu 140 Personen betreut, die bei sich zu Hause nicht die Möglichkeit auf eine isolierte Unterbringung vorfinden.

Auch die Marktgemeinde Brenner ist von der Notwendigkeit einer solchen Struktur überzeugt. Aber: „Leider zieht sich die Nutzung des Militärferienheimes nun schon über die abgebrochene Wintersaison, über die gesamte Sommersaison und jetzt auch noch in die kommende Wintersaison hinein weiter. Dies ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ein großer Schaden für die Tourismuswirtschaft der Gemeinde Brenner“, lautet es in der Resolution.

Martin Alber

Mit 574 Betten stellt die Militärstruktur mehr als ein Viertel der gesamten Betten der Marktgemeinde Brenner. In der Hochsaison sind diese Betten meist zur Gänze belegt. „Deshalb sind die Einbußen für die Tourismuswirtschaft in Gossensaß und dem Pflerschtal jetzt schon beträchtlich“, lautet es in der Resolution, in der die gesamten Defizite aufgelistet werden. Der Liftgesellschaft Bergbahnen Ladurns GmbH entfielen im Sommer knapp ein Drittel der insgesamt 25.000 Berg- und Talfahrten. Zu einem für die Liftgesellschaft existenzbedrohenden Problem könnten sich die Einnahmenausfälle durch das Fernbleiben der Gäste des Militärferienheimes in der bevorstehenden Wintersaison entwickeln. Das Ferienheim öffnet in einer normalen Wintersaison Mitte Dezember und bleibt bis Ostern geöffnet. Im Durchschnitt nächtigen und urlauben also ca. 400 Personen pro Woche in dieser Struktur. Diese Anzahl an Personen generierte in der Wintersaison 2018/19 rund 172.000 Euro an Umsatz für die Liftgesellschaft. Weitere Haupteinnahmen entfallen den angeschlossenen Betrieben im Skiverleih, der Skischule und der Gastronomie am Skiberg. Auf das ganze Jahr bezogen entfallen der lokalen Gastronomie im Pflerschtal und in Gossensaß beträchtliche Einnahmen in Bars, Cafès und Restaurants. Zusammenfassend kann der Verlust für die lokale Tourismuswirtschaft für den Zeitraum März 2020 bis zum Ende der Wintersaison 2021 sicher auf den Gesamtbetrag von 500.000 Euro beziffert werden. „Unter diesen Voraussetzungen stellt sich die Überlebensfrage für bestimmte Tourismusstrukturen“, betont Alber.

Die Forderung: „Aufgrund dieser Einnahmenausfälle fordert der Gemeinderat Brenner von der Landesregierung eine entsprechende Kompensation der unfreiwillig erfolgten Umsatzeinbußen für die lokale Tourismuswirtschaft.“

Die Resolution wird den zuständigen Landesämtern und Ressorts übermittelt. Alber wird das Gespräch mit Landesrat Arnold Schuler suchen, „um eine gemeinsame Lösung zu finden“, so Alber.

Schuler kommentiert: „Die Rechnung hinkt etwas: Es stellt sich die Frage, ob die Struktur auch heuer zu Corona-Zeiten diese Auslastung gehabt hätte. Außerdem: Das Militär hätte die Struktur dieses Jahr sowieso nicht touristisch genutzt. In jedem Fall wäre die Kaserne in eine Quarantänestation umfunktioniert worden. Es stellte sich nur die Frage, ob der Staat die Einrichtung selbst, oder wir sie nützen.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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